Ernsthaft: wie geht man denn im Alltag unbefangen und souverän mit seinem Hund um, wenn man da nicht ein Grundvertrauen hat, dass der Hund gewisse Grenzen im Normalfall nicht überschreitet?
Maulkorb Training und Auslöser kennen.
Mein Rüde war ein Jagdhund Workaholic, aus dem Tierschutz. Das war vom ersten Tag an klar, das er beißt, wenn man ihn anfassen will. Aber der hatte bei den Probespaziergängen eine sehr subtile Maßregelung auf Distanz von meiner Hündin akzeptiert und darauf hab ich Vertraut, das der Rüde nicht komplett out of order ist.
War auch so.
Der war eben Sorte Hund, Mischling aus Jagdhund Rassen, mit WTW und WTP das es ihm schon aus den Ohren raus kam. Der hatte vor nichts Angst und löste Probleme mit Angriff. Ich denke das kam durch seine Jagdhund Gene und kam aus seiner Wildschärfe heraus. Dem Trieb von ihm müssen die Vorbesitzer versucht haben, durch Massive Gewalt zu bändigen und offenbar brachte dem Hund das dann ein Leben in Zwinger Haltung ein. Und so wie der auf Umweltreize reagierte, bekam der nicht mal ab und zu Gnaden Gassi Gänge spendiert.
Von Tag 1 an, bekam der einfach Maulkorb Training und Decken Training. Das hatte der super angenommen.
Weil es für mich nicht akzeptabel ist, einen Hund nicht anfassen zu können, hab ich es mit Desensibilisierung versucht und mit der Zeit fing der an, das richtig zu genießen angefasst zu werden.
Also 1 Jahr lang, täglich Übungen zum anfassen lassen und alles von der Pieke auf. Erst mal mit den Händen. Drüber beugen akzeptieren. Zeckenzange an sich ran lassen. Sich auch mal leicht anheben lassen.
Sich wieder runter fahren lassen und auf Abstand gehen, wenn es doch mal zu viel war.
Alle Situationen in denen der bedrängt werden musste, wie Tierarzt oder die Möglichkeit bestand, das er bedrängt werden würde, wie Bus/Zug fahren, bekam der einen Maulkorb drauf.
Selbst wenn wir in der Pampa unterwegs waren, war der Maulkorb immer in der Tasche Griffbereit dabei.
Es hätte ja nur mal eine Verletzung sein müssen unterwegs und ohne Maulkorb wäre das dann vermutlich kompliziert geworden.
Es gibt auch Techniken, wie man einem Hund mit einer Mullbinde einen Maulkorb basteln kann, was auch sehr Interessant ist für Notfälle.
Ich bin mit einem Rottweiler Schäferhund Mischling aufgewachsen, der gegen Fremde seine Zähne einsetzte. Das wurde mit dem eben über Sicherungs- und Manage- Maßnahmen geregelt.
Darum fand ich das mit meinem Rüden dann auch gar nicht so außergewöhnlich oder Schlimm.
Aggressionen sehe ich nicht als Vertrauensbruch.
Meine Hauptgedanken waren von Anfang an, tatsächlich mehr "Wie krieg ich das Tier gepflegt, wenn ich den nicht anfassen kann" und "wie krieg ich den aus dem Wald, wenn der sich mal verletzt und nicht laufen kann und sich dann Verteidigt wie ein Wolf".
Das der immer verschmuster wurde, bei der Desensibilisierung war tatsächlich überraschend
.
Jagdhunde sind schon was tolles
. Ich fand es von Anfang an Klasse, das der Rüde vor nichts Angst hatte. Nicht mal mit seiner Lebenserfahrung. Ein unerschrockener Jagdhund, mit wtp und wtw. Dem brauchte man beim Fuß das anhimmeln nicht beibringen, 100% Aufmerksamkeit und den Willen zur Zusammenarbeit lag dem im Blut.
Wie die Vorbesitzer das so sehr mit dem verkacken konnten, war schon Strange.
So einen Typ Hund wie mein Rüde war, wünsch ich mir irgendwann mal, wenn ich Zeit dafür hab dem wtw gerecht zu werden, gleich von Welpe an und nicht erst als verkorksten Senior.