Moin,
ja, ich hab einen gehabt, Diego hat Besucher auch nicht geschätzt - aber immerhin, lag er in seinem Korb und knurrte sie nur an,sobald sie sich bewegten..... er griff nicht an - verbellte durchaus. Menschen, die bei uns ein und aus gehen (auch Postboten) hat er irgendwann akzeptiert, Menschen, die selten kamen - das war echte Sympathie.
Ich hab ihn dann, wenn es gar nicht ging, ins Schlafzimmer (das ist auch mein Büro und Tagesaufenthaltsraum) gebracht und die Tür geschlossen, zwar fand er das blöd - aber für mich war eine geschlossene Tür immer eine Alternative.
Die Trainingsmethoden, von denen Du berichtest sind, meiner Meinung nach, ungeeignet mit so etwas umzugehen. Grade wenn Herdenschutzhund dabei ist - jahrhundertealte Auslese innerhalb der Hundezucht - das bekommt man in zwei, drei Genearationen oder Mixerei nicht raus - das braucht Fingerspitzengefühl, Verständnis und eine kompetente Führung.
Das merke ich an Lucas, kein Herdenschutzhund in dem Sinne, aber ein selbstständiger Begleiter der Ziegenherden nahe La Palma, die gehen morgens allein mit den Herden raus, hüten sie und kommen Abends wieder - die sind es gewohnt, selbstständig zu arbeiten, zu entscheiden und zu handeln. Und wenn mein Kommando ihm unsinnig erscheint, dann überhört er es schlicht. Solche Hunde haben keinen Kadavergehorsam sondern treffen eigene Entscheidungen. Je mehr wir gemeinsam machen, desto mehr aber hört er auch auf mich.
Grad heute kam uns ein "Walker" entgegen, sehr groß, sehr schlacksig, der sah einfach seltsam aus, von seinen Bewegungen her. Lucas nahm ihn wahr, spannte sich an und beobachtete ihn - ich blieb ganz betont gelassen, holte ihn ins Fuß und hielt ihn kurz, aus einiger Entfernung sagte ich dann "Guten Morgen" ganz fröhlich, der Typ antwortete und Lucas entspannte sich sofort - ungefährlich - als er vorbei war, gab`s Lob und Leckerchen. Hätte ich nicht reagiert, wäre er vermutlich auf ihn zugesprungen und hätte gebellt.
Er lernt, mit zu vertrauen und anzunehmen, was ich einschätze. Darum geht es.
Also tut Dein Hund im Grunde nur seinen Job - eventuell kann das Wissen um die Arbeit eines solchen Hundes die eigene Einstellung verändern. Lucas etwa, wenn wir in ein Cafe gehen. Ich kann nicht bei Ankunft "sitz" sagen, das würde er nie tun..... er steht und steht und schaut sich um und wenn er befindet, alles okay, dann legt er sich zu meinen Füßen und dort bleibt er, bis wir wieder gehen. Das hat mich, zu Beginn, als ich nicht um seine Rassetypischen Eigenschaften wusste, echt genervt. Aber klar, welchen Sinn mache es, für einen derartig arbeitenden Hund an einen neuen, unbekannten Ort zu kommen und sich ohne sich umzuschauen und zu sichern, hinzulegen? Das wäre ja, aus seienr Sicht heraus Irrsinn.... also gehe ich auf ihn ein und lasse ihn tun. Würde ich das "Sitz" einfordern - würde er mich vermutlich nicht ernst nehmen - weil ich irrsinniges fordere und so lernen wir langsam miteinander.
Allerdings ist es ihm im Haus schnuppe, wer da herum läuft, grad vor zwei Tagen, kam in der Nacht ein Freund meines Mannes an, er bekam das nicht mit, lag morgens in der Küche in seinem Korb, der Freund kam aus dem Gästezimmer, Lucas schaute ihn an und das war´s..... außer das er ihm mit dem Blick folgte - war alles gut. Diego hätte ihn verbellt...... und da bin ich dann gefragt, Diego musste - da stand ich neben - in solchen Momenten in seinem Korb bleiben. Das erste Jahr hab ich dort durchaus auch eine Leine gehabt, für Momente in denen ich nicht 100%tig bei ihm sein konnte.
Meine Hunde haben niemanden anzubellen, da gibt`s ne Ansage, verbal, und da sie ansonsten extrem sensibel sind, hat das auch Wirkung. Notfalls drehe ich um und gehe in die andere Richtung, okay, das nutzt bei Lucas nichts, aber er ist der erste Hund, bei dem das nicht hilft, den muss ich quasi hinter mir her ziehen. Vielleicht ist er nicht dazu geeignet, Bus zu fahren oder vielen Menschen zu begegnen, Diego hat das zu sehr gestresst, so das wir das einfach vermieden haben. Der war glücklicher zu Hause oder im Auto.
Manches ist möglich, anderes nicht......
Sundri