Zitat von Sammaja
Ich finde halt ganz ehrlich, dass man ein Zuchtziel genau so auch mit einer einzigen Hündin (zu einer Zeit) verfolgen kann. Natürlich kommt man dann nicht so schnell voran als wenn man mehrere Generationen bzw. Hündinnen hat, aber muss man das denn immer, damit man "der Rasse etwas bringt"?Es geht in der Rassehundezucht mMn nicht um Geschwindigkeit. Und der Rasse etwas Gutes tun und ein entsprechendes Zuchtziel verfolgen (z.B. was das Ausdünnen von Erbkrankheit betrifft) kann ich auch, wenn ich keine 4-5 Hündinnen habe.
Naja, aber irgendwann ist das Sofa nunmal voll. Und wenn man dann mit dem züchten immer wartet, bis genug Althunde und gegebenenfalls nicht zuchttaugliche jüngere Hunde weggestorben sind, das man wieder mal einen behalten kann, den man dann im besten Fall (aber auch lange nicht sicher) zuchtfähig kriegt, dann sind eventuell irgendwann die eigenen Nachzuchten aus dem zuchtfähigen Alter wieder raus, bevor man nen Wurf machen konnte.
Mit jedem Wurf praktisch wieder ganz neu beginnen zu müssen ist ja auch nicht Sinn und Zweck von Zucht (in meinen Augen).
Zitat von Sammaja
Warum muss man denn als Züchter ein super-duper hoch gestecktes Zuchtziel haben, um "etwas Relevantes zur Zuchtgeschichte beizutragen"? Muss jeder immer direkt die Welt verändern wollen, um nicht als Züchter abgewertet zu werden?
Das ist nämlich das Gefühl, das ich bei Beiträgen dieser Art bekomme.
Züchtet denn jeder gute Züchter dann nur, weil er etwas verändern will das er nur über mehrere Generationen ansatzweise erreichen kann?
Das die Rassen ständig im Wandel sind ist mir schon klar, aber es liest sich ständig so, als sei jemand, der sich als Zuchtziel steckt die Gesundheit der Rasse zu verbessern oder zu erhalten und einen bestimmten (gesunden) Typ der Rasse aus seiner Zucht hervor zu bringen direkt weniger Wert als jemand, der einen revolutionären Zuchtgedanken hegt. Und diese Sicht auf die Dinge gefällt mir überhaupt nicht.
Ich weiß nicht ob das mit der jeweiligen Rasse zusammen hängt. Vermutlich ist es das. Denn wie viel Aufwand hinter so einem Zuchtziel steckt hängt ja nunmal auch immer - wie du schon sagst - mit der Basis zusammen die man innerhalb der Rasse bereits hat.
Naja, Gesundheit und konstanter Typ sind ja nun keine Kleinigkeiten! Um das überhaupt zu erhalten, geschweige denn zu verbessern, arbeiten viele Leute schon recht hart über ziemlich viele Hundegenerationen, ganz ohne den Wunsch ihre Rasse dabei noch revolutionär umzuformen.
Dafür allein muss man uU schon mehr machen, als nur alle Jubeljahre mal einen Wurf und dann wieder 5 Jahr nix und dann nach weiteren 6 Jahren wieder mal nen Wurf mit ner zugekaufte Hündin (weil die eigene Nachzucht, die man behalten hatte, dann doch gesundheitlich nicht ok war...) usw usf
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Ich selber würde das nicht so schwarz/weiß sehen was da ok ist und was nicht, es gibt bei dem Thema jede Menge Graustufen.
Es ist mir schon wichtig, dass der Züchter, wo ich einen Hund kaufe, mir auch menschlich einigermaßen sympathisch ist. Man muss nicht bff's sein, aber zumindest sollte man auf den Menschen nicht herabsehen müssen oder sich nur über ihn aufregen oder so.
Jemand, der ne Hündin nach erreichen der Altersgrenze nach der Maximalanzahl an Würfen an den ersten vertickt, der an der Tür klingelt, das wäre nicht meine Adresse.
Jemand, der nach ein oder zwei Würfen mit einer Hündin sagt, dass die Nachzucht genau das ist, was er für die Weiterzucht wollte, er aber mit den Nachwuchshündinnen und den schon vorhandenen Senioren einfach zu viele Hunde hat, die auch noch alle viel besondere Aufmerksamkeit haben müssen (Junghunde und Seniore halt), und sich deshalb entschließt, für die aktuelle Zuchthündin besser ein neues Zuhause zu suchen, solange sie noch im besten Alter ist und es einfach ist, jemand für sie zu finden... kann ich voll verstehen.
Würde ich wahrscheinlich selber nicht über's Herz bringen, aber ich find's bei anderen auch nicht schlimm, solange da genauso sorgfältig nach Käufern gesucht wird wie bei nem Welpen. Ich kenne einige Leute, die so an wunderbare Hunde gekommen sind und wo auch immer noch ein freundschaftlicher Kontakt zum Züchter besteht.
Wie bordy schon sagte, man kann kann ja nicht einerseits den Leuten empfehlen "Du, wenn du einen erwachsenen Hund einer bestimmten Rasse willst, frag doch mal bei Züchtern nach, ab und zu sind mal erwachsene Hunde oder Junghunde mit kleinen Fehlern abzugeben!" und so weiter, aber dann die Züchter verurteilen, die diese tollen Hunde abgeben...
Außerdem bin ich ein großer Freund von Zuchtmiete und Miteigentümerschaft (das wäre z.B. im obigen Fall eher meine Lösung, ich würde wohl versuchen, Co-Owner für die Junghündinnen zu finden statt die Mutti abzugeben).
Die Züchterin von meinem Rüden macht das viel - sie kann sich (genau wie ich wahrscheinlich) auch von keinem ihrer Hunde trennen und hat auch noch zwei Hunde mitlaufen, die nie zur Zucht gedacht waren bzw aus gesundheitlichen Gründen nicht geeignet sind, will aber trotzdem ihre Zucht mit ihren eigenen Nachzuchten fortführen.
Bei meinem Rüden hat sie den Vater zusammen mit einer anderen Person aus dem USA nach Skandinavien importiert.
Die Mutter war aus eigener Zucht und stand im Mitbesitz (nach dem einem Wurf, so war es vertraglich vereinbart, geht die Hündin vollständig in den Besitzer der Miteigentümerin über).
Aus dem Wurf, wo mein Hund raus ist, sind... puh... ich glaub 4 von 6 Welpen in Mitbesitz, aus dem davor 2 von 4. Behalten hat sie jeweils keinen - Platzmangel, zu viele Senioren im Haus...
Es wird natürlich nicht aus jedem dieser Welpen auf jedem Fall Nachzucht geben, sondern man muss nunmal erst abwarten, wie die sich entwickelt und auch, wo es dann letztlich zwischenmenschlich zu dem Zeitpunkt, wo es ernst werden würde, immer noch alles stimmt. Miteigentümerschaft ist ja leider auch sehr tricky in der Hinsicht und genau deswegen kann ich eben auch den Züchter verstehen, der seinen Nachzucht lieber im eigenen Haus behält und, wenn er schon einen weggeben will/muss, die erwachsene Hündin abgibt. Denn wenn die Miteigentümer blocken, dann geht gar nix mehr und man hat uU viel, viel Geld und jahre-/bzw generationenlange Zuchtarbeit im Nix versenkt.
Aber mit Zuchtmiete haben dann ja viele auch wieder ein grundsätzliches Problem. 