Beiträge von flying-paws

    Ich habe ihm sofort beigebracht immer zu weichen, wenn ich mich über die Weide bewegt hatte.

    Wie kommt man denn in so einem Fall dann ran, wenn der Bock mal verletzt ist etc? Vom Hund in einen Ständer treiben lassen?

    Üblicherweise arbeitet man mit Pferchen bei Schafen. Alle meine Schafe sind scheu. Keins davon kannst Du auf der Weide greifen.

    Ich kann die auch von einem Hund an eine Barriere drücken lassen und die Tiere dann herausfangen.

    flying-paws Ist das noch zu retten, wenn die Halterin sich bemühen würde?

    Schwierig. Am besten wäre es, wenn der Bock so gut wie gar keinen Kontakt zu Menschen bekäme und lernt sich immer fern zu halten, wenn der mal kurz zur Versorgung auftaucht.

    Ich habe ja seit nun 20 Jahren neben der Mutterschafherde bzw. Zuchtherde durchgängig eine reine Bockherde. Probleme hatte ich bisher nur mit denen, die vom Vorbesitzer verzogen wurden. Den Kerl hatte ich bekommen, da hatte der Besitzer selbst schon Angst vor ihm - zu recht:

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    Ich habe ihm sofort beigebracht immer zu weichen, wenn ich mich über die Weide bewegt hatte. Also wirklich richtig weg zu bleiben. Das hatte er mit mir dann irgendwann drauf. Haben andere die Fläche betreten, sah es direkt wieder anders aus. Trotzdem konnte ich ihn nie aus den Augen lassen. Und es war anstrengend - für uns beide.

    Bei den Böcken, die bei mir geboren werden, gibt es nie Probleme. Die werden aber eben auch sofort erzogen.

    Zunächst Mal die Perspektive: Wie niedlich würdet Ihr es finden, wenn ein Hund seinen eigenen Menschen derart behandelt? Wenn er ihn immer wieder androhen und angreifen würde, wenn dieser auftaucht? Muss ständig versuchen ihn vom Gelände zu vertreiben. Das ist der totale Stress für das Tier. (Ob der Mensch davon gestresst ist, lasse ich jetzt mal außen vor.) Das Schaf ist unerzogen. Da ist der Umgang schief gelaufen - der Mensch hat es verkackt. (Wie bei einem Hund dann eben auch.)

    Hier kommt eine Fehlprägung dazu. Der Bock greift an, weil er den Mensch als sexuelle Konkurrenz betrachtet. Auch hier steht das Versagen von Menschen im Hintergrund. Da ist in der wichtigen Phase das Schaf falsch geprägt worden.

    Gäbe es einen zweiten Bock, der sexuelle Konkurrenz ist, würden die die Rangordnung ausfechten und es wäre Ruhe, weil der rangniedrigere sich entsprechend verhält. Dieser Mensch hier verhält sich so aber nicht. Die Rangordnung kommt nicht zustande. Der Bock muss ihn immer wieder angreifen, weil der sich nicht an den Schafknigge hält.

    Das ist alles andere als niedlich, sondern Dauerstress fürs Tier.

    Labradortypisch (so zumindest meine Trainerin) wollte er von Anfang an unglaublich gern zu allen Menschen hin und alles und jeden wild begrüßen. Da ich aber die Leine erst langsam aufbauen und ihm auf Spaziergängen möglichst viel Freilauf und Zeit zu Entdecken ermöglichen wollte, sind wir für unsere Ausflüge immer dorthin gefahren, wo nicht viel los ist und er wursteln kann. Die Leine habe ich dann separat nach und nach aufgebaut.

    Das klingt auf jeden Fall sinnvoll. Denk daran, dass die kurze Leine nach wie vor im Aufbau ist. Bis ein solcher Hundetyp entspannt an der kurzen Leine alles meistern kann, dauert es meiner Erfahrung nach gut bis zu drei Jahren. Natürlich sollte es von der Grundtendenz dabei aufwärts gehen. (Junghundentwicklungseinstürze mit einrechnen!)

