Beiträge von Estandia

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    Mich würde es einfach mal interessieren wie lange ihr gebraucht habt euren Hund "fertig" zu erziehen.
    Wie lange habt ihr gebraucht um zu sagen : Ok, mein Hund ist alltagstauglich - kann alles was er für meine Verhältnisse können muss!"

    Ich würd sagen nach der Hundeführerscheinprüfung 2009 ist bei uns erziehungstechnisch nichts mehr passiert. Da war der Hund so 4,5 Jahre alt, etwa 2 Jahre waren wir in der HuSchu und haben "darauf hin" trainiert. Und da ich sehr faul bin waren das vielleicht effektiv 6 Monate reines Training. Das mag wenig klingen, aber da war halt alles dabei, was wir für uns bis heute brauchen.

    Die aktuten Probleme waren damals (als ehemaliger Straßenhund) halt Fressen von der Straße und Unsicherheit ggü Menschen. Größte Pluspunkte Verkehrssicherheit und hohe Soziabilität. Kein Thema mit Hunden. Kein unerwünschtes Jagdverhalten. Ergo wenig wo man wirklich aktiv gegensteuren musste bzw. haben wir das was der Hund gezeigt hat einfach nur in einen adäquaten Rahmen gepackt. Dank der guten HuSchu hatten wir auch gleich den richtigen Start und sind nicht von Trainer A zu B zu C gewandert, um nur noch Fehler auszumerzen...

    Seitdem machen wir "nur noch" privat ein bisschen Sport. Dummytraining, Longieren, Rally-O, Nasenarbeit. Sowas eben. Für die Alltagstauglichkeit ist das aber unerheblich. Durch das gute Fundament hat der Hund größte Freiheiten, kann wunderbar mit Einschränkungen umgehen und ist (für unseren Alltag) ein unkomplizierter, wunderbarer Begleiter.

    Vielleicht sollte man dann hingehen und sagen "ich verstärke Verhalten mit Dingen, die mein Hund wirklich situativ als Belohnung empfindet". Futter und Spiel ist auch mir zu pauschal. Und für mich hat Belohnung was mit (Vor)Freude zu tun, nicht mit dem Gefühl der Erleichterung, weil etwas Unangenehmes aufhört - auch wenn das auch eine Belohnung ist.

    Für mich persönlich hat Freigeben nichts mit "aus Druck entlassen" zu tun. Wenn mein Hund zB über einen längeren Zeitraum sitzen soll, ist der dabei ja weder auf 180 noch war das Training ein Kampf gegen ständiges Aufstehen. Auch verlange ich nichts vom Hund was er nicht leisten kann.

    Mein Hund bekommt hier nix zur freien Verfügung per se, das aber aus verschiedenen Gründen.
    a) will ich nich, dass hier was rumliegt
    b) das was der Hund immer zur Verfügung hat verliert an Wert
    c) beschäftigt sich der Hund nicht allein mit Spielzeug
    d) hab ich keinen Bock drauf, dass er mich ständig damit animieren kommt

    WENN Spielzeug, dann machen wir gemeinsam was. Und das eher draussen, drinnen gilt Ruhe im Karton. Wenn Hundekind sich einsam und verlassen fühlt, dann kann er in mein Bett hopsen und sich da ausweinen :D

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    Das Problem war, das er die Alternative anfangs sehr gut angenommen hat, Sich aber schleichend das andere Verhalten aufgebaut hat. Das hat er dann gänzlich übernommen.Den Überganc in die Extreme hat man kaum bemerkt. Es gibt nunmal Ausnahmen. Kann man das nicht auch einfach mal akzeptieren.


    Tu ich doch :ka: Du sagst doch nun selbst, dass es Fehler im Training gab. Das ist doch nichts ungewöhnliches. Ob die nun hätten vermieden werden können... nunja ... mag ich nicht zu beurteilen.

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    Der Therapeut ist sehr gut und ausgebildet. Dem unterstelle ich jetzt mal ein gewisses Maß an Komöetenz.


    Der tut für meine Argumentation nichts zur Sache.

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    Und was bringt dem Hund das jetzt, außer massivem Stress.
    Er hat sich selbstständig eine Lücke zwischen der angebotenen Umweltbelohnung (in seinem Fall Mäuschen suchen) und dem jagen gesucht. Er hütet die HH in einer Form die an ungesund grenzt. Was nun?

