Hm.
Also ich muss sagen, dass ich auch irgendwie sehe, dass sie Fragebögen nicht viel bringen. In unseren steht dann so etwas wie:
"haben Sie Erfahrung mit Hunden?"
"was passiert mit dem Hund im Krankheitsfall oder im Urlaub?"
"wohnen Sie in der Stadt, am Stadtrand oder auf dem Land?"
"ist Ihnen bewusst, dass der Hund sich bei Ihnen völlig anders zeigen kann, als im Tierheim oder in der Pflegestelle und dass Ängste oder aggressives Verhalten vorkommen können?"
"ist ihnen bewusst, dass auch trotz vorheriger Testung und medizinischer Kontrolle unerkannte Krankheiten vorliegen können?"
"Ist dem Interessenten bewusst, dass es sich um Rassenmixe handelt und somit nichtausgeschlossen werden kann das evtl. Hüteeigenschaften, Herdenschutzeigenschaften oder andere rassebedingten Eigenschaften nach Eingewöhnung auftreten können?"
usw. - das Problem ist, dass die meisten Menschen diese Fragen ja irgendwie beantworten, aber ja unter Umständen nicht einschätzen können, ob sie "hundeerfahren" sind, dass man Ängste nicht "mit Liebe" wegkriegt, was Herdenschutzeigenschaften sind usw.
Wenn also dieser erste Fragebogen jetzt nicht aufzeigt, dass das wirklich gar nicht passt, kommt's zu einem Telefonat. In diesem Telefonat erzählen Menschen mir meist ungefragt ihre halbe Lebensgeschichte und das erwartet schon viel Feingefühl. Wenn es da auch passt (und ich hatte auch schon Telefonate, wo sich herausstellte, dass es gar nicht passt, ganz hohe Ansprüche gestellt werden oder ganz falsche Vorstellungen existierten), treffe ich mich mit den Leuten.
Wenn es um einen Pflegehund geht, der bei mir ist, treffen wir uns auf neutralem Boden für einen gemeinsamen Spaziergang. Wenn die Menschen den Hund gut finden, komme ich mit dem Hund mal bei denen vorbei, da hab ich dann den nächsten Fragebogen an der Hand, an dem ich mich orientieren soll.
Da frage ich dann Dinge wie "Wie würdest du dich verhalten, wenn der Hund die Einrichtung zerstört, wenn du einkaufen bist?" oder "Würdest du eine Hundetrainerin in Anspruch nehmen?" und solche Dinge. Ich beantworte aber auch viele Fragen zum Verein, zum Shelter in Rumänien, zu Mittelmeerkrankheiten und natürlich zum Hund, wenn ich den kenne ist das natürlich irgendwie das Kernthema.
Wenn ich das Gefühl habe, dass die Leute eigentlich schon Hundemenschen sind, aber eben dieser angefragte Hund nicht passt, mache ich andere Vorschläge. Zum Beispiel ein jüngerer Hund, der etwas fitter ist. Oder ein älterer, der gemütlicher ist. Manchmal schlage ich auch Hunde von ganz anderen Vereinen vor, das soll einfach auf helfen, klarzumachen, dass es eben darum geht, den passenden Hund für diese Lebenssituation zu finden.
Bisher hatte ich nicht das Gefühl, dass irgendwer mich sehr übergriffig fand.
Und ich fand die Vorkontrollen bei mir auch nicht schlimm, nervös war ich trotzdem immer.
Trotzdem, obwohl ich echt versuche, so genau wie möglich hinzugucken und so gut wie möglich aufzuklären, gab es auch schon einen Fall, da musste der Hund wieder umziehen. Ich hab mich damit echt mies gefühlt. Aber der Hund musste da wieder weggeholt werden, weil die Frau (sie wollte Gnadenplatz für einen schwerkranken Hund werden) sich sehr überschätzt hat und ich ihr das vollkommen abgekauft habe.
Das war ne schlimme Situation für alle.
Ist schon schwierig alles.
Eigentlich finde ich die Arbeit mit Pflegestellen auch am sinnvollsten. Aber das kann kaum ein Verein so flächendeckend zahlen. Und wie gut die Pflegestellen sind - pfff, die unterliegen ja sozusagen dem gleichen Procedere der Prüfung.
Schwierig alles.