Beiträge von Momo und Lotte

    ... kennt den jemand von euch Trainer*innen rund um Wuppertal, die wirklich Ahnung von der Jagd-Materie haben und auch differenziert mit den verschiedenen Kalibern umgehen?
    Meine Alma ist z.B. ein extremes Sensibelchen, ich kann da keinen Ansatz gebrauchen, der viel Härte erfordert.

    Im Moment dürfen die hier eh keine Stunden anbieten, ich würde gerne vorarbeiten, was eh zum Thema gehört (Grundgehorsam, Impulskontrolle, Objektinteresse, Stehen ausbauen...) und dann mal jemanden einschätzen lassen, ob irgendwann kontrollierter Freilauf im Wald möglich sein könnte.


    Gestern hatten wir eine tolle/abgefahrene Situation im Garten:
    Alma ist regelrecht eingefroren, als sie eine Katze sah. Für satte 2, 3 Minuten.

    Es war ihr nicht möglich, den Blick von der Katze abzuwenden, aber sie blieb eingefroren stehen, nahm Futter an, ließ sich in den Arm nehmen (sie hatte nicht mal ein Halsband dran, deshalb musste ich sie irgendwie ruhig sichern).
    Und als ich irgendwann sagte 'komm, wir gehen rein!' (das heißt: erst noch mal näher auf die Katze zu - die sich übrigens auch langsam bewegte - und dann an ihr vorbei) ging sie langsam mit mir (unter größter Anspannung) rein. Ungesichert. Das war eine völlig abgefahrene Erfahrung für uns beide.
    Als ich die Gartentür dann hinter uns schloss, kam bei ihr der sehr verzögerte Sicht/Spur/Aufregungslaut und wildes tänzeln im Flur. Als der Sichtkontakt zum Jagdobjekt weg war, kam erst das ganze laute und hektische Erregungsverhalten, vorher war sie einfach hochkonzentriert und eingefroren - das Jaulen im Flur nach der Situation war übrigens eher kein Frust bei ihr, Frust sieht anders aus. Wirkte eher wie aufgedrehte Jugendliche, wenn sie zum ersten Mal heimlich Alkohol kaufen.

    PS: Sorgen um die Katze unbegründet. Die hatte aufgrund ihrer Position zwei gute Fluchtmöglichkeiten, die Alma nicht hätte erreichen können. Auch zu dem Ort, an dem die Katze sich befand, hätte Alma nicht problemlos gelangen können, deshalb konnte ich das Risiko eingehen. Hätte ich sonst nicht gemacht und hätte in der Kälte mit Hunderl ausgeharrt.

    Ob der Hund knautscht, wäre für mich nur relevant, wenn ich das für Hundesport sauber bräuchte.

    Hast du es mit dem Dummy mal draußen in sehr reizarmen Gebieten probiert, wo kaum Ablenkung ist? Also zum Beispiel irgendein asphaltierter Hof, wo auch keine Wiese ist, die gut riecht? An Futter ist sie ansonsten generell aber schon interessiert?

    Das ist gut, mir ist das Knautschen (sogar Kauen und Schütteln) nämlich ziemlich latte. :pfeif:

    Nee, habe ich nicht so richtig. Also wir sind ja jetzt hier so, dass ich sie gerade für vielleicht drei Minuten drauf heiß mache und dann auch wieder wegpacke. Da die Hündin an anderen Dingen schnell das Interesse verliert, halte ich da die Phasen aber auch echt kurz.

    Ich hab das Gefühl, wir sind noch nicht mal bei 'Garten'. Oder meinst du - na klar, das macht natürlich Sinn! - dass irgendein schnöder Schulhof für sie vielleicht ablenkungsärmer ist, als unser katzenfrequentierter Garten?
    Kann ich mal ausprobieren. Will's halt nicht riskieren, das kaputt zu machen, was wir bis jetzt haben. Letztens hat sie auf ihrer Lieblingswiese ein mal kurz damit gezergelt und ist einmal hinterher gesprintet, hat es aufgenommen und ca 3 Meter in meine Richtung gebracht (ich stand vielleicht so 10 Meter entfernt) und das war einerseits schön, dass sie trotzdem ein wenig offen dafür war, andererseits hab ich mich so geärgert, dass ich es probiert habe. Im Schnee. Auf ihrer Wiese. Wo sie einfach viel tolle Sachen vor hat. ...ich will halt unbedingt, dass sie diesen blöden Felldummy megamegatoll findet.

