Natürlich sucht man in Frage kommende Vereine auch darüber aus, wiesie sich präsentieren.
Ich bin total allergisch darauf, wenn Vereine übertrieben mit den Emotionen spielen, Beschreibungen des Hundes in der Ich-Perspektive verfassen und dessen vermeintliche Gefühle total aufbauschen. Ich würde niemals bei so einem Verein anfragen, weil mir diese Art zuwider ist.
Oh ja, darauf reagiere ich auch eher verwundert. Hatte dazu hier auch mal einen Thread aufgemacht mit den absurdesten Vermittlungstexten.
Ich muss sagen, dass das auch eine Form der Sprachlichkeit ist, von der ich nicht glaube, dass sie zielführend ist, da sie eben über rein emotionale Momente versucht zu funktionieren und dadurch auch Hundehaltung nicht gut repräsentiert, weil sie das Bild des dankbaren Tierschutzhundes, der gequälten Kreatur, die aus reinem Rückblick heraus selbsterziehend wird, um den neuen Sofastatus nicht zu gefährden, insbesondere bei den Leuten prägt, die sich Hundehaltung einfacher vorstellen, als sie oft ist.
Es stimmt natürlich, dass solche Texte unter Umständen nichts über die tatsächliche Vermittlungsarbeit aussagen. Es ist durchaus möglich, dass irgendwer, der weder die Hunde kennt, noch einen Schreibstil hat, der der Sache zuträglich wäre, diese Texte verfasst, die Vermittlungsgespräche aber vielleicht von anderen geführt werden. Ich finde aber, dass man an den Texten einen Eindruck davon erhält, wie viele Informationen über den Hund vorliegen. "die traurige Fellnase mit den großen Augen, die einfach nur geliebt werden möchte und mit ihrem Wuschelfell ein echter Hingucker für Wuschelfans ist" beschreibt einen Hund, von denen die Texter*innen offensichtlich auch nur das Foto kennen. Aber mir wäre es lieber, wenn da stehen würde "Informationen folgen, konnte noch nicht eingeschätzt werden". Beides heißt, ich darf mich überraschen lassen, ob es passt. Nur soll der erste Textentwurf eben ein Gefühl generieren und der zweite Gedanken oder Fragen.
Ich halte auch nicht viel davon, Vermittlungstexte zu beschönigen, um erst mal "Kundschaft" zu aquirieren, um dann bei weiteren Gesprächen auszupacken, was eigentlich Phase ist. Das machen glaube ich viele so. Ich verstehe nur nicht, weshalb man die eigene Zeit dafür verschwendet. Ist ja nicht so, als würde jemand Lust drauf haben, den ganzen Tag mit hoffnungsvollen Menschen zu telefonieren um denen dann zu sagen "ja, die flauschige Fellnase ist leider positiv getestet auf X und schnappt deutlich ab, wenn man das Halsband anlegt" damit die Interessierten sich dann nie mehr melden. Es macht einfach keinen Sinn Verliebtheit zu evozieren und erst später einzuräumen, dass es vermutlich nicht passt. Im Endeffekt verliert man genau darüber Leute, denn die sind ja nicht unbedingt gewillt, sich jetzt sofort noch mal die Kartei anzugucken und neu zu verlieben. Deshalb ist das für mich nicht nachhaltig. Da sollte man als Vorstand oder Vermittlung wirklich besser aufpassen.
Obwohl ich auch verstehe, dass man selbst einfach betroffen ist und denkt, dass blinder Aktionismus besser wäre, als einer, der keine Effekte erzielt. Ich verstehe die Leute also auch irgendwie, finde es trotzdem nicht richtig.
Wozu ich noch keine richtige endgültige Meinung habe, ist, ob eine unpassende Vermittlung einer Nicht-Vermittlung vorzuziehen ist. Natürlich ist das Ideal die passende Vermittlung. Aber ich muss sagen, dass ich da immer hin und her gerissen war. Wenn ich einen Vermittlungshund hatte, dann hatte ich den oft länger als nötig, da ich immer darauf gewartet habe, das ich mir sicher war mit der Mensch-Hund-Konstellation. Und das kam mir für den Hund immer richtig vor. Ich habe auch allen Menschen bei der Übernahme gesagt, dass sie immer anrufen können und ich im Problemfall den Hund zurücknehme. Das gilt auch immer noch. Aber ich hab dadurch - und das darf man ganz klar kritisch sehen - eine Pflegestelle blockiert, in die ein anderer Hund hätte reisen können, wenn ich früher hätte fünfe gerade sein lassen. Finde ich nicht leicht, einzuordnen.
Ebenso schwierig erscheint mir, wie viel Geld ich für die medizinische Versorgung (und Futter und Stuff) der bei mir lebenden Hunde ausgebe in dem gleichzeitigen Wissen, dass ich das in Kastrationsprojekte stecken könnte oder eben gerechter investieren könnte.
(Sorry, Hölzchen auf Stöckchen)