21.9. Wohin, glaubst du, führt dich dein Weg?
Da gibt es so einige Zwischenhalte, an denen die Streckenplanung entlang läuft.
Vermutlich warten in den nächsten Monaten bis Jahren Abschiede auf mich, Elsa wird nicht mehr lang leben und auch Bolle ist schon ein Seniörchen. Der erste Streckenabschnitt wird also nicht so schön.
Aber dann: Professur in 3 Jahren, zeitgleich kommen wir an meinem Haus vorbei.
Weil man mit Professur so wenig arbeiten muss, hab ich endlich Zeit Großpflegestelle zu werden. Ich hab dann immer mindestens 3 oder sieben Pflegehunde und weine immer ganz viel bei der Vermittlung.
Und weil ich so tolle räumliche Möglichkeiten habe, leben bei mir auch andere ausrangierte Nutztiere.
Eigentlich verläuft die Fahrt bis hierhin ziemlich gut, nur die Abschiede tun immer weh.
Plötzlich, eigentlich ist klar, dass man einfach weiter gerade aus will, ist da eine Umleitung, die heißt "Familiärer Pflegefall" - mindestens einer, wenn es schlecht läuft drei. Da man alte Bäume schwer verpflanzt, werde ich zu den Bäumen ziehen und mich vermutlich zerreißen zwischen Arbeit, Tier- und Menschenpflege.
Noch mehr Abschiede.
Aber irgendwann ist das Thema Abschiede durch und ich höre auf zu arbeiten und hab jetzt endlich genug Zeit für alles. Zum Beispiel auf der Terrasse sitzen mit den Eseln und Hunden und Riesling und Freund und Kniffel spielen.
Ich stelle so langsam Leute ein, die mir bei der Versorgung der Tiere helfen und die dann auch bei uns leben. Eine nette junge Familie mit kleinem Kind. So werd ich dann irgendwie noch halbwegs "Oma". Dass die nun da sind, ist toll, denn Freund und ich verbringen nun dann und wann auch mal wieder ein paar Wochen auf einer Vulkaninsel.
Zugegeben, er mehr als ich, ich will dann doch immer wieder zu den Eseln und Hunden und meinem "Enkelkind", das ich total lieb habe.
Mein Freund, wir werden nie geheiratet haben, wird vor mir sterben, an irgendetwas total Blödem. Ein Unfall vermutlich, aber so Darwin-Award-mäßig. Und ich werde das unfair finden, denn er hing schon immer mehr am Leben als ich.
Aber ich kann ganz gut allein sein, auch wenn es mit der Selbstversorgung immer schwieriger wird. Ich hab ja meine Dogforum-Uralt-Freundinnen und wir schreiben uns, bis ich zu dement bin.
Ich vermache alles meinem "Enkelkind" und seinen Eltern und die sind gar nicht sooo traurig, dass ich dann irgendwann hinüber bin weil ich schon auch immer ein bisschen genervt hab, seit ich allein und dement wurde.
War dann gut, so am Ende, werd ich finden.