    Jaaaaa! GROOOSSES Futterinteresse. Inzwischen sogar bei Erregung. Solang noch kein Schaum an der Schnüss ist, da ist die Erregung dann zu hoch für Futter.

    Weil ich einfach keine Ahnung hab, wie ich das aufbaue, wenn drei Hunde dabei sind.

    Wenn es keinen Futterneid gibt: Immer nur den einen, den es betrifft, belohnen.

    Für die anderen wird das Signal dann irgendwann irrelevant, wenn sie NIE irgendwas dafür kriegen.

    wie herzlos :lol: oh Gott, ich bin ne schreckliche Muddi, merke ich gerade.


    Habe noch eine Frage. Kämpfe mich gerade durch 2019 dieses Threads und alle rasten völlig aus bei "oh nein, der Hund knautscht" "Halten muss man erst mal aufbauen!" "Freiverlorensuche immer aus einer Position" etc. - ist das jetzt nur für die Leute wichtig, die da unbedingt sauber dran arbeiten wollen weil sie z.B. aus dem Hundesport kommen oder die Hunde am Vieh arbeiten oder, oder, oder... denn mir ist das eigentlich ziemlich schnuppe, wenn es das sein darf.
    Ich weiß auch gerade noch nicht, wo die Reise hingehen soll, gerade will ich Alma erst mal nur wirklich grell auf diesen Dummy werden lassen. Ob ich den dann zur Bestätigung werfe oder verstecke, um sie in eine Gegenrichtung zu bringen, einfach außerhalb von Reizen zur Auslastung oder daran Impulskontrolle übe, das ist mir noch gar nicht klar.

    Und auch bei Bolle hab ich das ohne Struktur aufgebaut. Der hat schnell gezeigt, dass er gern Dinge in den Fang nimmt und in sein Körbchen schleppt. Und wenn ich ihm draußen irgendwo seinen Dummy verstecke und ihn dann unverhofft suchen lasse, ist er selig. Da hab ich weder auf meine Schrittfolge geachtet, noch wusste ich was markieren oder einweisen heißt - ich war nur froh, dass er gern sucht und dass ich ihn dem fliegenden und dem versteckten Dummy nachschicken kann und ihn aus dem Lauf abbrechen und zurück rufen kann. Wenn das irgendwann mit Alma ginge, wäre es ein Träumchen. Ist es denn da wirklich schlimm, wenn man das nicht so perfekt aufgebaut hat, wie die Leute das hier vorschlagen? Und nicht tausend verschiedene Leinen, Sitzpositionen, Halsbänder und Köfferchen nutzt weil man es einfach nur in den Alltag integrieren will?

    Ich bin gespannt! (Vielleicht kommt die Antwort ja schon auf Seite 617! :D)

    Hast du verschiedene Rückufe? Einen Superduperrückruf und einen für den Alltag? Falls nein: das finde ich sehr hilfreich.

    neeee, hab ich tatsächlich noch nicht. Und weißt du warum? Weil ich einfach keine Ahnung hab, wie ich das aufbaue, wenn drei Hunde dabei sind. Klar, ich gehe auch mal mit der PR-Hündin allein üben, muss ja. Aber das passiert vielleicht ein bis zwei Mal in der Woche. Ich hatte schon überlegt, ob ich nicht einen Pfiff ansetze, immer bevor es Futter hier zuhause gibt - aber das konditioniere ich ja alle auf den Pfiff.
    Ich hab ja jetzt schon drei unterschiedliche Klicker und verliere die Kontrolle über mein Leben! :lol:
    Bolle (auf meinem Profilbild) klebt mir eh am Allerwertesten und der Rückruf läuft da absurd gut in jeder Situation. Pflegehündin Elsa ist Lichtjahre davon entfernt, ohne Leine laufen zu dürfen und ist auf dem intellektuellen Stand von "oh. Ich glaub ich heiße Elsa."
    Und dann finde ich's so oder so - sehr menschlich gedacht - ungerecht, wenn alle was kriegen, obwohl es nur für mein Terriermädchen schwierig war. Aber ich find's auch ungerecht, wenn nur sie was Tolles kriegt und die anderen dann 'so gucken' (och sorry, ich vermenschliche da me-ga-krass. Ich komm da nicht aus meiner Haut :lol:)

    Beim Mäuseln könntest du z.B. bestimmte Zonen freigeben und mäuseln lassen und andere verbieten. So verhinderst du, dass der Hund jede Gelegenheit nutzen will und sich reinsteigert und du dauernd abbrechen musst. Je nach Hund ist das auch nicht nötig - guck mal wie du es einschätzt.

