Seit wann Hunde Getreide fressen ist eine recht interessante Frage. Kann ja erst ab dem Beginn des Ackerbaus gewesen sein. Ich bin kein Historiker oder Archäologe, aber eine kurze Suche hat zumindest schonmal ergeben, dass das von Region zu Region sehr unterschiedlich gewesen sein muss.
Die Domestikation des frühen Weizens bzw seiner primitiveren Verwandten (Emmer, Einkorn) fand z.B. schon um mindestens 8000-9000 Jahre vor Christi Geburt im Zweistromland (heutiger Naher Osten) statt. Also vor ca. 10-000 - 11.000 Jahren. Ab da wurde Getreide zum Grundnahrungsmittel für Menschen in dieser Region und damit auch zum Grundnahrungsmittel für Hunde. Das ist evolutionär betrachtet schon eine gewisse Zeit, manche Haustiere sind lange noch nicht so lang domestiziert.
Vielleicht sind Hunde aus diesen Regionen auch besser angepasst an die Ernährung mit Getreide? Z.B. der Kangal oder die orientalischen Windhunde, die traditionell mit Brot oder Hirse und Milchprodukten und Eiern ernährt wurden und wenig bis gar kein Fleisch bekamen, weil die Besitzer auch nur sehr wenig Fleisch aßen.
Keine Behauptung, nur eine Theorie.
In Asien mag das wieder anders ausgesehen haben, wann der Reis domestiziert wurde, in Amerika (Nord und Süd) mit Mais, Amaranth und Quinoa und (auch wenn kein Getreide) Kartoffeln und Afrika mit der Hirse.
Im hohen Norden haben die Hunde dagegen teilweise bis in moderne Zeiten hinein kein Getreide gesehen, weil dort schlicht und ergreifend auch die Menschen sich hautsächlich von tierischem (Jagd und Fischfang) und gesammeltem (Beeren, Wurzeln, Grünzeug, aber die Sommer waren kurz...) ernährt haben und keinen Garten/Ackerbau betrieben.
Das allein schon, zusammen mit der Tatsache dass Hunde Menschen überall hin begleitet haben, auch und grade in die extremsten Lebensräume (der hohe Norden, Wüstengebiete, Hochgebirge, heiße Dschungel...) und sogar mit ihnen in Auslegerkanus übers die offene Hochsee gesegelt oder gepaddelt sind um Australien oder diverse einsame Inseln im Pazifik zu besiedeln, legt nahe, dass Hunde ziemlich flexibel sind mit ihren Essgewohnheiten.
Weder Wölfe in der Natur noch Hunde "in der guten alten Zeit" werden/wurden so alt wie unsere Hunde heute. Die Menschen selber erreichten damals nur einen Bruchteil der heutigen Lebenserwartung. Insofern ist es recht müßig, finde ich mit "aber früher..." oder "aber in der Natur..." zu argumentieren.
Gut ist, was heute funktioniert.
Und da ist es nunmal so, dass viele (die meisten) Hunde Getreide kriegen und dabei ein ganz gutes Alter erreichen, zumindest besser als früher.
Ja, wir haben bei Menschen und Hunden verschiedene Zivilisationskrankheiten. Der Zusammenhang mit der Ernährung, grade mit der zu üppigen Ernährung, ist auch ganz klar belegt. Menschen waren wohl nicht fürs Schlaraffenland geplant. Hunde ebensowenig.
Aber andereseits, ist es wirklich nur die Ernährung und der Lebensstil, der eine Zunahme an Krankheiten bewirkt? Ein Mensch der früher nur 40-50 Jahre alt wurde oder ein Hund der nur 4 oder 6 Jahre alt wurde, der hatte schlicht keine Zeit über Herzkrank zu werden oder Arthrose zu kriegen oder Tumoren. Der starb vor dem typsichen Alter für diese Kranheiten an anderen Ursachen.
Das Allergien zunehmen, ist unbestritten, bei Menschen wie bei Hunden.
Wenn daran Getreideverzehr schuld wäre, warum haben dann die Menschen in den Weltgegenden wo seit ewigen Zeiten viel Getreide gegessen wird (Naher Osten z.B.) und wo auch die Hunde viel Getreide bekommen, nicht mehr Allergien?
Jedenfalls ist es wissenschaftlich erwiesen, dass gut aufgeschlossene Kohlenhydrate (weich gekocht z.B.) für Hunde gut verdaulich sind, da ist nix mit "nur Füllstoff".
Wer aus DEM Grund kein Getreide füttert, weil er es für bloße Füllmasse hält, aber dann rohes Gemüse gibt und sich da irgendeine nenneswerte Verwertung erhofft... naja, das finde ich ein bisschen realitätsfern.
Andererseits, wenn ein Hund es wirklich nicht gut verträgt und man nicht nur wegen dem Anti-Getreidehype jeden Pups (im wahrsten Sinne des Wortes) dem Getreide zuschreibt, dann kann man auch gut drauf verzichten. Weizen- und Maisklebereinweiß gehören schon zu den häufigeren Allergenen beim Hund (neben diversen Fleischsorten, Milchprodukten und Eiern).
Und ich denke auch, dass es durchaus möglich ist Hunde gesund getreidefrei zu ernähren, wenn es einer ist der nicht Unmengen an Energie braucht und/oder eine gute Fettverträglichkeit hat.
Viele Besitzer berichten ja, dass ihr Hund mit Barf endlich Idealgewicht hätte und halten würde und dann kommt der Schluss: Getreide ist verantwortlich für Übergewicht!
Ja und Nein. Grundsätzlich ist für Übergewicht eine zu hohe Energiezufuhr bei zu niedrigem Verbrauch zuständig. Viele Hunde tun aber tatsächlich heute so wenig, dass man da mit Getreidezusatz schnell zu viel Energie drin hat und Trockenfutter mit den geringen Volumen füttert man auch schnell zu viel.
Andere sagen grade das Gegenteil, der Hund fällt ihnen mit getreidefreier Ernährung vom Fleisch. Wenn er es dann einfach nicht verträgt große Mengen Fett dazu zu bekommen, dann seh ich kein Problem damit ihm Kohlenhydrate als Getreide oder Kartoffel zu geben.
Naja, ich persönlich füttere Getreide und das auch gar nicht mal so wenig. Fleisch ungefähr bedarfsgerecht (nicht super knapp, aber ich sehe keinen Nutzen drin wesentlich über dem Bedarf zu füttern, mehr bringt nicht mehr und kostet nur mehr) und dann der restliche Energiebedarf ca. Hälfte/Hälfte durch Fett und Kohlenhydrate gedeckt.
Wobei ich inzwischen etwas weniger KH füttere, da sie viel Fett ohne Probleme vertragen und da sie die Energiemengen wie z.B. nach der Rationsberechnung aus dem Meyer/Zentek einfach nicht brauchen.
Ich werd ja sehen wie alt sie damit werden. 