Beiträge von McChris

    Es ist blauäugig zu glauben, dass nur schlechtes/ dummes Verhalten der Wanderer zu Vorfällen mit Rindern führen.

    Das behauptet ja auch niemand.

    Nur, wenn ich so vergleiche, was man in Rinderhalter-Lehrgängen lernt und wie man als Rinderhalter mit seinen Tieren umgeht und was da im Alltag z. B. auf der Almhütte da im untersten Video meines letzten Beitrags passiert, rollen sich mir die Fussnägel hoch.

    Rinder sind für ihre Größe, ihr Gewicht und ihre potentielle Kampfkraft unglaublich friedfertige Tiere.

    Ne Freundin von mir hat mal bei einer Attacke von Rindern zu ihren Hunden nen Wanderstock geschrottet.

    Sie hat dann hoffentlich Bescheid gesagt danach - sowohl, was das Verhalten der Rinder anging, als auch damit der Halter beim Rind nachsehen konnte, ob es durch den Stock verletzt worden ist.

    Ich würde meinen Tieren so einen Tourismus-Kram nicht zumuten wollen. Die Alm-Betriebe haben diese Wahl nicht. Wenn denn dann müssten m. M. n. die Tourismus-Verbände dafür sorgen, dass die Wanderwege umgelegt werden, ausgezäunt werden oder was auch immer notwendig ist, um Touristen und Weidetiere voneinander auf Abstand zu halten.


    Jetzt die 100 Punkte Frage, was macht man mit einem Hund, an dem die Kühe großes negatives Interesse zeigen und man ihn quasi ableinen müsste, aber dieser Hund definitiv freudig auf die Kühe zugehen würde und es nicht rafft, dass diese grade gar nicht cool drauf sind?

    Ihn nicht in solche Situationen bringen.

    Ich mag (und unterstütze) das Konzept von Equiwent in Rumänien.

    Neben aktiven Kastrationsprogrammen für Hunde und Katzen und den kostenlosen mobilen TÄ wird da der Tierschutz durch ein Belohnungssystem gefördert. Wer gut zu seinen Hunden/Arbeitspferden ist und sie gescheit versorgt, bekommt auch anderweitige Unterstützung. Das ist ein enormer Anreiz. Es werden vor Ort Tierärzte, Helfer, Schmiede ausgebildet, es gibt Tierschutzunterricht in den Schulen.

    Und ja - da tut sich was. Das geht nicht von jetzt auf gleich, das braucht Kontinuität, langen Atem, ein zunehmend ausgebautes Netzwerk. Aber es tut sich spürbar etwas. Man darf da nicht in zu kurzen Zeitspannen denken. Man muss die Menschen vor Ort erreichen und das dauert seine Zeit, bis man ein nachhaltiges Umdenken in Gang bringt, das aber die Voraussetzung für Änderungen ist.

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    Hier ist mal noch ein offizielleres Erklärbär-Video zum Thema - das finde ich recht gut:

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    Und hier sind mal ein paar Szenen zu sehen:

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    Und hier sieht man die "Praxis" an einer Hütte, da wird z. T. nicht ansatzweise angemessener Abstand gehalten, einfach durch die Rinder durchgeradelt, als wären das Papp-Kühe, einfach angegrabscht und all sowas:

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    Keine Ahnung, ob das normal ist. Aber ich fände das auch mehr als unangenehm. Vielleicht weiß McChris was.

    Es sind halt Lebewesen, wie unsere Hunde auch. Da kanns Vorlieben und Abneigungen geben. Auch "alm-erprobte" Rinder, die Hunde grundsätzlich gut kennen, können mal einen schlechteren Tag oder keine Löffel mehr übrig haben. Das sind ja nun auch keine Maschinen, die immer gleich funktionieren.

    Hund und Rind ist das Verhältnis Beutegreifer zu potentiellem Beutetier - das sollte man nicht unterschätzen. Grad mit zunehmender Wolfsausbreitung.

    Wenn man solche Begegnungen hatte, sollte man immer entweder bei der nächstgelegenen Hütte oder spätestens beim Tourismus-Verband Bescheid geben.

    Nur, wenn der zuständige Landwirt das auch weiss, kann er was unternehmen.

    "auf der Straße lassen" bedeutet, dass Menschen vor Ort, die Tiere lieben und sich für die engagieren sich das anschauen müssen. Und schlimmeres.

    Ja, ich weiss.

    So, wie wir Weidetierhalter uns von Wölfen zerfetzte Weidetiere anschauen müssen, die für Zeitungsmeldungen verpixelt werden.

    Ich kann das also mit Sicherheit sehr sehr gut nachvollziehen, das man will, dass auch andere diese schrecklichen Bilder sehen.

    Die Bilder, die Du zeigst, sind wichtig. Dennoch - und deshalb der Spoiler als Kompromiß - sind sie verstörend und da, wo man es kann, sollte man den Menschen die Gelegenheit geben, sich bewusst fürs Anschauen zu entscheiden.

    Tierschützer vor Ort haben diese Wahl nicht, die sehen nicht nur die Bilder, die hören das schwere Atmen der Tiere, das Winseln, sie riechen den Tod, sie leiden mit. Das ist nicht fair, ich weiss.

    Sagt ihr was?

    Ja.

    Bei den Touris hier (ganz ohne See) zeig ich oft nur noch wortlos auf die schwarze Wand, die sich meist aus Nord-West oder Süd-West nähert, wenn sie grad zu ner Tour aufbrechen wollen. Meist so Marke: "Tschulligung, aber haben Sie das da *zeig* gesehen?"

    Was sie draus machen, ist dann ihr Ding.

    Manche Gefahren sind den Leuts einfach nicht so bewusst, wenn das vllt. nicht ihr gewohntes Lebensumfeld ist.