    Anfangseuphorie beim Freilauf: ich würde da schlicht noch nicht abrufen. Finde es sinnvoll, anfangs dann abzurufen, wenn der Hund es mit Spass macht und nicht gerade vom Ultimativen Spass wegmuss. Wenn du dir also sicher sein kannst, dass erstmal nix passiert und der Hund rennen darf, würde ich warten bis sich der erste Spass bisschen gelegt hat und dann rufen um gleich wieder freizugeben nach toller Belohnung. Grad wenn das frei laufen so hochwertig ist, macht es Sinn den Spass als Belohnung wieder zuzulassen.

    Vielen Dank!
    Meinst du mit Zonen z.B. bestimmte Wiesen? Oder bestimmte Bereiche auf Wiesen?
    Bei ihr ist es so, dass sie eigentlich gut fährt, wenn man sie mal ein bisschen lässt und dann "weiter!" sagt, unterbricht man sie zu lange nicht und geht der Spaziergang z.B. am Rhein entlang, dann gerät sie irgendwann in einen Loch-Such-Rausch. Aber ich habe eher das Gefühl, dass es mit der zeitlichen anhaltenden Länge des Reizes zu tun hat, nicht so sehr mit der Häufigkeit der Örtlichkeiten, falls man versteht, was ich meine. Vielleicht macht das aber für Hunde auch gar keinen Unterschied. Ich muss das mal genauer beobachten! Danke für den Hinweis!

    Anfangseuphorie: Ja, finde ich gut - ich fordere eigentlich auch nichts von meinen Hunden, was sie in dem Moment nicht abrufen können. Ich werde dann halt zum Bangebüchschen. Aber eigentlich ist die Gegend relativ sicher. Da sind so viele Hunde, dass sich kaum Wild hintraut. Und das ist relativ gut von Straßen abgegrenzt. Und sie hat einen Tracker. Und sie kommt ja und hat ja auch schon verinnerlicht, dass sie mal gucken soll, was ich mache, weil ich vielleicht in eine andere Richtung gehe. Ich versuche mir das Abrufen im Spaßmodus mal zu verkneifen, sofern eine Gefahr lauert.
    Belohnung durch Freigabe: ja, voll! Das funktioniert für sie super! :)

    Hast du auch Kommandos aufgebaut, wie "Warte"? Hast du ihm beigebracht auf den Wegen zu bleiben? Wie siehtes mit seiner Leinenführigkeit aus?

    Hast du anstatt den Fell Dummy mal einen Futterbeutel versucht? Den gibt es auch mit Fell. Vielleicht macht das Futter da dein ihn interessanter.

    Danke dir. :bussi:

    Leinenführigkeit ist super in reizarmer Umgebung, wenn wir also die Pipirunde um die Häuser gehen: alles toll!

    Je mehr Ablenkung, desto schwieriger die Leinenführigkeit.
    Im Wald von ihr ein 'rechts' oder 'links' zu erwarten, ist derzeit oft noch in weiter Ferne, an lockerer Leine laufen geht aber je nach Art des Waldgebiets gut.
    Sagen wir, wie's ist: Wenn's nach Wildschwein riecht (da geht sie über Nase, nicht über Sicht), hängt sie manchmal im Tunnel am Ende der Leine und ich habe das Gefühl, als würde ich versuchen mit jemandem im Koma zu sprechen, von dem ich nicht weiß, ob er mich hört.
    Versuche solche Situationen also noch zu vermeiden.
    "Schlafzieren" - irgendwann wenn das Wetter es wieder zulässt, gerade bin ich zu memmig.