    Wie erfolgreich kann etwas sein, das ein extremes Verhalten, durch ein anderes ersetzt?

    Da liegt der Fehler. Wo waren denn die Halter und warum wurde nicht eingegriffen? Erfolgreich heisst, dass ein alternatives Verhalten erlernt wurde. Dass es eines ist, das nicht erwünscht war, macht es nicht weniger erfolgreich. Aber das schrieb ich bereits.

    Auch wie waheela sagt, man muss schon wissen was man tut.

    Kann Dächsin nur voll und ganz zustimmen :gut:

    Wenn du schon deckelst (mit Wasserflasche und co), dann musst du das richtige Verhalten stärker belohnen, sonst kann es wirklich sein, dass du dir nur noch mehr Baustellen schaffst. Das Ding ist auch, ein Hund in so hoher Erregung zu deckeln ist nicht einfach. (A) ist das Schmerzempfinden des Hundes herabgesetzt (B) muss das Deckeln unverhältnismäßig hart sein, um beim Hund anzukommen. Das kann funktionieren, muss es aber nicht. Manchen Menschen fällt es schwer, den Hund dermaßen zu rügen, wenn man zu schwach deckelt, ändert sich vllt gar nichts beim Hund, dann läuft man Gefahr in eine Gewaltspirale zu kommen, in der der Hnd beginnt diesen Methoden ggü. abzustumpfen. Und dann bleibt einfach nicht mehr viel Spielraum...

    Auch ich bin immer dafür, zuerst die emotionale Grundlage zu ändern. Man minimiert das Feuer unter dem Kochtopf, wie es so schön heisst :D Aber dieses Training IST aufwendiger, längerfristig jedoch VIELLEICHT die bessere Lösung für Hund UND Halter.

    Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es bei uns war...
    Mein Hund kommt von der Straße, also 2 Jahre mindestens hat der sich von Essensresten wirklich ernährt :hust:

    In der HuSchu war es tatsächlich so, dass man einerseits natürlich lernt, wann der Hund was in der Nase hat und andererseits bringt man ihm eben bei, sich bei Annäherung an Futter - mit "Nein" oder whatever - zum Halter zu drehen. Springender Punkt war natürlich, dass in dieser Trainingsphase der Hund aber auch keinen Erfolg hat (in der HuSchu war zB Pansen in einem kleinen Gitterkäfig gesichert).

    Bei uns begann sich das Problem ziemlich schnell dadurch zu lösen, dass der Hund erstmal generell besseres Futter bekam als das von der Straße - er fraß Müll, also echt Staniolpapier oder ähnliches. Er bekam reichlich Futter, dass er sich nicht verdienen musste (er konnte ja auch noch gar nichts, was ich hätte abfragen und belohnen können). Die Routine, also dass er wirklich genug Futter zu sicheren Zeiten bekam, ließ ihn ruhiger werden. Ein weiterer Punkt war Leinenführigkeit. Der Hund konnte sich dadurch richtig viel Zeug verdienen und vergaß eben die Erde abzusaugen. Später kam die Auslastung und Impulskontrolle dazu. Durch die Erziehung und Training generell, blieb weder Zeit noch Lust, irgendwie noch nach was zu suchen. Da ständig die guten Dinge belohnt wurden, starben die schlechten (relativ) schnell ohne viel Aufwand aus. Unsere Trainerin hätte uns aber auch mit präparierten Routen geholfen, wenn das nötig gewesen wäre. Was auch der Sache seeehr zuträglich war, die ersten 3 Monate hier war der Hund komplett an der Leine (da man ja TS-Hunde nicht sofort in neuer Umgebung und so ableint). Das, was sich der Hund im 1m-Radius der Leine einverleibt hat, war natürlich um ein Vielfaches weniger, als das was er sich im Freilauf hätte reinschnabulieren können.

    Bei uns waren es also eine ganze Reihe an Punkten. Heutzutage brauche ich weder ein "Nein" (das der Hund nichtmal richtig erlernt hat/erlernen musste) noch sonstwas. Vieles Verzehrbare wird vom Hund ignoriert, an manchen Dingen schnüffelt er, andere meidet er sogar. Nach welchen Kriterien das läuft, keine Ahnung. Er sucht nicht nach Futter, weder hektisch, noch "scheinheilig".