Vriff - bei uns gibt es kunstwissenschaftliche und kunstpraktische Klausuren im Wechsel. Das liegt vor allem auch daran, dass im Abi die Wahlmöglichkeit besteht, das eine oder das andere zu machen. Die theoretischen Abiklausuren werden zentral gestellt, die praktischen müssen wir selbst erstellen und absegnen lassen.
In den Praxisklausuren, die im Abi gestellt werden, müssen verschiedene praktische Kompetenzen abgefragt werden, die sich auf mindestens zwei Halbjahre beziehen müssen.
So hab ich z.B. mal eine praktische Klausur gestellt, in der Fotovorlagen abgemalt werden mussten, aber es mussten gestaltungspraktische Entscheidungen getroffen werden (Farbwahl, Farbauftrag, Duktus, Bildausschnitt, Komposition) um einen bestimmten Charakter (Phegmatiker, Sanguiniker, Melancholiker, Choleriker) zu verdeutlichen, ohne am Bildinhalt etwas ändern zu dürfen.
In einer anderen Klausur wurden z.B. Erdnüsse zerschlagen (Aleatorik) und aus ihnen kleine Modelle gebaut, die den Worten "schützend" "wachsend" o.ä. nachempfunden sein sollten (Abstraktion). Diese Modelle wurden dann zu einer allansichtigen Gesamtplastik für einen bestimmten Raum in Ton umgesetzt. Hier geht es dann um Form, Position, Betrachter*innenbezug, Oberfläche usw.
Am Anschluss an praktische Klausuren erfolgt immer eine künstlerische Begründung, eine Prozessdokumentation und/oder kritische Selbstreflexion.
In einer Abiklausur müsste ich jetzt eine Aufgabe finden, die z.B. diese beiden Themen umfasst. Das könnte z.B. sein, dass man das Bild einer Schweinenase kriegt und einen Text über schwarze Löcher, und diese Schweinenase für sich abstrahieren soll, diese Versatzstücke der abstrahierten Schweinenase neu arrangiert und daraus ein Bild mit pastoser Farbe umsetzen soll, dass eine bestimmte - vielleicht bedrohliche - Wirkung evoziert.
Mehrhund
Und weil ich finde, dass der Spielraum des wirklich fair und vergleichbar Benotbaren da schon sehr klein ist, will ich unbedingt - und das predige ich ab der 7. Klasse - dass das Format bewusst, selbst und begründet entschieden wird. Weil Komposition eben eine Sache ist, die eigentlich alle verstehen, auch wenn sie z.B. eine begrenztere Klaviatur der malerischen Möglichkeiten haben.