    Den Weg verlassen darf sie nicht, das ist aber auch noch nicht verinnerlicht. Je nach Reizlage versteht sie "raus da" bzw. "weiter!". Sie ist aber auch schon zwei Mal vom weg abgezischt und war dann ewige 30-60 Sekunden außer Sicht.

    "Warte" habe ich ihr beigebracht, ist aber auch noch nicht so verinnerlicht, dass das außerhalb von Ritualen funktionieren würde.

    Der Felldummy ist ein Futterdummy. Aber ob da Futter drin ist oder nicht, ist ihr egal. Im Wohnzimmer ist er das Highlight, im Garten ist er, nachdem festgestellt wurde, dass keine Katzen da sind, 'recht interessant', außerhalb unseres Lebensraums kann ich mir derzeit das Ding noch als lustigen Hut aufsetzen oder es mir sonst wo hin stecken. Naja, fast. Aber da sind wir einfach noch nicht.

    Ihr Lieben, ich hab keine Ahnung, ob dieses Thema hier noch betrieben wird. Ich lese jedenfalls seit Monaten brav ab Seite 500, bin jetzt auf Seite 611 und kann mich jetzt nicht mehr gedulden.
    Und ich schreibe jetzt mal hier, was ich so mache und wenn's keiner liest, starte ich eben ein neues Thema.

    Meine Parson-Mix-Dame ist passionierte Jägerin, vornehmlich auf Sicht. Aber auch Mäuseln. Nicht wahnsinnig interessiert am Dummy.
    Zunächst habe ich ihr das Mäuseln untersagt, sie reagiert gut auf sanfte Korrektur. Aber je mehr sie hier ankommt (kam im Oktober aus Rumänien, etwa 3 Jahre alt) desto mehr sucht sie draußen Außenreize. Und ich lese ja hier auch immer mehr.

    Was ich mache:
    - (Blick)kontakt mit mir belohnen, (verbal und/oder Klicker und Futterbelohnung)

    - den Felldummy aufbauen (bisher nur in der Wohnung interessant machen, alle zwei drei Tage damit etwas zergeln, spielen, seine Existenz feiern. Sie apportiert ihn auch schon im Wohnzimmer nachdem er geworfen wurde oder ich ihn versteckt habe. Nicht sauber, aber immerhin.)

    - Mäuseln untersage ich nicht mehr, ich habe hier gelesen, dass viele finden, dass ein Terrier das halt auch braucht. Und sie lässt sich darin auch abbrechen. Vielleicht will ich auch einfach glauben, dass sie das braucht, weil ich beim Mäuseln eben keinen Stress haben muss, dass sie abhaut. Sie schraubt sich da auch nicht wer weiß wie rein, wenn ich sage "weiter!" geht's ohne Umschweife auch weiter.

    - Wenn sie aus dem Fenster guckt und Katzen sieht, haut sie einen nervenraubenden Sichtlaut aus. Da habe ich mich ein paar mal zu ihr gehockt und ein bisschen mitgemacht "oh, da ist eine Katze, ja schau!" und wenn sie mich dann angeguckt hat, gab's in einem Raum ohne Aussicht in den Garten ein Stück Trockenpansen oder so.
    Inzwischen sucht sie mich in der Wohnung, wenn sie eine Katze im Garten erspäht hat. Ich finde das eigentlich gut, weil sie mich in ihren Film einbaut und sich vom Reiz löst, um mich zu informieren. Andererseits könnten ja jetzt viele sagen, dass ich unterbinden sollte, dass sie überhaupt in diese Reizlage kommt....

    - Ich meide gerade überwiegend sehr wildreiche Gebiete. So kann ich ihr Freilauf leider nur im Hundeauslaufgebiet ermöglichen, zu bestimmten Uhrzeiten oder Wetterlagen ist da nicht viel los und dann geht das auch. Sie hat dann echt das Bedürfnis zu rennen und ich merke, dass ihr das fehlt, wenn es mal wieder eine Woche oder länger nur Leinenknast gab. Ihr Abrufbarkeit ist da nicht optimal, besonders anfangs. Da zieht sie riesige Bahnen und wenn ich sie rufe, kommt sie zwar, aber eher in einem großen Bogen und auf den zweiten Ruf. Später wird es dann besser, wenn sie sich einmal "ausgerannt" hat. Aber wahrscheinlich würden die meisten hier sagen, dass sie dann eben nicht frei laufen darf, bis sie auch in der Anfangseuphorie ohne Umwege kommt...da bin ich hin und hergerissen, was nun richtig ist. In dem Gebiet bin ich relativ sicher vor Wild und es ist halbwegs gut umgrenzt. Irgendwo und irgendwie muss ich ja üben und sie auch mal powern lassen, oder? Trotzdem ist natürlich immer mein halbes Herz in der Hose, wenn sie sich nicht unverzüglich umdreht.

