Moin,
Tischarbeit kenne ich aus der Jagdhundeausbildung auch - ich hab das immer als "Ausbildung für Faule" gesehen, weil der Hund hübsch auf Arbeitshöhe steht, man ihn besser händeln kann und sich nicht dauernd bücken muss...... also, nicht für faule Hunde, sondern für faule Menschen.
Wobei ich mich heute auch dabei ertappe, das ich Lucas zum Abtrocknen auf die Bank unter dem Dach hopsen lasse, damit ich ihn besser abtrocknen kann - also - dafür geht`s dann doch. 
Zwangsapport - Menschen glauben immer, das ihre Hunde sie austricksen, nicht gefällig sein wollen, sie über den Tisch ziehen - Gewalt ist ein großes Thema, grade innerhalb der Jägerschaft. Wenn es um Bringtreue geht (der Hund bringt selbstständig aufgefundenes totes Wild zuverlässig seinem Jäger) gibt es durchaus seltsame Anwandlungen. Da hab ich mich damals auch gezankt. Bei dieser Prüfung wird der Hund in die Büsche geschickt und irgendwo liegt ein Fuchs (ohne Apportierkommando), nun soll der Hund den Fuchs "zufällig" finden, aufnehmen und bringen. Da wird teils ohne Fuchs geübt und der Hund kriegt eine solche Ansage, wenn er zurück kommt, das er schlicht davon schleicht. Das fand ich immer falsch.... ich mein, das ist eine reine Prüfungsaufgabe - da liegt etwas 100%tig und mein Hund soll lernen, dass, wenn ich ihn los schicke - da auch etwas zu holen ist! Immer!!! Nicht, das da mal was nicht sein könnte...... und dann traut er sich nicht mehr zu mir zurück? Alles schon erlebt.
Bringtreue findet sich dann in der Revierarbeit von allein, Malik hat mir alles gebracht, was er fand - ehrlich, bei Sonntagsspaziergängen war das nicht immer schön..... einmal brachte er mir ein Kanin, das bereits wieder lebte und, ums verrecken nicht, wollte er es ausgeben, ohne das ich es ihm abnahm und ich wollte das nicht anfassen, echt nicht..... es war so eklig, während ihm also die Made über die Nase kroch musste ich dies tote Tier anfassen.....
aber, das war eben Bringtreue und eine hervorragende Apportierarbeit. Geht auch ohne Zwang, mit viel üben und viel Zuwendung.
Aber, wenn es um Geld geht, also die Ausbildung von Hunden für den Verkauf, dann will man einem Hund alles in sehr kurzer Zeit beibringen, da bleibt keine Zeit für Entwicklung und Reifung des Individuums, da wird gedroschen und gedrückt und Zwang ausgeübt...... weil man so ein Jahr Ausbildung spart (eine gute, dem Hund angepasste Ausbildung im Jagdhundebereich dauert 3 Jahre (Jugendsuche, HZP und VGP bzw. Gebrauchshundeprüfung) und 3 Jahre sind lang..... man kann das in zwei Jahren schaffen.... entweder bei einem hervorragend angelegten Hund, oder einem hervorragenden Hundeführer oder mit Zwang. Und letzteres herrscht eben vor. Viele Jäger haben einfach kein Gespür für Hunde oder anders, viele Menschen (auch Hundehalter) haben kein Gespür für Hunde und dann wird`s eben eklig.
Wenn der Hund apportieren soll, so ist das eine hochkomplizierte Aufgabe, die aus vielen kleinen Schritten besteht und er muss Zeugs in den Fang nehmen, das er im Grunde nicht so gern nimmt.... er darf nicht knautschen oder kauen, er muss es ruhig tragen, darf es unterwegs nicht ablegen - und ein Hase lässt sich sehr anders tragen als ein Apportel - frisches Wild ist warm und riecht unglaublich gut.... es blutet vielleicht oder schlimmer, es lebt noch und der Hund darf einfach nichts tun, außer es tragen, sicher, fest und ohne Druck. Das kann nicht jeder seinem Hund beibringen..... Er muss sich setzen (jedenfalls bei unseren Prüfungen) und das Apportiergut auf Kommando sicher ausgeben, wehe es fällt herunter..... wehe die Ente macht sich auf und davon..... wehe der Hund tötet sie - alles Gründe fürs Durchfallen und dann kommt eben noch der Gruppenzwang dazu "WAAAAS, Du bist durchgefallen? Das kost ne Runde!" Männer unter sich.... sind ja meist Männer, das spielt auch eine Rolle, die oft nicht gesehen wird. Und zu allem gehört eine gewisse Ruhe des Hundes, eine Reife (die wird oft übersehen, leider) des Geistes und der Arbeitshaltung.
Und der alte Glaube, wenn der Hund erst lernt, das er einem die Dinge vor die Füße werfen darf - dann lernt er esnie mehr - kommt auch noch dazu. Nonsens - aber leider noch weit verbreitet. Kompliziert wird es dann auch noch mal, weil Raubwild - das soll er, wenn es angeschossen ist, abtun (töten) und dann zutragen, was also bei Wild für die Küche ein Durchfallgrund in allen Prüfungen ist, ist bei Raubwild hingegen gewünscht. Und all das soll mein Hund in der Ausbildung lernen, bzw. ich soll es ihm beibringen - nun hab ich, sag ich mal Hundeverstand und finde Wege meinem Hund klar zu machen, was ich will - aber viele können das nicht. Ist auch ein Generationsproblem, während ich meine Kinder nicht züchtige - tut das die Generation vor mir durchaus noch..... sie kennen nichts anderes.
Sundri