also zunächst mal, ich würde nicht sagen, dass dieses Verhalten für einen Aussie "normal" ist, man kann es aber recht häufig beobachten. Aussies sind Einpersonen-Hunde, die gerne beschützen/Kontrolle behalten/alles überwachen. Das ist nicht "böse" gemeint, aber gehört oftmals zu ihrem Wesen. Wichtig ist eben, dass man dieses Verhalten in die richtigen Bahnen lenkt.
So wie du deine Hündin beschreibst, erinnert sie mich total an eine Hündin aus meiner Obedience-Gruppe: wirklich TOP erzogen, niemals schlechte Erfahrungen gemacht mit Kindern, reagiert aber auf manche Reize (wie eben rennende Kinder) teilweise recht heftig. Das liegt NICHT an der falschen Erziehung durch ihre Besitzerin, sondern hat mit dem schlechten Nervenkostüm dieses Hundes zu tun. Es liegt hier eindeutig ein Zuchtfehler vor, es liegt nämlich bekanntermaßen in der Familie/Linie, dass diese Hunde eine sehr niedrige Reizschwelle haben und mit einigen Umweltreizen schlichtweg überfordert sind. Auch das Thema Ressourcenverteidigung hat man ganz oft beim Aussie. Es ist ansich ja nichts schlimmes, aber es bringt auch nichts, es einfach zu ignorieren! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Aussies sich gerne durchsetzen wollen und man dann viel Druck aufbauen müsste, um sie davon zu überzeugen, dass ihre Idee grad sch*** war... Hingegen bin ich ein Fan davon, dem Hund ein Alternativverhalten beizubringen und in kritischen Situationen bewusst Druck rauszunehmen und das vorher antrainierte Alternativverhalten abzurufen. Das bringt vor allem eines: es nimmt Spannung aus der Situation.
Dass du im Dezember ein Kind erwartest, hat aus meiner Sicht einen Vorteil und auch einen Nachteil. Der Nachteil: du wirst sehr viel trainieren müssen. Der Vorteil: du darfst sehr viel trainieren ;-) Mein Ansatz wäre: Kinder sind toll!!!! Tu alles, damit sich in deinem Hund das negative Gefühl, das er mit Kindern verbindet, neutralisiert. Ist sie verfressen? Wenn ja, würde ich mit "Zeigen und Benennen" anfangen. Ich habe ja auch einen Aussie und auch er hat so seine Schwierigkeiten mit Kindern. Ich habe angefangen, zu clickern, wenn ein Kind in Belas Sichtfeld tritt. Der Hund lernt so zwei Dinge: 1. Kind = Click+Belohnung und 2. er orientiert sich bei Kindsichtung zu mir um, weil er dort eine Belohnung erwartet. Ich kann es schlecht in wenigen Sätzen erklären, aber mein Ziel ist eben nicht mehr (so wie früher), dass ich meinen Hund "deckele", weil er sich über die Anwesenheit eines Kindes aufregt, sondern dass sich seine Gefühle ändern, dass Kinder etwas Positives für ihn bedeuten und dass er, wenn es ihm unbehaglich ist, Schutz bei mir sucht, statt nach vorne zu gehen. Am besten liest du dich mal in dieses Thema ein. Es gibt dazu hier einen ganz tollen Thread. Ist nur ein Tipp von mir, denn ICH würde hier nur mit positiver Verstärkung arbeiten wollen bzw. tue das auch.
Der zweite Aspekt ist für mich, dass Aussies gerne unterscheiden zwischen fremd und gehört zur Familie. Es kann durchaus sein, dass deine Hündin dein Baby sofort akzeptiert, du aber dennoch aufpassen musst, dass sie es nicht nach außen hin verteidigt.
Was mir außerdem noch einfällt: ein Baby ist ja erstmal eine ganze Zeitlang ein Baby - kein Krabbelkind. Du hast also, nachdem das Kind auf die Welt gekommen ist, noch ein wenig Zeit, um die Gewöhnung herbeizuführen.
Ich würde dir raten, dich jetzt noch nicht allzu sehr verrückt zu machen! Hunde spüren sowas, und das wiederum verunsichert sie möglicherweise, ein Teufelskreis... An deiner Stelle würde ich einen wirklich guten Trainer aufsuchen, der euch begleitet, wenn das Kind da ist. Vorher würde ich eben wie oben beschrieben an der generellen Akzeptanz von Kindern arbeiten.