was man beim Aussie nicht vergessen darf: viele Eigenschaften zeigen sich erst, wenn der Hund wirklich erwachsen ist. Und das heißt hier, mindestens 2, eher 3 Jahre... Dazu gehört zB der Wach- und Schutztrieb, der sich bei manchen erst recht spät ausprägt, und auch die Fixiertheit auf eine oder sehr wenige Personen.
Nocte hats ja schon angedeutet, es gibt die extrem sensiblen Exemplare unter den Aussies. Mein Rüde ist so einer, er ist wirklich hypersensibel. Aber das hat man ihm nicht von Anfang an angesehen, im Gegenteil. Er machte in der ersten Zeit einen sehr aufgeschlossenen, neugierigen, lebensfrohen und unerschrockenen Eindruck. Erst als er so 7 Monate bis 1 Jahr alt wurde, zeichnete sich langsam ab, was da noch so drin schlummert...
Ich habe den Hund gekauft gehabt, weil ich dasselbe vorhatte wie ihr: Einen Hund zu haben, den man überall mit hinnehmen kann, der sich überall anpasst, nicht auffällt, aber mit dem man was machen kann, der sich für sämtliche Aktivitäten begeistert. Eben einen, der alles mitmacht. Das ging auch alles eine Zeitlang und dann irgendwann gar nicht mehr. Er hat ein Misstrauen gegenüber Fremden entwickelt, das es sogut wie unmöglich macht, ihn zu Leuten OHNE Hund mitzunehmen. Er will nicht angesprochen oder angefasst werden. Kinder hasst er. Er hat aber nie etwas schlechtes erlebt! Bei Hundebesitzern hat er das nicht in der Form.
Mit einem guten Jahr fing er an, sich nicht mehr mit jedem Rüden zu vertragen. Ich habe längere zeit in der Stadt gelebt, er hatte ständig Fremdhundekontakte. Viel hilft viel, dachte ich. Sah er aber anders. Ihn überforderte es anscheinend, täglich teilweise Dutzende fremde Hunde zu treffen. Mittlerweile lasse ich ihn kaum noch mit Fremdhunden in Kontakt kommen, und wenn dann nur mit Kastraten oder Hündinnen. Intakte Rüden gehen einfach nicht mehr...
Aussies sind Hunde, die dich lesen wie ein Buch und IHRE Schlüsse ziehen. Das kann anstrengend sein, weil sie dir oft schon einen Schritt voraus sind, und du weißt das erst, wenn sie schon dabei sind, irgendeine Aktion zu starten. Viele Aussies laufen nicht einfach so nebenher, sondern brauchen Führung und Aufmerksamkeit (im Sinne von: man muss sie im Auge behalten). Deshalb sind es auch schlechte Familienhunde. Aussies sind Arbeitshunde, die wurden dazu gezüchtet, auf den Hof aufzupassen und bei der Arbeit mit Rindern (!) zu helfen. Das muss man wissen, denn das führt zu bestimmten Eigenschaften, die diese Hunde einfach haben können. Und sie verzeihen Erziehungsfehler sehr schlecht.
ursprünglich musste ein Aussie die folgenden Wesensmerkmale besitzen:
- sehr führerbezogen sein (Einmannhunde ;-))
- sich durchsetzen können (siehe Rinderarbeit!)
- ausdauernd arbeiten können, bei der Arbeit 120 % geben
- wachsam sein! territoriales Bewusstsein haben. Und damit: sehr schnelle Auffassungsgabe besitzen. Einem Aussie entgeht nichts, der hat seine Augen und Ohren überall.
- loyal gegenüber der Familie (in der eigenen Familie stets freundlich, auch den Kindern gegenüber, sie neigen aber uU zum Verteidigen der Familie nach Außen)
das sind alles keine schlechten Eigenschaften, aber sie können problematisch werden, wenn man sie in unserer Gesellschaft (Hundewiesen, städtische Umgebung, Hektik der Großstadt...) einfach machen lässt. Der Aussie will angeleitet werden.
"Negative" Eigenschaften, mit denen du beim Aussie rechnen solltest (die aber nicht auftreten MÜSSEN):
- er verteidigt Ressourcen (und das kann alles sein, einschließlich seiner Bezugsperson, aber auch Futter, Spielzeug, ein anderer Hund...)
- er meldet auffallend viel, wenn er dazu neigt und es viel zu melden gibt (ein Grund, warum mein Bela nicht mehr mit ins Büro geht)
- ihm "gehört" die Hundewiese, die Straße, das Haus...
- unverträglichkeit gegenüber Artgenossen
- er dreht beim "Arbeiten" sehr auf und kommt schlecht runter, neigt zu Hibbeligkeit
- er mag keine fremden Menschen, im schlechtesten Fall geht er vorwärts.
- er "maßregelt" zB Kinder, wenn sie ihm zu hektisch sind
- er jagt
- er ist hypersensibel und/oder unsicher/leicht stressanfällig, was in Verbindung mit den restlichen Eigenschaften schwierig wird
Hört sich jetzt extrem an, aber du hattest ja gefragt
Aussie ist nicht gleich Aussie!!
Es gibt so dermaßen unterschiedliche Charaktere unter den Aussies, dass man meinen könnte, es sind verschiedenen Rassen in der Rasse. Du solltest dir da den Züchter und seine Zuchttiere wirklich genau anschauen, wenn du einen souveränen, freundlichen, sportlichen Begleiter suchst. 