ich habe manchmal den Eindruck (kann mich auch täuschen), dass gerade diese frühe explizite Förderung von rassetypischen Anlagen dazu dienen soll, den Hund möglichst früh auf Prüfungen vorstellen zu können und somit Titel zu bekommen. Ob das gut ist oder nicht, weiß ich nicht, kann man sicher auch nicht pauschal beantworten. Hängt von Hund + Halter ab.
Aber ich gehe schon davon aus, dass gerade solche stark genetisch verankerten Anlagen wie beim Retriever das Apportieren oder bei Hütehunden das Hüten/Treiben nicht einfach so verloren gehen, wenn sie eine Weile brach liegen. Bin ich relativ fest von überzeugt.
Bzgl. der Unsicherheit und Reflektion des eigenen Vorgehens bin ich ganz bei dir, da geht es mir genau so. Ich habe ja auch einen Spezialisten, wenn man so will, oder zumindest Kategorie Arbeitshund: einen Aussie aus reinen Hüteleistungslinien. Tjoa, wir haben in der Tat ins Hüten reingeschnuppert. Aber 1. war es für DIESEN Hund meiner Meinung nach doch zu früh. Und 2. muss ich sagen, dass ich mit dem Training nicht wirklich gut klar kam und es mir und meinem Hund letztendlich nicht gut tat. Also machen wir seit Spätsommer letzten Jahres einen laaaange Hütepause. Evtl. fangen wir wieder mal damit an, wann weiß ich noch nicht. Hängt auch davon ab, was für eine Trainingsmöglichkeit ich evtl. mal haben werde (und das ist in der Tat ein großes Problem, denn im Gegensatz zum Dummytraining kann man das def. nicht alleine machen...). ich bin mir aber sicher, dass vor allem meinem Hund diese Pause gerade sehr gut tut. Wir wachsen momentan sehr zusammen, wir haben gerade die BH abgelegt, mein Hündchen begleitet mich in die Arbeit (ja, das ist auch Arbeit/Beschäftigung für sie), wir machen Canicross und haben ansonsten einfach nur Spaß zusammen. Vielleicht versuchen wirs doch mal mit ein bisschen Obedience und Longieren steht auch noch auf der Todo-Liste. Ihr geht es ohne das Hütetraining gut, aber ich denke, es würde ihr auch taugen, wenn sie wieder hüten dürfte (besser wäre natürlich, sie hätte einen anderen Handler, denn ich glaube, da liegt das Hauptproblem bei uns). Aber es ist nun mal wie es ist und ich WEISS, dass es meinem Hund gut geht! Und das ist doch das wichtigste.
Lange Zeit hab ich mich gegrämt, weil ich das Gefühl hatte, versagt zu haben. Ich habe einen Hund aus Hüteleistungslinien gekauft und kann den Hund aber nicht entsprechend fördern. Die Suche nach der passenden Trainingsmöglichkeit war da noch das geringste Problem. Aber meine mangelnden Fähigkeiten, mein fehlendes Verständnis bzw. Gespür für die Arbeit mit einem Hütehund stand uns einfach brutal im Weg. Da war es besser, (erstmal) aufzuhören. Einen neuen Fokus zu finden. Und jetzt geht's und beiden besser - weil der Druck weg ist!