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allerdings hat mein Hund dafür einen sehr niedrigen Inzuchtkoeffizienten
Beim COI muss man immer gucken auf wie viel Generationen er angegeben wird.
Generell nützt mir ein niedriger COI wenig, wenn die ganze Rasse von 20 Gründertieren abstammt, weil dann eh alle Hunde eng ingezüchtet sind, auch wenn 3 oder 6 oder 10 Generatioen zurück im Pedigree lauter unterschiedliche Namen auftauchen.
Ist nicht als böse Kritik gemeint, ich finde es gut, dass Züchter zunehmen solche Methoden zur Einschätzung von Verpaarungen benutzen und sich Käufer dafür interessieren... es ist halt nur ... der Nutze ist da, aber die Methode hat ihre Grenzen.
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[...]sorgt die engere Verwandschaft hauptsächlich erstmal für die Festigung gewisser Merkmale und Eigenschaften, sie sind aber dennoch so weit auseinander, dass keine durch Inzucht bedingten Mutationen entstehen.
Mutationen entstehen nicht durch Inzucht.
Die Mutationsrate ist gleich, egal ob bei Inzucht oder Outcross.
Mutationen können sich aber in kleinen, eng gezüchteten Populationen schneller verbreiten und es kommt schneller zur "Anhäufung" von immer den gleichen paar Allelen - da können dann halt auch leicht schädliche bei sein die, als sie noch relativ selten waren, sich still und leise weit verbreitet haben da in einfacher Form harmlos, um dann problematisch zu werden wenn Träger aufeinander treffen.
Außerdem fixiert man zusammen mit den paar Merkmale die man gerne will (Aussehen, Charakter, Arbeitsleistung... gesehen aufs Gesamtgenom eine winzig kleiner Anteil), auch zig Gene, die man nicht bei der Arbeit sieht, die aber viel wichtiger sind:
Gene die fürs Immunsystem, für die Embryonalentwicklung, für die Produktion von Veraduungsenzymen und und und wichtig sind.
Durch Inzucht geht immer genetische Variation verloren, die Nachzucht wird immer homogener und das ist nur im Hinblick auf einige wenige Merkmale ne gute Sache und in allen anderen Fällen bestenfalls neutral und schlechtestenfalls sehr schädlich.
Inzucht hat ihren Platz in der Tierzucht, aber das ist ein sehr scharfes, zweischneidiges Messer das auch heute noch von vielen verharmlos wird, weil man halt kurzfristig vor allem die positiven Effekte (schöne homogene Nachkommen mit genau den Eigenschaften die man wollte) sieht und ein Verlust an genetischer Vielfalt und damit einhergehende Probleme erst lange danach auftreten.
Bei Nutztieren ist das auch weniger ein Problem, die verwertet man ja in der Regel frühzeitig und wenn Probleme auftreten kommt halt die ganze Zuchtlinie in die Wurst und man fängt von vorn an. Ist bei Hunden ja eher nicht der übliche Ansatz. Deswegen kann man in der Landwirtschaft da auch ein bisschen skrupelloser zu Werke gehen, das betrifft alle Zuchtpraxen.
Geht nicht speziell an dich, Nightstalcer, war nur grad das richtige Stichwort. 
Ansonsten, my two cent zum Thema "Sind Rassehunde gesund?"
Nein, nicht alle.
Also, nicht alle Individuen, das ist sowieso schonmal klar. Der einzelne Mensch oder das einzelne Tier kann immer mal Pech haben, ganz egal wie gesund der Rest der Familie war.
Aber auch nicht alle Rassen. Ich nenn hier jetzt keine bestimmten, es ist hier im Forum ja schon reichlich diskutiert worden dazu und Sendungen wie Pedigree Dogs Exposed oder der Blog dazu bieten auch jede Menge Ansatzpunkte für weitere Recherchen.
Die meisten Rassen, auch die, dich ich generell als relativ gesund bezeichnen würde, haben die ein oder andere, mehr oder weniger häufige Erbkrankheit.
Das es solche Prädispositionen gibt ist ja bekannt und wird auch keiner abstreiten. Bei Greyhounds z.B, da hier grade Krebs ein Thema war, hat man extrem oft Osteosarkome - nach US-Erhebungen die Rasse mit der höchsten Rate für diesen speziellen Tumor.
Scottish Terrier haben das höchste Risiko aller Rassen für Blasentumore (ca. 20x höheres Risiko als andere Hunde).
Und noch zig andere mögliche Dispositionen für ganz bestimmte Krebsarten bei verschiedenen Rassen sind bekannt.
Grundsätzlich heißt das erstmal alles noch nix. Man muss es sich bei jeder Rasse im Einzelfall angucken.
Wichtige Frage: Wie weit verbreitet ist der Defekt?
Bei Whippets gibt es z.b. das sog. Bully-Gen, einen Defekt des Myostatingens, das die Muskelentwicklung regelt. Betroffene Hunde entwicken groteske Muskelberge, sehen aus wie Hulk auf Steroiden und haben schnell diveres Organ- und Gelenkprobleme und eine geringe Lebenserwartung.
Schreckliche Sache. Ist aber sehr selten - wir reden von ein paar bekannten Fällen weltweit, was das ganze ein bisschen in Relation setzt.
Nächste Frage: Kann man da drauf vernünftig screenen?
