Beiträge von Sleipnir

    Ich glaub pauschal kann man das nicht beantworten, davon ist es von zuvielen Faktoren abhängig:
    Wie alt ist der Hund?
    Wie stark ist sein Explorations- und Jagdtrieb?
    Wie stark ist die Bindung zu dir?

    Die Welpen, die ich bisher aufgezogen habe, habe ich immer schon vom ersten Tag an ohne Leine laufen lassen - die haben beide allerdings auch einen sehr schönen Folgetrieb gezeigt. Dann habe ich noch eine zehnmonatige Hündin aus dem Tierschutz übernommen, die hab ich auch am dritten Tag schon ohne Leine laufen lassen, aber auch nur weil sie mir angeleint von der ersten Minute an gezeigt hat, dass sie sich sehr an mir orientiert. Klar gibt es auch Kaliber, die auch ich erstmal einige Wochen nur mit Schleppleine laufen lassen würde um an Bindung und Grundgehorsam zu arbeiten, aber insgesamt bin ich wohl auch ein Verfechter von "so früh wie möglich ohne Leine laufen lassen", denn ein Hund lernt nur ohne Leine zu laufen wenn er auch abgeleint unterwegs ist :D

    Das ist doch alles Ansichtssache und sowohl die Haltung auf einem mehrere Tausend Quadratmeter großen Grundstück als auch die Haltung in einer Zwei-Zimmer-Wohnung kann irgendwo zwischen Tierquälerei und Hundeparadies liegen. Ich finde es schade, dass hier soviele Menschen nur schwarz oder weiß sehen. Für einen Hund sind die räumlichen Haltungsbedingungen (ausnehmen davon würde ich nur Herdenschutzhunde) vollkommen zweitrangig. Entscheidend sind doch sowieso die Aktivitäten außerhalb und die Frage wie oft und wie lange der HUnd sozial isoliert wird. Und ganz ehrlich...das kann doch kein Mensch von dem Vorhandensein eines Gartens abhängig machen. Klar ist ein Garten für Mensch und Hund praktisch und mit Sicherheit in der Lage die Lebensqualität zu erhöhen, aber ob man ohne Garten nicht glücklich sein kann...ich weiß es nicht... :???:
    Wahrscheinlich wird mopsfrisur jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber ich halte sogar zwei große Hunde in einer 65-qm-Wohnung...klar wäre auch für meine HUnde ein Garten toll, aber in Anbetracht von mindestens zweieinhalb Stunden Auslauf am Tag, rassegerechter Beschäftigung, Touren mit dem Mountainbike und halb- bis ganztägigen Wanderungen am Wochenende glaube ich nicht, dass elementare Grundbedürfnisse meiner Hunde nicht befriedigt werden, nur weil wir (noch) keinen Garten haben. Aber mopsfrisur, vielleicht kannst du es mir ja erklären: Was hat der Hund mit Garten, was meine Hunde nicht haben?

    So...wird mal wieder Zeit für ein kleines update...es hat sich nämlich einiges getan in den letzten Monaten.

    Ich nehme Emma jetzt wieder regelmäßig mit zur Uni - klappt eigentlich ausgezeichnet.

    Wir waren vor einigen Wochen das erste Mal seit bestimmt zweieinhalb Jahren in der Kasseler Fussgängerzone - zwar nur 100 Meter die Straße rauf und dann wieder runter, aber in Anbetracht der sonst gezeigten kopflosen Panik war das ein absoluter Quantensprung für uns. Sie war zwar ziemlich angespannt und nervös, hat sich aber gut lenken lassen und keinerlei Panikanzeichen gezeigt - da kann man auf alle Fälle weiterarbeiten.

    Am WE waren wir mit den Hunden auf einem großen Mittealtermarkt. Vor einem Jahr waren wir dort schonmal und so konnte man Emmas Verhalten wunderbar vergleichen: Vor einem Jahr war sie ziemlich hektisch, hat versucht allen Ständen und Verkaufsbuden großräumig auszuweichen und nach ungefähr 20 Minuten war sie so reizüberflutet, dass gar nichts mehr ging und wir sie ins Auto bringen mussten.
    Ganz anders dieses Jahr, sie war so entspannt, dass sie sich die Zeit damit vertrieben hat nach Essensresten auf dem Boden zu suchen, sie ist ziemlich gelassen bis direkt an die Stände mit rangekommen und der absolute Hammer:
    Es hat dort eine ziemlich bekannte Band gespielt und dementsprechend war es vor der Bühne recht voll und auch laut. Emma hat sich mitten in dieser lauten, tobenden Menschenmasse hinlegt, hat sich irgendwann auf die Seite fallen lassen und die Augen geschlossen - entspannter kann sich ein Hund wohl nicht zeigen... :D

    Jedenfalls läuft es momentan so gut, dass ich plane Emma, wenn ich das nächste Mal meinen Bruder in Berlin besuchen fahre mitzunehmen...meint ihr das ist ne gute Idee? Vor nem halben Jahr hätte ich da nicht im Traum dran gedacht, im Moment denke ich aber, wenn ich dort sehr vorrausschauend mit ihr laufen werde und nicht die Haupteinkaufstraßen nutze, dann könnte es klappen.

    Insgesamt ist sie in stressreichen Situationen gelassener geworden und orientiert sich mehr an mir. Auch bei akuter Angst lässt sie sich von mir lenken, was früher absolut nicht gegeben war. Insgesamt bin ich mit ihrer Entwicklung sehr zufrieden, abgesehen von zwei Aspekten:
    1.) Man kann sich immer noch nicht auf sie verlassen, ihr ganzes Verhalten ist immer noch sehr tagesformabhängig und manchmal reicht immer noch ein Geruch oder ein alltägliches Geräusch um sie sehr in Stress zu versetzen.
    2.) Ich hab sehr große Probleme sie an angstauslösende Dinge heranzuführen vor denen sie sich in der Vergangenheit oft gefürchtet hat. Viele Dinge laufen in unbekannter Umgebung erstaunlicherweise besser als zuhause. So kann ich sie bei uns im Ort immer noch nicht an unserer Dönerbude vorbeiführen (sie hat Angst vor dem Geruch), in fremden Orten geht das aber sehr wohl...

    An diesen beiden Punkten müssen wir echt noch arbeiten, aber ich glaube wir sind auf einem guten Weg...

    Na...da hab ich ja bisher großes Glück gehabt...unsere Liste ist nämlich sehr übersichtlich - ich muss aber auch dazusagen, dass ich nicht wegen jeder Kleinigkeit zum TA gehe. Ausser zum Impfen hat uns der TA bisher nur wegen folgender Dinge gesehen:

    Emma (5 Jahre):
    1.) Cold-Water-Tail
    2.) Schnittwunde bis zum Knochen - wurde getackert
    3.) Erstellung eines Schilddrüsenprofils

    Janosch (2,5 Jahre):
    1.) TA-Termin zur Sterilisation

    Mit unserem ersten HUnd waren wir innerhalb von 11 Jahren ähnlich selten beim TA...sollte ich bisher einfach nur Glück gehabt haben?

    "Hundepsychologie" von Feddersen-Petersen - ihr Schreibstil ist zwar ziemlich gewöhnungsbedürftig und an einigen Stellen einfach schwer zu verstehen, aber insgesamt ist dieses Buch in meinen Augen das umfangreichste und am besten recherchierte Buch zum Hundeverhalten.