Und irgendwo hängt es ja meistens auch mit der Popularität einer Rasse zusammen, dass sie plötzlich ungesunde Merkmale bekommt, denn ich kenne ehrlich gesagt keine unbekannte Rasse, die dermaßen deformiert wäre oder so krank, dass sie zu nichts mehr taugt (höchstens sind die kurz vorm Aussterben und werden künstlich mit zu viel Inzucht am Leben erhalten, das ist auch nicht grade sinnvoll). Sowas passiert nur den Rassen, die sehr oft nachgefragt werden und wo es dann anfängt, schief zu laufen, ob bei Züchtern oder Welpenkäufern (Züchter waren auch mal Welpenkäufer) kann ich nicht sagen, vielleicht liegt es auch am Geld.
Japan Chins, King Charles Spaniel (nicht zu verwechseln mit Cavalier King Charles Spaniel!) Pekinesen, Basset Hounds, Mastino Napoletano... gibt mit Sicherheit noch mehr.
Pekes und Bassets sind zwar allgemein irgendwie ein bisschen bekannt, im Straßenbild sieht man aber beide kaum jemals, vor allem nicht reinrassig und rassetypisch (also so, wie sie derzeit nach VDH/FCI Standart gezüchtet und auf den CACs und CACIBs in diesem Lande präsentiert werden). Die anderen Rassen kennt außerhalb der Aussteller-Welt kaum jemand.
Auch andere Rassen kennt man als Hundeliebhaber vielleicht ein bisschen - aber wann habt ihr z.B. zuletzt einen Bernhardiner beim Gassigehen getroffen oder aus dem Auto gesehen? Die sind auch echt krass - massenweise Leftzen, dadurch ne starke Leftzenfalte an der Unterlippe wo sich oft Leftzenexzem bildet, Ektropium, oft ne unmögliche Stellung der Extremitäten - total bärentatzig mit im mittleren bis höheren Alter oft plattgelatschten Zehen und hinten x-beinig und total weich von den Sehnen her, so dass die von hinten gesehen gehen, als hätten sie sich in die Hose geschissen. Und die Bernhardiner die ich kenne, sind von einem FCI-Züchter, der auch gleichzeitig Zuchtrichter für diese Rasse und andere Molosser ist, seine Hunde gewinnen auf Ausstellungen, seine Rüden, eben die, die so unfunktional laufen, decken in ganz Deutschland und er hat auch schon einige Hunde ins Ausland verkauft.
Und Mops, EB und FB waren auch schon vor der aktuellen Modewelle, die, wenn's hochkommt, vielleicht seit 10 Jahren am rollen ist, so extrem wie heute.
De facto hört man von Verbesserungsversuchen (betreffend eine funktionellere Anatomie) durch Kreuzungszucht erst, seit sich die breite Masse für diese Hunde interessiert und nicht mehr nur Rassespezialisten und langjährige Liebhaber. Weil nämlich Leute, die den Hund einfach als netten Familienhund wollen, dann doch erschrocken sind, was sie da für Probleme mit haben können.
ich denk für das Entstehen von anatomischen Übertreibungen in der heutigen Form sind schon die "richtigen" Verbandszüchter zuständig, und nicht der Vermehrer-Hobbymarkt.
In dem einen Video von Dreamy ein paar Seiten zuvor ging es genau darum. Da wurde eine künstliche Befruchtung bei einer EB vorgenommen.
Ich frag mich, wie es überhaupt möglich ist, dass es so weit kommt. In unserem Verein wird eine künstliche Besamung nur gestattet, wenn beide Partner nachweislich auf natürlichem Wege für Nachwuchs gesorgt haben. Das hat dieser Verein wohl verpennt...
Naja, sowas ist nicht so schwierig. Rüden absamen und dann die Hündin vaginal mit Frischsperma besamen machen viele Züchter selber (und das beileibe nicht nur bei den Bulldoggen oä, auch bei Rassen, wo man das nie denken würde), sowas kann man, wenn man ne Weile dabei war, uU auch von anderen Züchtern lernen.
Und wenn jemand mit Rüde und Hündin oder mit nem Pott flüsigem Stickstoff voller TK-Samenröhrchen zum TA kommt und sagt, er möchte die Hündin besamt haben, naja, dann ist es ja nicht Aufgabe des Tierarztes, zu hinterfragen, ob die das von ihrem Verein her denn auch dürfen. Oft weiß der TA ja nichtmal, ob die im VDH sind oder nicht und ganz ehrlich, das ist auch nicht dessen Bier, Hundezucht ist ja nicht verboten und er hat gegenüber Dritten auch ja nicht zu plaudern, was er bei welchem Patienten gemacht hat.
Wenn also der Rüde noch lebt und es räumlich möglich gewesen sein könnte, und wenn sich Züchter und Rüdenbesitzer einig sind und beide das Maul halten, dann ist es kein Problem, nachher zu sagen, es war ein natürlicher Deckakt - wie willste das auch nachweisen? Noch muss der Zuchtwart ja nicht beim decken daneben stehen.
Ich persönlich würde eine Besamung, wo der Züchter mir sagt, dass der Rüde es selber nicht schafft, die Hündin nicht steht oder sonstwas, nicht durchführen - entweder sie können es, oder sie können es nicht. In letzterem Fall müssen sie dich dann halt nicht fortpflanzen. Aber andere haben solche Bedenken nicht. Irgendwer wird sich also immer finden.
Was anderes ist es eben, wenn der Rüde schon tot ist oder zu weit weg steht, da finde ich ne KB durchaus ok.
Quelle für die Zahl von +80% Schnittgeburten bei EB, FB und Boston Terrier
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20136998
Ist jetzt auch nicht grade ne kleine Datenmenge...