Die gleiche Frage kam kürzlich in einem anderen Forum auf, ich kopier einfach mal meinen dazu geschriebenen Text hier rein. Vllt trägts ja zum Verständnis bei.
ZitatAlles anzeigenAber wie heisst es doch gleich: immer schön schwammig bleiben - also: kommt auf den Hund an [lol2]
Ich schreib mal erst was Allgemeines dazu. Die Wertigkeit von Verstärkern ist ja von vielen Dingen abhängig, auch sind Belohnungen, die wir geben, nicht automatisch Verstärker. Zuweilen sind vermeintliche Verstärker in der Wertigkeit so gering, dass sie schon fast wieder "strafend" wirken können.
So, der Wert ist zum einen abhängig u.a. von
- Tageszeit
- Situation
- Sättigung (Satiation)
- Entzug (Deprivation)
- Wohlbefinden des HundesEs gibt einen markanten Spruch dazu: "Je schlechter ein Verstärker im Training funktioniert, desto stärker muss er im Alltag reduziert werden." Gilt natürlich für die Dinge, die man gefahrlos geben kann [^^]
Der intrinsische Wert, also wie sehr ein Hund von sich aus etwas haben will, hängt u.a. ab von
- vorhergehenden Assoziationen (z.B. hat der Halter im Training mit diesem Verstärker immer zu hohe Erwartungen an den Hund)
- der Anstrengung die dafür vom Hund geleistet werden muss
- der Zeit, je weiter der Verstärker von dem Verhalten weg ist, desto schwächer wird er
- durch die herrschende Ablenkung (Beispiel: Welpe sieht die Welpenkumpels nur einmal in der Woche, das TroFu-Krümelchen, für das er dort dann Sitz machen soll und das er jeden Tag zu Hause bekommt, ist dann kaum noch ein Verstärker)Wie und welche Wahl der Hund in Bezug auf Verstärker trifft basiert auf der Verhaltensökonomie.
Über klassische Konditionierung kann man Verstärker also aufwerten. Etwas, was der Hund nicht so geil findet, muss VOR etwas erscheinen, dass er uuuuuuunbedingt haben will. Die guten Dinge wirken sich also wieder auf die davor liegenden aus. Die klassische Konditionierung funktioniert ab 50%, also 5 mal Kauseil vor 10 mal Hasenfelldummy und das Kauseil wird attraktiver. Ebenso (schnell) fällt die Wertigkeit wieder. Die Belohnungsrate muss beim Aufwerten einfach tierisch hoch sein. Bei sowas ist Minutentraining einfach spitze. Wenn man in 60 Sekunden 20 mal Kauseil > Felldummy hinbekommt und das 10 Mal über den Tag verteilt, hat man in effektiv 10 Minuten 200 Belohnungen geschafft. Und das auch noch ohne Keks [lol2]
Zum anderen lohnt es sich die Bandbreite an funktionalen Verstärkern (also die, die den Hund DIREKT bedürfnisorientiert belohnen) anzuschauen.
Bei Jagdverhalten: Ersatzbeute
- beobachten
- hetzen
- suchen
- zerlegen
- fressenBei Aggression:
- Bedrohung verschwindet (durch eigenes oder fremdes Entfernen )
- Ressource wird behaltenBei Angst:
- Distanzvergrößerung zur Bedrohung
- Bedrohung verschwindet (durch eigenes oder fremdes Entfernen )Bei Kontaktwunsch:
- Soziale Verstärker (Aufmerksamkeit, Lob, Interaktion…)
- Spiel
- Distanzverringerung zum Artgenossen oder MenschenBei Hüteverhalten:
- Bewegung mit Augen verfolgen
- Bewegung durch eigene Bewegung kontrollierenVielleicht wäre auch schon einiges zu lösen/zu verbessern über die Anpassung von Verstärker-Schematas bzw. Belohnungsmodelle, nennt man die glaub ich auch. Da gibts u.a.
- Immerverstärkung (um u.a. Verhalten aufzubauen - gibt also jedes Mal beim Verhalten eine Belohnung, egal wie gut oder schlecht es erstmal ist)
- Regelmäßige Häufigkeitsverstärkung (zB nach jeder dritten Ausführung kommt die Belohnung, damit baut man bspw. Kekse ab)
- Variable Häufigkeitsverstärkung (nur dann und wann, u.a. um Verhalten gegen Löschung abzusichern)Hab ich einen sehr nach aussen fokussierten Hund, wirken die Ablenkungen ja viel stärker auf ihn. Bei einer variablen, differenzierten Belohnung kann es also vorkommen, dass WENN ich den Hund mal belohne, die Wertigkeit so niedrig in dem Moment ist, dass de facto keine Verstärkung eintritt. Ergo gebe ich Belohnungen, verstärke aber nur SEHR SELTEN wirklich das erwünschte Verhalten. Muss man dann sehen, ob man einfach erwünschte Verhalten (wieder) IMMER belohnt, um eine Art "Basisverstärkung" zu erreichen.