Sockensucher ich hab mal angefangen deine Kaami-Story zu lesen. Heftig! Mit dem Wissen von heute ist es allerdings auch lustig, wie deine ersten Einschätzungen so sind. Schnell vermittelbare kleine Schnappschildkröte 
Mandarinenmädchen Sie kommt von Ein Herz für Streuner, die arbeiten mit verschiedenen Heimen zusammen, Elsa kommt glaube ich aus dem in Bistrita.
@Frufo ihre Diagnose wird ja nicht besser. Wir hätten jetzt nach der Anfangsprognose noch 6-10 Monate. Aber das ist eben einfach nicht klar. Zumal ihr Zustand sich gerade wieder verschlechtert. Wir sind nun zu dem Entschluss gekommen, dass wir Gnadenplatz für sie bleiben. Sagen wir, wir haben uns damit abgefunden, ein Entschluss ist das nicht wirklich. Wir haben die Hoffnung aufgegeben, dass sich die goldene Nadel im Heuhaufen noch findet.
So, heute ist Sonntag und ich wollte heute im "Jetzt" ankommen, deshalb:
Mai 2021 mit Elsa
Wieder gab es eine neue Bewerberin, die klang super. Zwischen uns lagen allerdings 4 Stunden Fahrt. Glücklicherweise hat diese Bewerberin einen Sohn und dessen Freundin in Köln, die sie ohnehin besuchen wollte, also trafen wir uns dort, das ist ja nicht weit.
Ich kenne mich in Köln ganz gut aus, habe da selbst lange gelebt. Trotzdem sagte ich, sie sollten einen Ort zum Spazieren aussuchen, an dem es möglichst ruhig ist. Ich gab die Adresse in mein Navi ein und fuhr mit Elsa los - Autofahren fand sie zwar, wie sie im April beschlossen hatte, plötzlich doof, aber ich dachte mir, dass es in der Faltbox mit Kauartikel schon gehen würde.
Jaja, pfiffiges Frauchen, zu viel Zuckerwatte gefrühstückt und den Einhornrucksack aufgesetzt oder was?
Die Rechnung wurde ohne Elsa gemacht. Sie randalierte in ihrer Box, jaulte, bellte, fiepte und nahm alles auseinander, was es dort gemütlich machen sollte. Als ich an der Adresse ankam, hingen sowohl Elsas als auch meine Nerven in Fetzen.
Die Adresse, wie sich nun herausstellte, war der Kölner Stadtwald. Am 1. Mai.
Eine Art Bällchenbad aus Hunden.
Vielleicht kennt der eine oder die andere den Kölner Stadtwald - ist schon schön da, wenn man sagt, dass pro Quadratmeter Gras zwei freilaufende Hunde ein inneres Laubhüttenfest auslösen.
Ich tat mich echt schwer damit, Elsa diesem Flooding auszusetzen, insbesondere nach der stressigen Autofahrt. Aber sie hat es für eine Weile scheinbar ganz gut verpackt. Später wurde es dann immer schlimmer, ausgelöst vor allem dadurch, dass ein durch Social Media bekannter Hundetrainer und Buchautor den von ihm zu trainierenden Jung-Retriever auf unsere Picknickdecke brettern ließ. Er hat ihn wieder eingesammelt und sich brav entschuldigt - aber ab diesem Zeitpunkt war für Elsa der Tag gelaufen.
Die Rückfahrt war dann von vielen Unterbrechungen geprägt. Die Box verstaute ich im Kofferraum, Elsa kam auf die Rückbank, ungesichert, weil sie sich sonst verheddern würde. Ich fuhr immer nur kleine Etappen, hielt an, ließ sie eine Runde die Beine vertreten, wieder rein ins Auto. Wir brauchten über 2 Stunden. Als wir wieder hier waren, stand Elsa noch sehr unter Stress, irgendwann konnte sie allerdings einschlafen und schlief dann auch, wie im Koma.
Mein Freund sagte, dass er sich nicht mehr vorstellen kann, Elsa abzugeben, wenn ich die Lebenssituation der Bewerberin nicht absolut perfekt fände.
Er sagte, dass er es sich nicht verzeihen könnte, wenn wir sie abgeben würden und sie würde zwei Wochen später sterben.
Und ich könnte das auch nicht. Wir sagten der sehr netten Frau ab.
Das war auch der Tag, an dem Elsa inkontinent wurde.
