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Einen jungen Hund abzugeben, also auch einen mit 5, 6, 7 Jahren finde ich bei einem Züchter nicht so bedenklich, wie einen Hund abzugeben, der schon 12 oder 13 ist. [...]
Ich kenn zum Glück keinen, der Senioren in dem Alter ohne wirkliche Not (schwere Krankheit des Züchters oder eines Familienmitgliedes z.B.) umplaziert. Die Fälle, wo ich es im weiteren Bekanntenkreis mitbekommen hab, da ging es überall entweder um Junghunde, wo noch vor dem Zuchteinsatz irgendwas nicht gepasst hat, oder um Hunde im besten Alter, so zwischen 3 und 6 Jahren ungefähr.
Die Charaktereigenschaft fällt ja nicht einfach so auf einmal weg. Wenn, dann hatte so ein Hund/Welpe bereits einen merkbaren Mangel: ein Kenner/Züchter der Rasse behält bei bester Schönheits-Veranlagung keinen wesensschwachen Welpen und führt ihn zur Zucht ran, oder nimmt so was in die Zucht auf.
Ein Züchter sollte so viel Sachkenntnis haben, dass er seinen Welpen zielsicher aussuchen kann und im Alter von 12 Wochen Mängel erkennen sollte.
Züchter, die ihre Würfe tagtäglich verfolgen, sich mit den Welpen beschäftigen, sind durchaus urteilsfähig.
Sorry, aber das ist doch utopisch. Ganz davon abgesehen, dass schon allein die "einfache" Exterieurbeurteilung schwierig sein kann und sich nicht immer der Welpe zum schönsten Erwachsenen auswächst, der mit 8-10 Wochen am vielversprechendsten aussieht und das sich auch das Wesen noch erheblich verändern kann, haben andere ja schon einige Beispiele dafür genannt, was bis dahin sonst noch alles schiefgehen kann:
Beim Zahnwechsel kommt es zu Problemen (persistierende Milchzähne, Fehlstellungen, fehlende Zähne), Röntgen ist mit +/- nem Jahr nicht so gut wie erhofft, der Hund entwickelt irgendwelche gesundheitlichen Probleme von denen keiner weiß, ob sie erblich sein könnten oder nicht, bei der Ausbildung stellt sich raus, dass die rassetypischen Anlagen doch nicht so ausgeprägt sind, wie man gehofft hat, wenn's dann mal soweit ist mit dem Zuchteinsatz, findet man raus, dass die Hündin z.B. ne Gelbkörperschwäche hat und immer wieder auf der Hälfte der Tragzeit den ganzen Wurf resorbiert oder dass der Rüde zwar erfolgreich deckt, aber leider nicht genug lebensfähige Spermien hat...
Ich hab in den letzten sechs Jahren intensiven Kontakt mit der Züchterin meines Jungrüden und seit einem Jahr mit einer anderen Züchterin, von der ich gern einen Welpen genommen hätte, wenn einer der beiden Würfe letztes Jahr was geworden wäre.
Da hab ich recht eindringlich miterlebt, dass das alles leider nicht immer so schön linear funktioniert wie man sich das denkt, das man sich x Junghündinnen anschafft, die zuchtfertig macht, dann und dann den Wurf hat, so und so viele Welpen behält, so und so viele Jahre später mit dieser eigenen Nachzucht den nächsten Wurf usw, so dass man am Ende dann immer ne passige Anzahl Nachwuchshunde, aktive Zuchthunde und Seniore auf der Couch hat.
Es entwickeln sich zugekaufte und eigene Hunde nicht so wie man hoffte, sie werden krank, sie werden nicht "auf Kommando" tragend, es stirbt ein ganzer Wurf an Herpes, es wird einer überfahren oder stirbt nach nem freakigen Unfall im Freilauf, man selber wird krank und kann daher 2 oder 3 Jahren nicht züchten und wenn man dann wieder kann, ist die Hündin zu alt... usw usf.
Ich denke gar nicht, dass man NUR weiterkommt in der Zucht, wenn man Hunde nach ihrer Zuchtkarriere abgibt, dafür kenne ich zu viele gute Züchter, die das nicht machen. Aber dann hat man halt unter Umständen auch mehr Hunde, als hier als optimal gesehen wird - bei den Windhunden haben ja viele normale Liebhaber ohne Zuchtabsichten schon 4-6 Hunde, Züchter haben oft das doppelte oder (teils deutlich) mehr.
Oder man arbeitet viel mit Miteigentümerschaften und Zuchtmiete (wo ich an anderer Stelle im Dogforum aber auch schon gelesen hab, dass das für viele völlig unvorstellbar wäre ihre Hündin für einen Wurf zum Züchter zurück zu geben), aber das ist halt auch nicht einfach wegen dem zwischenmenschlichen Faktor und weil es zum Beispiel auch gut sein kann, dass die Leute einem das Blaue vom Himmel versprechen was sie mit dem Hund machen wollen an Ausstellung, Ausbildung und Sport und dann passiert genau gar nix damit.
Wenn man als Züchter einmal nen tollen Hund in Miteigentümerschaft abgegeben hat, der dann auf dem Sofa dick wird und nie wieder gesehen ward, dann überlegt man sich das auch zweimal...
Ich würd's nur nicht kategorisch ausschließen, bei einem Züchter zu kaufen der auch MAL nen erwachsenen Hund weggibt, solange ich nicht das Gefühl hab, er macht das regulär um sich alte Hunde einfach & schnell vom Hals zu schaffen.
Da sollte man drüber reden können, auch das macht ja nen ordentlichen Züchter aus, dass er einem auch auf bohrende Fragen ne schlüssige Antwort geben kann. Wenn ich da zu 6 Hündinnen 6 mal höre "Ach, sie wollte mit 7 Jahren auf ein Mal nicht mehr im Rudel leben, haha, so sind sie halt, komisch, oder?!" und da kein einziger Seniorhund auf der Couch dösen würde... ich würd skeptisch werden.