    - In Wäldern gibt es leider ausschließlich 15m-Schlepp oder 8m-Flexi (je nach Wetterlage), Ansprechbarkeit wird langsam besser, reicht aber z.B. nicht für 'sitz', Erregungslage zu hoch

    - Impulskontrolle steht ganz am Anfang. Beim Zergeln loslassen, beim Futter warten, an der geöffneten Gartentür warten bis ich 'okay' sage, weil keine Katzen in Sicht sind. Dazu muss man sagen, dass sie bei all den angesprochenen Dingen in hoher Erregung ist. Sie steht wimmernd vor der Gartentür und jault und fiept weil "Kaaaaatzen! Da sind Katzen!", sie bleibt trotzdem im "warte" bis zur Freigabe.


    ... gehe ich so in die richtige Richtung? Dummy (der draußen einfach noch nicht sehr spannend ist für sie) Mäuseln lassen, wenn möglich auch laufen lassen, Impulskontrolle langsam aufbauen, Kontakt belohnen...?
    Irgendwas fehlt doch, oder?

    Wie habt ihr den Dummy so spannend gemacht, dass er auch in Reizlagen funktioniert?
    Während ich nie einen objektfixierten Hund wollte, versuche ich mir jetzt einen zu bauen. :muede:

    "ach, warum musst du ihn denn schon wieder ranrufen" wenn wir den 10ten Hund in kurzer Zeit treffen.

    ...

    Das ist aber vielleicht auch die Frage, wie oft man Menschen trifft. Wenn man jemanden regelmäßig trifft, dann lohnt sich eine Erklärung sicherlich. Wenn man nur eine einzelne Situation mit Fremden klären muss, dann ist unfreundlich sein wahrscheinlich erfolgreicher. Das ist dann Management.

    Verstehe ich beides.
    zum ersten Punkt: Mit meinem Bolle war's auch so, dass ich mir Faulheit gefühlt erlauben durfte. Und da hab ich innerlich manchmal so geflucht über jeden Hund, bei dem ich Bolle rangerufen habe :tropf: weil ich einfach dachte, dass ich dieses Glück einen so netten Hund zu haben, mal auskosten will. Auch nicht ohne ein heimliches unfaires Gefühl von "sollen sich doch alle, die trainieren wollen oder müssen oder sollten bitte nicht hier treffen!"
    Ich glaube, bei meinem Partner hat sich das Gefühl sehr lange gehalten. Wenn er allein mit Bolle unterwegs war, hat er da nicht die Hand drauf gehabt. Bis in so einer Situation mein Ballermann-Tutnix mal unter einem anderen Hund hing, der mit Beschädigungsabsicht an dessen Hals/Nackenbereich hing. Jetzt passt mein Partner da auch besser auf.

    Meine Mädels lehren uns da aber sowieso noch mal mehr, Kontakte zu vermeiden. Eine Pöblerin und eine mit ner kurzen Zündschnur. Und die zu dritt zu managen, das ist schwierig genug - da noch einen vierten fremden Hund zu blocken, quasi unmöglich, dafür bin ich nicht klar genug.

    zum zweiten Punkt: Ich komme just von einem Spaziergang im Hundeauslaufgebiet, wollte nur mit einem meiner Mädels ein bisschen trainieren. Frisch belesen aus diesem Thread ging ich gefühlt gestählt und mit größter Nachsicht in die uns erwartenden Konfrontationen, gewillt, an das Empathievermögen der Menschen zu appellieren und die Lage zu erklären.
    Hatte ich mir leichter vorgestellt. :lol:
    Irgendwie kam doch immer nur "Bitte zurückrufen! Daaaanke!" zwei Sekunden später gefolgt von "HAU AB!" und Schnee auf fremde Hunde werfen. Ich glaube, ich sehe dabei noch viel unsouveräner aus, als ich mir vorstellen kann.
    Und erreicht habe ich auf der Verständnis-Schiene wohl eher niemanden. :???:
    Aber egal, dafür gibt's ja die Zettel: Halter*innen-Erziehung outsourcen!