    Dazu muss man sagen, dass wir nie in einer Welpenspielstunde waren. Stattdessen hatten wir von Anfang an regelmäßigen Kontakt zu souveränen Althunden (die ich kenne), mit denen er (wenn sie Lust hatten) spielen konnte, von denen er aber auch bei Bedarf schon einiges an Hunde-Netiquette lernen durfte. Diese Hunde findet er auch alle ganz toll und hat große Freude am Beisammensein (soweit ich das beurteilen kann).

    Das klingt auch sinnvoll. Du machst viel richtig. Was ich gerne noch wissen würde: Lässt Du die anderen Hunde den Kontakt regeln oder trainierst Du Dinge auf, dass Du da auch steuernd eingreifen kannst?

    Themen zum Leinenpöbeln habe ich hier schon einige gefunden, aber keine, wo der Hund so jung ist, daher dachte ich mal, ich mache ein neues auf.

    Vom Grundaufbau mache ich da mit jungen Hund nichts groß anders als bei älteren Hunden. Wichtig wäre es, die Grundmotivation herauszufinden. Wenn er das aus Unsicherheit macht, kann und sollte man andere Werkzeuge nutzen, als wenn er es aus Frust macht.

    Der weint eher einmal zu viel, als zu wenig.

    Ist natürlich individuell, aber gejammert hat bei mir tatsächlich noch nie ein Hund aus Schmerz.

    Es ist wirklich schwierig so etwas korrekt einzuschätzen. Ich hinterfrage das bei meinen Oldies jeden Tag. Bei Lisko war ich mir unsicher und habe ihn daher zwei Tage mit mehreren Schmerzmitteln zugeballert, weil ich es einfach nicht mehr einschätzen konnte. Das war auf jeden Fall erkenntnisreich.

    Ich muss aber tatsächlich sagen, dass für mich die Entscheidung fallen würde, wenn der Hund nicht mehr spazieren gehen möchte und/oder nichts mehr frisst.

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft! Am Ende kennst Du Deinen Hund natürlich am besten.

    Ein zusätzlicher wichtiger Punkt wäre für mich, dass ich halbwegs stressfrei Medikamente in den Hund bekomme. Vor allem Schmerzmittel. Dabei auch richtig potente.

    Beispiel: Mein Spitz bekommt derzeit drei, weil es ihm sonst nicht gut geht. Ein Opiat, ein Entzündungshemmer und Librela. (Und natürlich seine Herz- uns Blutdruckmittel.) Und er ist der Beschreibung nach weit entfernt von dem Zustand, den Du bei Gio beschreibst. Wir waren eben eine Stunde Gassi und er frisst normal.

    Wir haben hier einen erwachsenen Menschen, der Jura studiert hat - und bald als Anwalt, Richter oder Staatsanwalt arbeiten möchte - glaubt ihr echt, dass so jemand ein Forum voller wildfremder Menschen braucht, um ein Problem mit einem Welpen zu lösen?

    Also, ich möchte niemandem etwas unterstellen, aber die automatische Schlussfolgern von akademischer Grad auf Lebenstauglichkeit, habe ich mir damals im Studium schon abgewöhnt und bei meinem Job mehr als einmal dafür eine Bestätigung bekommen. |)

    Klassiker ... Ich habe früher häufiger hier im Forum und auch außerhalb Angebot gemacht, Kontakte genutzt, Menschen mobilisiert ... alles für den Arsch. Daher mache ich so etwas nicht mehr. (In einem Fall, der auch hier im Forum war, wurde der Hund schließlich über die Kleinanzeigen verkauft. Da war wohl das Geld verdienen letztendlich doch wichtiger als das Wohl des Hundes. Wobei natürlich nicht jeder Käufer dort ungeeignet ist. Aber, wenn Zeitdruck besteht, vermute ich, dass man da nicht geduldig auf den perfekten Käufer wartet.)