Sie verlor fortan immer in der tiefsten Entspannung Urin. Keine Tröpfchen, sondern eine ganze Ladung.
Wenn sie aufwachte, war das Sofa und ihre komplette Flanke nass.
Elsa durfte ja überall schlafen, Sofa, Bett, Teppich, Sessel, eines der 7 Körbchen... irgendwo fanden sich ab dem 1. Mai immer große Urinflecken.
Anfangs schafften wir es, einen Großteil davon zu vermeiden, wenn wir sehr genau im Timing waren - Wenn Elsa ihre Entwässerung bekam: 2 Stunden später und ab dann 2 Stunden lang im 30 Minuten Takt in den Garten. Elsa war darüber not amused, denn wenn Elsabert schläft, möchte Elsbert nicht behelligt werden. Aber so klappte es zumindest, die ausgelaufene Pipimenge auf ein paar Tröpfchen zu reduzieren.
Kürbiskernprodukte halfen leider gar nicht.
Das Diuretikum ein wenig zu reduzieren, führte dazu, dass der Husten zurück kam, das war also auch keine Option.
Welpenpads zierten die ganze Wohnung, da aber die Mädels unbedingt ein "Külleken" buddeln müssen, bevor sie sich hinlegen, lagen die grundsätzlich neben Elsas Hintern, wenn sie schlief.
- Gut, egal, bisschen Pipi, who cares, das Leben ist eh nicht auf unserer Seite. Wir versuchten es, entspannt zu sehen und irgendwie mit unserer aufgesetzten Entspannung ein starkes Gegengewicht zu Almas und Elsas Unentspanntheit zu setzen.
Da Alma und Elsa ihre Mission "Verspannung" immer stärker zu ihrem Lebensinhalt erklärten und Elsas Häufchen einfach immer matschig waren außer wenn ich etwas ungequollene Flohsamen, ungequollene Chiasaat und ungekochten Quinoa ins Nassfutter mischte, in das ich eh tausend Pülverchen mischte, sodass die Futterzubereitung inzwischen zu einem komplexen Ritual geworden war, weshalb man mich dabei nicht ansprechen durfte, bestellte ich mir James O'Heare "Die Neuropsychologie des Hundes". Ein ganz schön dünnes Heftchen. Und gar nicht mal so wissenschaftlich, wie der Titel annehmen lässt.
Aber: ich stellte daraufhin die Ernährung der Hunde um: Viel mehr Kohlenhydrate, viel mehr Obst/Gemüse-Anteile. Jetzt gab es also maximal 1/3 Reinfleisch.
Auch wenn Elsa nun mit weniger Begeisterung fraß und zunächst für ca 2 Wochen Schleim im Kot hatte (Schleimhüllen) - sie hat seit dieser Umstellung feste, normale Häufchen. Ich dachte, das kann sie gar nicht.
Gerade dadurch, dass bei ihr auch mal Giardien diagnostiziert wurden, sie aber das Panacur so schlecht vertragen hat, dass ich die Behandlung abbrechen musste, hab ich auf Kohlenhydrate weitestgehend verzichtet.
Weil Giardien ja Brötchen mögen oder so. Die kleinen Gourmets. Sitzen die da im Hundedarm und warten auf Croissants und Pasta. Und wenn sie dann alle singen "wir haben Hunger Hunger Hunger!" klingt das für Menschenohren wie Blähungen, mit Stethoskop kann man das aber ganz gut verstehen.
Ich hatte ja auch auf Darmsanierung gesetzt. Brottrunk, Probiotika, Usniotika, Pipapo und Consorten. Brachte alles nicht wirklich was.
Ich hatte mir also schon fast eingestanden, dass das Mädel jetzt für immer Giardien haben wird und für immer Häufchenprobleme. Aber sie hörten einfach komplett auf, seit der KH-und Ballaststoff-Anteil so viel höher sind.
Auch Bolle und Alma vertragen das gut.
Inzwischen kriege ich einen regelrechten Dopamin-Kick der Erwartungshaltung, wenn ich frage "Wie war das Häufchen" - weil "bombig!" die Standardantwort geworden ist.
Aber diese Verhaltensänderung, die James O'Heare mir frech in Aussicht gestellt hatte - mehr Serotonin durch mehr Tryptophan - mehr gute Laune, alle Hunde finden ihren inneren Beagle - nee. Nee, das kam nicht so recht.