    Ich bin eben der tiefen Überzeugung, dass es total wichtig ist, sich in andere hineinzuversetzen. Und wenn ich verlange, dass andere HundehalterInnen sich in meine missliche Lage hineinversetzen sollen, so möchte ich auch ihre Sicht verstehen.

    Hier kam mehrfach der Tipp einer möglichst unfreundlichen Art gegenüber anderen HundehalterInnen. Und so sehr ich das Argument verstehe und es Situationen gibt, welche machmal die Deutlichkeit braucht, möchte ich dennoch gern freundlich durchs Leben gehen. Und ein Schlüssel dazu könnte sein, das eigene Ego kurz zur Seite zu legen und für andere Platz zu machen.

    Das kann ich gar nicht genug unterstreichen. In jeder einzelnen Lebenslage ist genau das der Schlüssel: Perspektivübernahme. Macht alle glücklicher und kooperativer.
    Dass die Menschen sich nicht einschränken wollen, wenn sie den Sinn dahinter nicht verstehen, kann ich traurigerweise nachvollziehen. Den Menschen dann den Sinn näherzubringen hat meiner Meinung nach, wenn nicht akut Gefahr in Verzug ist, größere Chancen auf ein wohlgesonneneres und von Verständnis geprägtes Miteinander. Ich finde es super, dass du da so offen das Gespräch suchst!

    Waldnympchen klaro. :)

    jopunia : Zum Thema Ignoranz: Ich diene gern als jemand, der selbst eine ignorante Vergangenheit zu bieten hat. Ich hab früher das Problem echt nicht gesehen. Ich hab zwar meinen alten Hund angeleint oder zurückgerufen, wenn ich gebeten wurde - ich hatte aber einfach nicht den blassesten Funken einer Idee, warum das so sein sollte, weil meine Hündin ja voll nett war.

    Also, war sie wirklich, sie hat auch keinen Kontakt gesucht - aber ich war einfach komplett naiv und mir ist überhaupt nicht eingefallen, warum nicht alle Hunde auf der Welt immer in Kontakt miteinander dürfen. Da war ich zwar noch ziemlich jung, erinnere mich aber gut daran, dass ich mal angeschnauzt wurde, weil mein Hund ungefragt sehr dicht an einer anderen Frau mit deren Hund vorbeiging, woraufhin ihr Hund sich wahnsinnig aufgeregt hat. Und ich hab damals einfach nicht verstanden, was daran meine Schuld gewesen sein soll.
    Jetzt weiß ich das. Jetzt, wo ich immer mehr immer verschiedenere Hunde und Menschen kennenlernen durfte, ist mir das alles klar.
    Aber insbesondere Leute, die Hunde haben, aber eben überwiegend unproblematische haben - oder Leute, die derzeit ihren coronainduzierten Ersthund haben und sich (noch) nicht auskennen, wissen das noch nicht. Gehört nicht zu deren Weltbild.

    Und ja, es gibt auch die arroganten Menschen, denen es schlicht egal ist, die ihren Hund Hund sein lassen wollen, der sich frei entfalten soll und nicht beschränkt werden darf. Die wissen, dass deren Hund nicht den Kürzeren zieht. Die die natürliche Auslese als Anwältin im Rücken haben.

    Und dann gibt es letztlich noch die, die auch von FrekisSchwester angesprochen wurden. Die, die denken, dass alles gut läuft, sich dann in Grund un Boden schämen, weil ihre Hunde nicht gut im Gehorsam stehen und deshalb pampig werden. Es ist einfach viel leichter, über den anderen Hund zu sagen, er sei Initiator oder Auslöser oder eben 'das typische Opfer', mit dem man besser wo anders gehen sollte, als sich einzugestehen, dass man selbst da etwas verbockt hat. Die gehen dann mosernd und meckernd weiter, sind eigentlich wütend auf sich selbst, schämen sich vielleicht und wollen dieses ekelhafte Gefühl schnell loswerden.