zum thema begrifflichkeiten: das wort alpha wird viel in der wolfsforschung verwendet. es bezeichnet als oberbegriff das anführende elternpaar eines freilebenden wolfsrudels. also wird sich die führungsebene nicht ausgesucht, sie ist naturgegeben, durch die natürliche autorität der eltern. (hier befindet sich schon mal der erste knackpunkt: wir sind nicht die eltern unserer hunde und das wissen sie.)
in einem wilden rudel sind die sozialstrukturen jedoch nicht nur auf ränge begrenzt, sondern eher auf aufgabengebiete. natürlich sind die eltern geachtete autoritäten, was jedoch nicht unbedingt heißt, dass sie in jedwediger belange die nase vorne haben. im gegenteil: in einem funktionierenden rudel hat jeder seine aufgabe.
also gibt es nicht einen herrscher, der alle entscheidungen trifft und immer vorne läuft. entscheidungen anderer rudelmitglieder werden ebenfalls respektiert und auch ausgeführt. allerdings hat das elternpaar im zweifelsfall das letzte wort. es gibt also nicht alpha und schluss, sondern auch beta, gamma usw.
rudelstruren wilder wolfsrudel lassen sich jedoch nur schwer auf "rudelstrukturen" bzw. besser sozialstrukturen zwischen mensch und hund übertragen. das alphapaar bzw. das elternpaar bleibt nämlich auch in der natur kein ganzes wolfsleben eine konstante führungsebene. die jungen "beta-wölfe" pubertieren irgendwann und wandern ab, übernehmen dabei selber eventuell eine eltern-/führungsrolle in ihrer eigenen familie. einige jungwölfe verbleiben auch länger im rudel und kümmern sich um die pflege und stärkung des familieverbandes.
gerade das abwandern ist ja nun in unserer gesellschaft nicht möglich (jedenfalls haben meine hunde nicht die möglichkeit abzuwandern). hinzu kommt die tatsache, dass hunde domestiziert sind und sich größtenteils eher wie juvenile wölfe verhalten.
also sollte man sich wahrscheinlich eher hunde in familiären strukturen anschauen, um etwas über "alpha beta, gamma, delta..." auszusagen.
und hier wird die ganze alphageschichte sehr, sehr wackelig.
ich denke schon, dass viele hunde im allgemeinen statusbezogen sind (wie wir menschen übrigens auch). doch der eigene status hat in erster linie nix mit "sich-über-den-anderen-stellen" zu tun, sondern eher mit ausstrahlung und persönlichkeit.
jeder kennt das noch aus der schule: ein lehrer betritt einen raum und allen schülern war sofort klar, ob sie ihm zuhören wollten oder nicht. es gibt die lehrer, die schreiend (drohend) und mit sechsen um sich schmeißend (konsequenzen ausführen) ihren unterricht führen. und keiner nimmt sie ernst.
"boah, alter schwede, die olle sowieso ist einfach ein drachen...immer wnen die so schreit, wird ihr gesicht knallrot, sieht aus wie ne tomate musste mal sehen!"
dann gibt es die, die sich anbiedern mit tollen dingen, wie z.b. videostunden etc., damit sie man sie mag und ihnen zuhört (erinnert mich immer an mich selbst, wie ich vor einem halben jahr noch mit dummy durch die gegend rannte, damit anouk mich beachtet). oft werden hier grenzen überschritten, private (und oft sehr peinliche) geschichten erzählt, um zugang zu den schülern zu erhalten oder privatnummern ausgetauscht etc. pp.
das sind dann die lehrer, die sehr schnell ausgebrannt sind und die allgemein belächelt werden.
"naja, frau k. ist ja ja ganz lieb und nett, irgendwie tut sie mir leid...irgendwie weiß ich auch gar nix, was sie uns heute beibringen wollte..."
es gibt auch mischformen aus beiden typen, verzweiflung, wut und die sucht nach anerkennung mischen sich hier miteinander.
und schlussendlich gibt es die lehrer, die einen raum mit einer tollen ausstrahlung und gelassenheit betreten, konsequent beim thema bleiben, aber interessantes zu erzählen haben. es sind oft lehrer mit einem fundus an wissen und es sind oft menschen, die rar gesäht sind. es sind meistens die lehrer, die ihren schülern sehr viel respekt entgegenbringen und das auch äußern, indem sie mit ihnen diskussionsrunden führen etc.
diese lehrer sind oft sehr menschlich, aber bleiben beruflich distanziert. sie sind oft klar in der äußerungen ihrer erwartungen und im fall einer nicht-erfüllung auch streng bzw. konsequent...manchmal aber auch kulant. es sind wohlwollende führungspersönlichkeiten, die wir menschen lieben.
und die schüler hängen ihnen einfach an den lippen.
diese lehrer würden niemals auch nur auf die idee kommen, abweichende belohnungssysteme in ihrem unterreicht einzubringen, um ihre persönlichkeit interessanter zu machen oder hysterisch herumzuschreien oder zu strafen.
hinterfragt doch mal eure eigenen verhaltensweisen: welche personen findet ihr interessant bzw. welchen personen schließt ihr euch gerne an? was haben diese personen für eigenschaften?
ist in beziehungen genauso...was meint ihr, wer hat mehr erfolg mit dem anderen (oder auch gleichen) geschlecht?
derjenige, der immer darauf bedacht ist, seinen status klarzumachen, derjenige, der sich dem anderen anbiedert oder derjenige, der unabhängig von all diesen dingen seinen weg geht?
wer ist anziehender für euch?
beobachtet doch mal hunde: wem schließen sich eure hunde an?
Rottifrauchen: was ist das problem an "strenge"? ich finde strenge sehr gut, letztendlich bedeutet ein strenges und konsequentes vorgehen nichts weiter, als klar und konsequent zu sein.
und genau das braucht eigentlich jeder hund.
was verstehst du unter strenge? vielleicht ist unsere definition verschieden?
selbst im umgang mit kindern bin ich streng, liebevoll und konsequent.