Beiträge von Estandia

    Elif Shafak – 10 minutes 38 seconds in this strange world / dt. Unerhörte Stimmen

    "Für Leila rufen die letzten 10 Minuten und 38 Sekunden nach ihrem Tod viele sinnliche Erinnerungen wach: gewürzter Ziegeneintopf, den ihr Vater opferte, um die Geburt des ersehnten Sohnes zu feiern; sprudelnde Bottiche mit Zitrone und Zucker, um die Beine der Frauen zu wachsen, während die Männer beim Gebet sind; der Kardamomkaffee, den sie mit einem gut aussehenden Studenten in dem Bordell teilt, in dem sie arbeitet. Jede verblassende Erinnerung bringt die Freunde zurück, die sie in ihrem bittersüßen Leben gefunden hat - Freunde, die jetzt verzweifelt versuchen, sie zu finden.... "

    Der erste Teil des Buches dreht sich um Leilas letzte Minuten in ihrem Leben, wie sie versteht, dass sie ermordet wurde und wo sie sich befindet, ebenso wohnt sie noch der Unterhaltung von einigen Jugendlichen bei, die sie auf der Straße liegend finden und ihre teuer aussehende Halskette klauen. Dann laufen sie davon, denn sie sehen genau was Leila ist, eine Frau, eine Sexarbeiterin, und nichts wert. Leilas Erinnerungen an ihre Kindheit sind geprägt von Trauer, Wut, Schmerz, Verzweiflung, Angst, später im Leben von wahrer Liebe und tiefer Freundschaft. Der zweite Teil der Geschichte dreht sich um Leilas Freundeskreis bestehend aus fünf Individuen, die wie Leila ausgestoßen am Rande der Gesellschaft leben, und zusammen versuchen Leila einen letzten Freundschaftsdienst zu erweisen.

    Kein ganz einfaches Buch durch die teils schweren Themen, einige Ereignisse und Orte sind real und machen das Ganze noch ein bisschen schlimmer als reine Fiktion. Auf der anderen Seite feiert das Buch die Türkei, die Sprache, die Familie, die Freunde, das Essen, den Glauben, Istanbul als kontrastreichen Schmelztiegel, wo alle zusammenkommen und versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen. Manche in der Mitte, manche am Rand.

    Udo Gansloßer, Mechthild Käufer – Auszeit auf Augenhöhe

    "Udo Gansloßer und Mechtild Käufer vermitteln das Wissen, das Hundehalter befähigt, echtes Spiel als "Auszeit auf Augenhöhe" vom Pseudospiel zu unterscheiden. Checklisten und Tests helfen den eigenen Spielstil und den des Hundes einzuschätzen und dazu passende Spiele zu initiieren, die Mensch und Hund Spaß machen und ihrer Beziehung gut tun."

    Diese kurze Thalia-Zusammenfassung gibt schon eine gute Zusammenfassung, natürlich beinhaltet das Buch noch viel mehr an spannenden Informationen und fantastischen Bildern, die das komplexe Thema wirklich bereichern. Es wäre schön, wäre dies ein Standardwerk für Neuhalter, beschreibt es doch auch genau, was Spiel nicht ist und nicht sein darf, was wirkliches Spiel leisten kann und wie viel Spaß und Mehrwert es beiden Seiten bringen kann.

    Einziges Manko für mich an diesem Buch, es hätten locker 500 statt 540 Seiten gereicht.

    Nur 40 von 540 Seiten überflüssiger Text?

    Das finde ich für heutige Verhältnisse aber - ganz ohne Ironie - eine gute Leistung!

    Wobei ich auch sehr verzeihend bin, weil ich es gesamthaft saugut fand :ops: Es war gar nicht so, dass man sagen könnte, okay DIESES Kapitel war nur Füllstoff, um das Buch zu strecken, eher gab es so hin und wieder Abschnitte, die nichts Neues zur Geschichte beitrugen und einige Sätze hier und da, sie man vorher schon in der einen oder anderen Form gelesen hatte. Ja ein bisschen mehr vom Editor mit dem Rotstift weggekürzt und man hätte nichts vermisst.

    V. E. Schwab – The invisible Life of Addie LaRue / Das unsichtbare Leben der Addie LaRue

    Adeline LaRue, 1691 in Frankreich geboren, beginnt Anfang 20 gegen soziale Normen und Vorstellungen aufzubegehren, will sich nicht verheiraten und als Mutter ohne Freiheit enden. Denn das ist was ihr blüht. Am Tag ihrer arrangierten Hochzeit flieht sie aus ihrem keinen Dorf in die umliegenden Wälder und betet dort an ihrem schlimmsten Tag unbeabsichtigt zu einem Gott der Nacht. Jener Schatten der Dunkelheit beschließt mit ihr einen Pakt um ihre Seele, Addie wird ein Leben in Freiheit führen – doch Niemand wird sich an sie erinnern, sie kann ihren Namen nicht mehr aussprechen und nichts mehr aufschreiben, sie wird keine Verbindungen mehr aufbauen und nichts mehr besitzen können. Jeder, der den Augenkontakt mir ihr unterbricht, wird sie sofort vergessen. So glaubt der Seelensammler schnellstmöglich an Addies Seele zu kommen, denn dieses verfluchte Leben sollte sie ja wohl ganz schnell satt haben...

    300 Jahre später hat Addie Kriege, Revolutionen und technischen Fortschritt erlebt, Kunst, die Liebe und die Welt gesehen aber ist letztendlich allein, gebrochen und müde – das Leben im sprichwörtlichen Moment hat sie mürbe gemacht, doch Addie ist weit davon entfernt, ihre Seele herzugeben. Sie kann diesen Schatten, der sie verfolgt und gelegentlich so aufreibt, um endlich aufzugeben, nicht gewinnen lassen. Da trifft sie im New York des 21. Jahrhunderts Henry, der sich an sie erinnert und sauer auf sie ist, hat sie ihm doch am Tag zuvor ein Buch aus dem Laden geklaut ...

    Ich glaube hierzu braucht man auch nicht mehr viel schreiben, Addie LaRue scheint ja schon fast ein Klassiker zu sein. Einziges Manko für mich an diesem Buch, es hätten locker 500 statt 540 Seiten gereicht. Alles andere hat für mich gut funktioniert. Addie und Henry sind tolle Charaktere, die flüchtigen und komplexen Beziehungen von Addie in den jeweiligen historischen Settings sowie die Erdung im realen Leben mit dem einzigen übernatürlichen, toxischen Element in Form von Luc, haben mich gut bei Laune gehalten. Die duale Perspektive ab der Hälfte des Buches hat Henry wirklich gut dargestellt, die Zeitebenensprünge (Momente in der Vergangenheit plus das lineare Jetzt in 2014) waren alle nachvollziehbar und nicht zu verwirrend. Ebenso fand ich die Erforschung der Themen Erinnerung und Vermächtnis, Zeit und Unsterblichkeit, Freiheit und Wahlmöglichkeiten, Einsamkeit und Isolation, Liebe und menschliche Verbundenheit, Kunst und Inspiration super interessant.

    Das Buch als spannend zu bezeichnen ist glaube übertrieben, ich möchte es die ganze Zeit als "Just Vibes"-Slow Burner beschreiben, der gegen Ende doch Fahrt aufnimmt und einige Überraschungen bietet.