10.02.: Wenn dieser Tag ein Tier wäre, welches wäre es?
Bisher liegt der Tag wie eine riesige, in viele Wülste und Bögen gelegte Boa über der Stadt. In den Straßen und zwischen den Häusern füllt er mit seinen Windungen jeden Kubik Raum aus und bewegt sich ganz langsam gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen. Der Zug, der dabei entsteht, schiebt und treibt die Menschen durch das Stadtsystem - irgendwie unfreiwillig und doch nicht widerspenstig.
Wer das Haus verlässt, wird vom weichen Mahlwerk des Schlangenkörpers mitgezogen und irgendwo anders angespült. Die Boa wird sich bis 21 Uhr sichtbar bewegen, mal schneller, mal langsamer, Menschen mit Einkaufstüten lassen sich bergab, Menschen mit Pfandtüten bergauf drücken, Menschen mit Hunden schieben sich ziellos um den Zentralwulst, die heimische Immobilieninsel, und dann kommt sie langsam oberflächlich zur Ruhe und Abschnitte des dicken, wechselwarmen Leibes verschließen sorgfältig die meisten Türen von außen, schieben sich in jeden Spalt vor und füllen jede Dehnungsfuge aus.
Aber vielleicht kommt alles auch ganz anders.