Beim genannten Myostatingendefekt gibts seit 2 Jahren einen Test mit dem man Träger (die nie selber nie Probleme haben) sicher erkennen kann.
"Myostatingen-Defekt" samt den Folgen klingt also erstmal hässlich wenn man es auf der Liste der Rassedispositionen liest, ist aber eigentlich kein Problem wenn man sich minimal informiert und dementsprechend kauft.
Anders sieht das mit manchen anderen Problemen aus.
Wenn man z.B. mal Herzerkrakungen beim Cavalier King Charles Spaniel nimmt... die Zahlen sind beeindruckend, informieren kann man sich z.B. hier:
http://www.cavalierhealth.org/
Mitralklappenerkankungen sind bei dieser Rasse die führende Todeursache. Im Alter von 5 Jahren sind um die 50% aller Tiere betroffen, im Alter von 10 Jahren nahezu 100% aller dann noch lebenden Hunde.
Also... bei dem Durchseuchungsgrad schlechte Chancen einen Cavalier zu kriegen der bis ins hohe Alter ein tadelloses Herz hat, dafür sehr gute Chancen einen zu bekommen der genau daran sterben wird und zwar unter Umständen zu einem für so einen kleine Rasse recht frühen Zeitpunkt.
Kann man darauf vernünftig testen?
Nächste schlechte Nachricht - nein, so richtig effektiv ist das bisher nicht.
Es ist nicht so schön einfach mit "Frei, Träger, Erkrankt", sondern wahrscheinlich polygen (durch mehrere Gene verursacht).
Einen Gentest gibt es nicht und ob es in naher Zukunft dazu kommt steht in den Sternen, ist aber erstmal eher unwahrscheinlich.
Man kann die Hunde schallen - allerdings ist die Auswertung immer abhängig vom ausführenden TA und leider können Zuchttiere halt auch Symptome erst dann entwickeln nachdem sie bereits in der Zucht waren. Grade bei Herzkrankheiten eher die Regel als die Ausnahme.
Nach dem Schema würde ich bei jeder Rasse über die ich mich informiere vorgehen - wie oft tritt das eigentlich auf und wie sicher kann man das Auftreten ausschließen?
Weiterhin ist zu bedenken, dass manche Krankheiten zwar erbliche Faktoren haben, aber wohl auch durch die Umwelt beeinflusst werden - klassisches Beipiel HD, aber auch andere Gelenkserkrankungen wie OCD oder ED. Da spielt auch die Ernährung und die Belastung im Jungendalter ne Rolle.
Joa.
Weiterer Punkt:
Woran viele Rassehunde leiden und was man als Käufer wirklich leicht vermeiden kann sind anatomische Übertreibungen. Da gibt es wirklich zig Varianten, z.B.:
- Extremer Zwerg- und Riesenwuchs
- Bracycephalensyndrom (Kurzköpfigkeit mit insgesamt verengten Atemwegen)
- Extreme Faltenbildung, oft zusammen mit Ektropium ("Hängelider")
- Gar nicht vorhandene oder verkrüppelte Ruten
- ...
Nix dagegen wenn jemand gern großen Hunde haben mag, aber man sollte vielleicht mal überlegen ob es umbedingt am oberen Ende der Skala sein muss oder ob es auch ein paar cm/kg weniger tun.
Nix dagegen wenn jemand kurze, runde Köpfe mag, aber ein Hund sollte auch bei Sommerhitze noch spazierengehen können ohne blau anzulaufen und Erstickungsanfälle zu kriegen.
Nix dagegen wenn jemand gern einen kleinen Hund will, aber man sollte dem Zwerg doch so viel Substanz gönnen, dass er sich nicht beim Sprung vom Sofa oder beim ganz normalen Rennen auf einer Wiese die zarten Knochen bricht.
Da helfen echt schon 3g gesunder Menschenverstand. Es gibt fast immer weniger extreme Linien innerhalb einer Rasse und wenn die so gar nicht aufzufinden sind... tja, dann sollte man manchmal halt ganz Abstand davon nehmen.
In dem Fall (extreme Anatomie) und bezogen auf diese bestimmten Merkmale sind dann oft auch Mischlinge aus den betroffenen Rassen wirklich den reinrassigen Hunden überlegen.
Ob die Kombi Beagel x Mops = "Puggle" vom Charakter her so einen glückliche ist sei mal dahingestellt. Es gibt Erbkrankheiten (z.B. HD oder Epilepsie) die diese Mischung von beiden Elterntieren mitkriegen kann - wurde ja auch schon geschrieben, dass sich Probleme bei Mischlingen nicht magisch in Luft auflösen wenn beide Elternrassen/Elterntiere ein bestimmtes Problem in sich tragen.
ABER die Atemwege sind definitv wesentlich normaler/besser, auch wenn selbst manche Puggles noch Bracycephalensyndrom haben können.
Also... man ist mit nem Mix nicht zwingend besser dran, aber mit nem Rassehund je nach Rasse auch nicht. Da muss man schon differenziren, die kann man nicht alle in einen Pott stecken a la "die Rassehunde" oder "die Mischlinge".
Bei manchen Rassen ist es verhältnismäßig häufig, dass man nen Hund kriegt der den TA nur zum impfen sieht, bei anderen ist das eher die Ausnahme und man sollte bei Anschaffung schonmal ein paar 1000 für diverse sehr wahrscheinliche OPs und Behandlungen beiseitelegen.