Ich hab während meines Studiums in einer Großstadt gewohnt, momentan wohne ich recht ländlich (und hoffe ich muss nie wieder in der Stadt wohnen, es ist einfach gar nix für mich).
Ich kann nur bestätigen, dass Hunde in der Stadt in der Regel gelassener und besser mit Artgenossen und meistens auch mit allen möglichen Umweltreizen sozialisiert sind.
Ist ja auch logisch - wenn man sich den Park mit zig dutzend anderer Hundehaltern teilt, auf allen Freilaufflächen eigentlich fast immer andere Hunde unterwegs sind, man ständig Radfahrern, Joggern, Passanten aller Art usw usf begegnet, dann heißt es für den Hund mehr oder weniger: Sink or swim!
Hunde die sich wirklich problematisch verhalten oder Halter die zulassen, dass ihre Hunde sich daneben benehmen, die haben in so eine Situation ganz schnell ein Problem, mit dem Vermieter, mit den Behörden oder "nur" privat mit anderen Hundehaltern oder irgendwelchen Passanten.
Das ist einfach nicht tragbar, also tut man was dran oder gibt den Hund ab oder zieht nach außerhalb.
Und es gibt natürlich viel mehr Gelegenheit alles zu üben.
Hätte ich hier auf den Land einen Leinenpöbler... dann würde es sich a) gar nicht wirklich lohnen daran zu arbeiten weil ich eh nur alle Jubeljahre mal nen anderen Hund treffe und man dann genausogut einfach einen Bogen machen kann, Platz ist ja genug... und b) müsste ich dafür in die Hundeschule oder so, eben aus dem Grund dass man sowas ja gar nicht effektiv trainieren kann wenn einem nur 2 oder 3 Mal in der Woche jemand mit Hund begegnet.
Mit vielen anderen Sachen ist es ähnlich, man hat einfach mehr Gelegenheit und ist gleichzeitig gezwungen den Hund an alles mögliche zu gewöhnen.
Wollte ich meine Hunde in der Stadt mal zum Eis essen mitnehmen, dann mussten sie durch eine belebte Fußgängerzone am Hauptbahnhof, mit Lautsprecherdurchsagen, betrunkenen Pennern, anderen Hunden, schreienden Kindern, Radfahrern, Leuten mit Rollkoffer, vorbei an duftenden Auslagen von Imbissbuden und einer Baustelle mit Presslufthammer und blinkenden Warnlichtern.
Am Eiscafe angekommen muss man sich entweder an einen der kleinen Tische quetschen und die Hunde irgendwie drunterfalten und aufpassen dass keine Beine und Ruten im Weg liegen, oder sich in die Schlange einordnen und warten während sich immer wieder Leute an einem vorbeischieben.
(Natürlich ein Extrembeispiel, es gibt auch ruhigere Zeiten/Lokalitäten... aber hab ich durchaus erlebt sowas).
Wo ich jetzt wohne fahre ich für eine Eis einfach mit dem Rad aus der Siedlung raus, 2 km über Felder und Wiesen in den Nachbarort und setze mich auf die meistens leere Außenterrasse der Eisdiele, wo ich locker eine große Decke für die Hunde hinlegen kann ohne das sie jemandem im Weg sind.
Hab mich auch immer gewundert wenn jemand schrieb: "Ich leine meinen Hund bei jedem Jogger/Radfahrer/Reiter/fremdem Hund an der an uns vorbeikommt!"
In der Stadt wäre ich dann mit den Hunden nicht weit gekommen, da hätte ich sie alle 3 Minuten an- und wieder ableinen können.
Die mussten sich schon so weit zu benehmen wissen, dass ich sie dann einfach an die Seite schicken oder sie mit "Warte!" anhalten konnte und dass sie nicht auf jeden fremden Hund wie die Irren zustürmten.
Seit ich ländlich wohne mache ich das ähnlich, also mit dem grundsätzlichem anleinen und so.
Ist ja auch kein Problem, wenn man kaum jemandem begegnet ist das das einfachste.
Was auch ganz interessant ist: Zumindest ihre Toleranz für Artgenossen ist bei meinen in dem halben Jahr seit wir uns nicht mehr auf belebten Gassiflächen rumtrieben wirklich deutlich gesunken.
Sie sind es einfach nicht mehr gewöhnt, auf jedem Gang fremde Hunde zu treffen, geschweige denn welche denen sie leinenlos begegnen und die recht gelassen sind.
Die meisten Begegnungen mit anderen Hunden sind momentan:
- Kläffend am Gartenzaun
- Irgendwo am Horizont, mehrere 100 m entfernt
- Nahe dran, aber angeleint und oft kurz gehalten oder absitzend oder eilig an der anderen Straßenseite... oder gleich pöbelnd in der Leine hängend.
Naja. Ein Urteil was jetzt besser oder schlechter ist würd ich mir nicht erlauben. Manche Hunde sind vielleicht für`s Stadtleben weniger und würden sich an einem ruhigeren Ort besser mache. Anderen macht es wiederrum gar nix aus.