Oh, ich danke dir so sehr für diesen Thread! Er brannte mir auch unter den Nägeln.
Ich verstehe die Aufregung, die das Wort Adoption in Bezug auf Hunde auslöst, gar nicht. Ich sag das über meine Hunde. Ich vermenschliche die sicher auch manchmal, sag Sachen wie "kommabeidemutti" und "jetzt sag nicht, dass er dick ist, wenn er dich hören kann" - trotzdem behandle ich die Tiere weitestgehend und im Maße des städtischen Lebens in einer Wohnung artgerecht.
Ich hab kein Thema damit, dass meine Hunde für mich Familienmitglieder sind. Ja, Bindungspartner. Ich glaube, denen ist auch egal, ob ich damit vielleicht irgendwas kompensiere - kann ja sein, dass es so ist! Ich weiß nicht, ob und was ich möglicherweise durch die unscharfe Trennung kompensiere, kann aber nicht ausschließen, dass das so ist.
Und ich muss auch sagen, dass ich keine Hunde hätte, wenn es nur Hunde aus der Zucht gäbe. Ich brauche ja keinen Hund. Die sind teuer, machen alles dreckig, kosten viel Zeit und Nerven. Die sind für mich auch kein Hobby. Ich hab Hunde, weil ich gern Hunde um mich habe, ich die sehr leicht lieb haben kann und es einfach immer mal wieder welche gibt, die irgendwo weg müssen resp. einen Platz freimachen für einen, der wo anders weg muss.
Das hat ja nichts mit Heiligenschein zu tun und ehrlich gesagt, empfinde ich diese Aussage auch als recht gehässig bis boshaft. Der vorgeworfene "Heiligenschein" ist ja kein Argument, sondern soll einfach nur dazu dienen, Menschen ein schlechtes Gefühl über ihre eigene Lebensgestaltung zu geben. Das bringt ja keinen Mehrwert für die Diskussion.
Das ist tatsächlich häufig ähnlich, wenn jemand sagt, dass sie*er gendergerechte Sprache verwendet, vegan lebt, versucht möglichst klimaneutral zu leben oder so. Da habe ich schon häufig Wörter wie "Gutmensch" "Heiligenschein" oder "ja, da wird das Rind jetzt aber auch nicht wieder lebendig von" usw. gehört.
Das killt einfach nur die Gesprächsgrundlage.
"Ich hab meinen Hund aus der Verpaarung Dark Spirit of Harzerroller und Dynasty von Frackstein"
"Finde ich kacke, ich habe ja meinen Hund aus dem Tierheim, der hätte sonst keine Chance gehabt"
"Oh, du fühlst dich wohl besonders heilig!"
"Und du bist Schuld am Hundetöten in Timbuktu!"
Warum sollten den Gespräche bitte so laufen?! Das führt doch zu nix.
Das Leben ist doch zu kurz, um sich über solche Sachen abzufucken. Und ja, auch wenn für mich kein Hund das Licht der Welt erblicken soll und ich gerne beratend im Thema Tierschutz zur Seite stehe (frisch frisiert mit Heiligenschein), heißt das doch im Umkehrschluss nicht, dass ich anderen Leuten sage, wie sie ihr Leben zu führen haben. Ich hau niemandem das Schnitzelbrötchen aus der Hand und sage niemandem, dass man keinen Hund aus der Zucht haben darf. Muss ich nicht verstehen, kann ich aber so lassen. Jede*r hat eigene Ziele, Lebensvorstellungen, Ideale und Ansprüche.
Klar, ich krieg auch einen Gänsehautekel, wenn ich Worte wie Regenbogenbrücke höre oder Seelenhund. Aber ich versteh', wie's gemeint ist und dass unter dieser Decke aus kitischigen Verklausulierungen einfach nur eine tiefe (ich sag's jetzt, stark sein!) Bindung - bzw. Verbindung oder Liebe - bzw. Hormone, für die ganz Rationalen - liegt. Und dann kann man das doch auch einfach so stehen lassen.