Hallo,
meine Rennsemmel kommt ursprünglich aus Italien, ist aber schon als Welpe mit ca. acht Wochen nach Deutschland importiert worden - mit einem Schädelbruch. Ein echter Straßenhund ist er in dem Sinne nie gewesen und die Probleme wurden ihm erst in Deutschland eingeprügelt.
Als ich die Rennsemmel kennengelernt hab, war er dreieinhalb, vier Monate später holte ich ihn aus der Not heraus von heute auf morgen und völlig ungeplant zu mir.
Was hatte ich? Eine Baustelle durch und durch. Ich hatte einen Hund, der Autos und Fahrräder jagte, sobald diese am Horizont auftauchten. Ich hatte einen Hund mit ausgeprägter Aggression gegen Männer, gegen andere Hunde und einen Hund, der zwischen Prolet und Angsthase hin- und her switchte. Ich hatte einen Hund mit einem unbändigen Bewegungsdrang, oftmals kaum ansprechbar (und erziehbar), wenn er nicht vorher ordentlich ausgepowert wurde (= stundenlanges full-speed-Rennen, Zughundesport, ...). Er hatte keine Erziehung, dafür umso mehr Verlustängste. Wenn ich das Haus verließ, heulte er sich die Seele aus dem Leib, auch wenn andere Hunde da waren. Andere Hunde waren nicht wichtig, auch wenn sie bis dahin eigentlich das einzige waren, was er hatte, nur Frauchen war alles. Er schlief nie fest, weil er im Grunde seines Herzens einfach Angst hatte. Angst, dass man ihm was tut, Angst, dass ich gehe. Ein Zuhause war einfach nichts, was er kannte.
Inzwischen haben wir das Jahr 2015, die Rennsemmel lebt inzwischen seit fast acht Jahren bei mir und es hat sich herausgestellt, dass es kaum einen besseren Hund für mich hätte geben können. Wir waren und sind wie Arsch auf Eimer, eine Einheit, die Worte nicht beschreiben können, das beste Team, das ich mir je wünschen konnte.
Kurz:
Es war teilweise wirklich hart, aber ich bereue nichts.
Wir haben in Sachen Parasitosen übrigens Glück gehabt, er hat lediglich eine Infektion mit Rickettsia conorii als Souvenir mitgenommen.
Ich würde jederzeit wieder einen Hund aus dem Ausland adoptieren, aber niemals ohne diesen vorher kennenzulernen. Mir ist fast egal, wie viele Macken der Hund mitbringt, aber charakterlich muss es einfach passen - und ein Foto sagt einfach nichts, aber auch gar nichts über das Wesen des Hundes aus.