Hallo Alina,
nur ein paar Gedankenanstöße:
Es ist völlig in Ordnung, wenn man seinem Hund das Pieseln an bestimmten Stellen verbietet und es ist auch völlig in Ordnung, wenn man die "Piesel-Leidenschaft" eines Rüden ein wenig eindämmt, weil man ja nicht Spazieren-Stehen sondern Spazieren-GEHEN wollte...
Statt aber erst zu reagieren, wenn das Brünnlein schon fließt, würde ich an Deiner Stelle eher eingreifen, z. B. mit einem "Nein, komm weiter" (was der Hund natürlich dann kennen sollte). Man kann ja gut erkennen, ob der Hund gleich loslegen will oder nicht und rechtzeitig eingreifen.
Bei einem 8-jährigen, größeren Hund kann ich mir vorstellen, dass die Zieherei an der Leine auch ggf. Schmerzen auslösen kann und er deshalb knurrt. Das wäre etwas, was ich tierärztlich mal abklären lassen würde - Spondylose, Arthrose irgendwo - ein festes Ziehen am Geschirr, da kann das schon ganz schön weh tun - EINE mögliche Erklärung fürs Knurren.
Es kann aber genauso sein, dass Dein Hund Deinen Führungsstil ein wenig in Frage stellt, noch eine mögliche Erklärung fürs Knurren - was sich an einigen Beispielen in Deinem Text rauslesen läßt:
- er hört zu 85% - also nur dann, wenn es ihm genehm ist und er grad nichts besseres vorhat?
- nach einem Kommando (vermutl. Abruf) strullt er noch irgendwo gegen...
- wenn er 200 Meter von Dir entfernt ist - kannst Du machen was Du willst, Dein Hund weiß, dass er aus Deinem Einflussbereich draußen ist und er läßt Dich zu ihm kommen, statt umgekehrt...
Genauso "subtil" wie Dein Hund gerade Deinen Führungsstil in FRage stellt, kannst Du Dich auch wieder in die Führungsposition "beamen".
Nicht, indem Du Deinen Hund unterwirfst, das ist eine Methode, bei der man sowohl viel falsch machen kann, und die außerdem mittlerweile durch wesentlich bessere Methoden abgelöst worden ist.
Hol Dir die letzten 15% Hören von Deinem Hund - indem Du noch ein wenig intensiver an Deinen Kommandos arbeitest und dem Hund klar machst, dass diese Kommandos immer gelten, auch unter Ablenkung und auch, wennn ein Pipi-fleck noch so verlockend duftet.
Reagier nicht nur auf Deinen Hund, sondern versuch mal vorausschauender zu handeln - indem Du VOR Deinem Hund weißt, wo er hinstrullen will und ihm das rechtzeitig untersagst.
Laß ihn - solange er Dir die letzten 15% Aufmerksamkeit noch nicht schenkt - gar nicht erst so weit aus Deinem Einflussbereich weg - 200 Meter für einen HUnd, der noch nicht so gut hört, ist schon arg viel. Wie willst Du Dich da dem Hund gegenüber durchsetzen, wenn Du erst mal in seine Richtung wandern musst?
Verwechsel das Wort "Durchsetzen" nicht mit körperlicher Gewalt oder dem Unterwerfen - "Durchsetzen" soll einfach bedeuten, dass Du Deinem HUnd ein paar sinnvolle REgeln aufstellst und mit für den Hund verständlichen Mitteln diese dann auch durchsetzt.
Vielleicht schreibst Du mal noch ein wenig, woran es bei den fehlenden 15% hapert, was Dein Hund bisher kann und wie Du ihm bisher neues beigebracht hast.
LG, Chris