Ballspiele werden besonders von Hunden, die recht "hochtriebig" sind, übertrieben. Meist handelt es sich dabei um Rassen, die in einem bestimmten Bereich echte Workaholics sind. Dies begünstigt natürlich die Entstehung einer Sucht – ihre Veranlagung bringt es mit, dass sie schnell „übereifrig“ bei einer Sache sind. Aber es gibt einen ganz einfachen Grund, warum ausgerechnet das Bällchen- bzw. Stöckchenspiel so speziell ist.
Dazu muss man sich einfach mal das komplette Jagdverhalten von Hunden/Wölfen in "Einzelteile" zerlegen. Ich tue das jetzt hier nicht, weil es um einen speziellen Teil gibt, um den es hier geht: Nämlich um das Simulieren des Beute-Nachhetzen und -Erlegen, manche Hunde "töten" danach sogar ihren Ball/das Stöckchen, indem sie schütteln. Da bei dieser Jagdsequenz der Erfolg sozusagen direkt greifbar ist, stellt der Körper dafür sämtliche Energien plötzlich frei. Der Hund bekommt einen Hormoncocktail-Kick, der ihn alles vergessen lässt - außer den Ball. Sie bekommen einen „Tunnelblick“, sind schmerzunempfindlicher (verletzen sich folglich leichter oder spüren Schmerzen nicht mehr), sind schneller bereit mit anderen Hunden aggressiv um die Beute zu kämpfen und zeigen ein „Stressgesicht“ (aufgerissene, glasige Augen mit sturem Blick Richtung Objekt der Begierde, Lefzen hochgezogen – wirkt wie Lächeln, wedelnde Rute usw.). Das Ganze führt soweit, dass diese Hunde plötzlich z.B. "Erzfeinde", die vorbei laufen, ausschalten können oder andere Dinge, die sonst wichtig sind. Das ist ja auch sinnvoll, denn - nehmen wir mal an es wäre echte Beute - der Hund kann nur erfolgreich beim Jagen sein, wenn er sich jetzt von nichts (!) beeinflussen lässt.
In der Natur würde eine solche Hetzjagd recht selten stattfinden - sie dient ja der Ernährung. Der Hund/Wolf wird durch die körpereigenen Vorgänge aktiviert, fängt das Tier in der Regel erfolgreich und ist dann ersteinmal für längere Zeit mit Heimtragen und/oder Fressen beschäftigt. Es kommt dabei selten bzw. gar nicht vor, dass er eine solche Hetzjagd mehrmals hintereinander macht. Ganz im Gegensatz zum gern praktizierten Bällchen/Stöckchen werfen.
Wenn man das nun mal beim Ballspielen betrachtet, dann bekommt der Hund einen Dauerbeschuss mit einer ganzen Masse an Hormonen, die eine Menge Energie bereit stellen und andere Körperfunktionen herunterschrauben. Wird der Hund dem ständig ausgesetzt, wird er süchtig danach. Dazu kommt noch, dass der Hund keinen normalen Hormonstatus mehr erreicht und dadurch der Hund immer „auf Hochtouren“ läuft. Folge sind Hunde, die nach dem nächsten Wurfspiel lechzen, unentspannt Spazierengehen (kaum Schnüffeln, schnell Prügeleien mit anderen Hunden anfangen, möglichst zügig zur „Wurfwiese“ kommen wollen, beim Heimkommen lange brauchen bis sie Ruhe finden, Verdauungsprobleme haben usw.).
Deshalb sollte man sich gut überlegen, ob und wann man seinem Hund einen Ball wirft.
Ob der Hund „süchtig“ ist, kann man ganz leicht feststellen: Der Ball bleibt mal eine Woche Zuhause bzw. die Stöcke bleiben liegen/werden nicht geworfen. Ist es dem Hund egal, dann besteht kein Problem.