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Chris
Ja, ich denke, das ist der einzige Weg, ich muss es ganz viel üben, Ida hinter mich zu bringen und mit ihr zu trainieren, dass sie sich dort ruhig verhält. Aber mir ist immer noch nicht so ganz klar, wie genau ich das üben kann. Kannst du mir das noch mal genauer erklären? Hälst du die Leine weiter in der Hand, wenn du nach vorne gehst? Was tue ich, wenn Ida dann aufsteht? Sobald ich mich in Bewegung setze, ist das für Ida der Startschuss, voll in die Leine zu gehen und "mit zu vertreiben". Ich kann sie dann kaum halten und brauche meine ganze Körperkraft, um sie wieder ins Sitz zu bringen. Wie hast du es geschafft, dass deine Hunde nicht wieder vor dich kommen?
Hallo Susanne,
es ist nicht der einzige Weg, aber einer von vielen, wie man mit solchen Situationen umgehen kann.
ICH habe damals - noch mit einer anderen Mehrhundekonstellation - angefangen, so zu üben und die "ranstürm-Hundebegegnungen" so anzugehen, weil es mich auch völlig genervt hat, dass solche Momente mit mehreren Hunden dann sehr schnell sehr unübersichtlich werden können, weil ich zu der damaligen Zeit zwei Hunde dabei hatte, die noch am Lernen waren, dass das HIER auch in besonderen Momenten gilt und ich sie nicht einfach ableinen konnte bei sowas... und irgendwann nervte es mich auch, das war noch in Niedersachsen, dass ICH ständig die mangelnde Ausbildung anderer Hunde ausbaden musste....
Also entstand bei MIR die Idee - da Hundekontakte unter solchen absolut dämlichen Bedingungen, wie der, dass ein Fremd-Hund absolut unkontrolliert und absolut nicht hundebegegnungskonform auf uns zugerast kommt, von vorneherein einen "unglücklichen" Start einer Hundebegegnung bedeuten - lasse ich sie nicht zu.
Da MEINE Hunde dann jeweils gesichert und artig waren, blieb ja nur noch übrig, an dem heranstürmenden Hund etwas zu "ändern"...
Ich hab klein und bescheiden angefangen - mit dem einzelnen Hund das "hinter mich" zu üben - das geht auch erst mal als Trockenübung...dann hab ich, wenns einzeln geklappt hat, zwei Hunde genommen und einfach hinter mich geschickt, dann drei, dann vier dann fünf... Als das schon gut klappte, habe ich mir "Freiwillige" gesucht. Mit Hunden vom Hundeplatz oder Hunden aus der Bekanntschaft...
Und die sind dann (angeleint) auf uns zugekommen, und ich habe wieder das "hinter mich Sortieren" geübt - und dabei auch schon so Besonderheiten - wie z. B. den um uns kreisenden Hund (in einigen Metern Entfernung...) - bei fünf angeleinten HUnden hätte man mit Sitz dann innerhalb kürzester Zeit einen Knoten in den Leinen, den selbst Houdini nicht so schnell aufkriegen würde...... deshalb habe ich das "hinter mir" mehr als eine "dynamische" Sache betrachtet, bei der meine Hunde ab einem bestimmten Übungsstadium von selbst ihre Position hinter mir beibehalten und immer wieder neu eingenommen haben, wenn ich mich bewegt habe...
Dazu gab es alltagsbedingt natürlich in jeweiligen Ausbildungsschritten "Echt-Situationen", in denen es anfangs noch nicht so gut geklappt hat, aber mit fast jeder Echt-Zeit-Begegnung konnte man Fortschritte sehen...
Wenn ich von den Hunden "weg" gehe - sind das die knapp zwei Meter Spielraum, die die Leinen mir lassen, also bin ich nicht ewig weit weg, für MICH mit Hunden sehr unterschiedlicher Größe ist auch das HINTER mir besser als das NEBEN mir, weil ich sonst Gefahr laufen würde, bei einem "körpersprachlichen Abblock-Ausfallschritt" meinen Yorkie zu übersehen....
Auch das im Leinenspielraum vorgehen, während der Hund da hinten bleibt, kann man erst mal als Trockenübung üben - ich hab das alles immer rein situativ bedingt "überarbeitet" und dann dementsprechend geübt....
Nun habe ich den Vorteil, dass diese "Abblockerei" bei uns Pferdeleuten ja durchaus verbreitet ist - wenn man bei der Freiarbeit mit Pferden arbeitet, nutzt man ja auch genau solche körpersprachlichen Elemente, um beim Pferd Richtungs- und Tempowechsel durchzuführen...deshalb kam mir das Ganze natürlich recht vertraut vor und Hunde reagieren fast ähnlich wie Pferde darauf... ich hopse also nicht wie ein Karton-Teufel in der Gegend rum, sondern kann das ganz gemütlich machen, solange der "Fremd-Hund" noch in ein paar Metern Abstand von uns ist...
Ein Beispiel - der Fremdhund kommt von recht frontal auf uns zu - halt eine Spaziergeh-Begegnung, die Hunde bekommen ein "nach hinten" von mir - heißt, ich befinde mich zwischen Fremd und meinen Hunden...
der Hund kommt im flotten Trab oder im Galopp, lautmalerisch von "Der tut nix" untermalt...
Zuerst bremse ich ihn mit dem ausgestreckten Stop-Arm mit breiter, flächiger Hand aus, beuge mich dabei etwas vor und mache einen Schritt auf ihn zu - da bremsen die meisten schon aus... je nach "Ehrgeiz", versucht er dann rechts oder links "auszubrechen", um uns zu umkreisen und da reicht dann ein Ausfallschritt rechts oder links, um diese Idee im Anfang zu unterbinden... je weiter der HUnd noch von uns weg ist, desto leichter haben wir es...
Etwa dreiviertel aller "Tut-Nix"-Begegnungen enden an dieser Stelle mit einem heranhechelnden HH, der dann auf meine ruhige aber energische Bitte hin, seinen HUnd anleint...
Sprüche a´la "Na ihre sind aber unverträglich" oder "Die müssen doch Kontakte haben dürfen" oder das ganze übliche Blablabla ignoriere ich einfach - ganz im Ernst, für mich hat sich ein HH, der seinen HUnd nicht abrufen kann, als Diskussionspartner schon im Vorfeld disqualifiziert...
Heißt, ich habe in solchen Momenten vermutlich eine recht arrogante Ausstrahlung, die mir einen Großteil dämlicher Sprüche, über die man sich sonst aufregen könnte.... erspart... das fällt einem umso leichter, wenn die eigenen Hundis wirklich artig sind und wir quasi zu sechst, hämisch grinsend dabei zusehen, wie der HH hinter seinem Hund herrennt, um ihn endlich an die Leine zu kriegen...
Manchmal ergeben sich auch durchaus nette Kontakte und DANN werden auch Hundekontakte zugelassen - bei denen meine Hunde dann einzeln nacheinander ins Rennen geschickt werden, damit der "Fremde" nicht von einer eingespielten Übermacht überrumpelt wird...
ICH fahre mit dieser Methode gut - MEINE Hunde in ihrer Gruppe und im lockeren Sozial-System der Dorfhunde BRAUCHEN diese Kontakte nicht wirklich....und MEINE Hunde dürfen dann, wenn wir Kontakte zu fremden Hunden aufnehmen, auch eine regelkonforme Kontaktaufnahme durchführen, die dann weitaus länger dauert, als die 0815-Begegnungen im 1,5 Minuten-Takt, die heutzutage so "in" sind...
HTH,
LG, Chris