Als ich meinen Lawrence 2006 bekam, war er laut EU-Ausweis geschätzte 5 Jahre alt, ca. Mai 2001 geboren - er war auf der Straße aufgegriffen worden, so genau weiß es daher keiner.
Er ist ein größerer Hund, überwiegend Greyhound mit anderem wahrscheinlich Windhundanteil, ca. 30 kg und etwas über 70 cm an der Schulter.
Anfangs hat niemand dieses Alter geglaubt, alle haben den Hund auf maximal 2 Jahre geschätzt. Und die nächsten Jahre schien er einfach nicht zu altern. Wenn überhaupt wurde er eher jünger - die Kondition und körperliche Fitness blieb konstant, aber die Verspielheit und fröhliche Albernheit nahm mit jedem Jahr zu. Und er lief IMMER voraus, nie ging er freiwillig hinten, weder an der Leine noch im Freilauf. Blieb er mal zurück um zu schnuppern, wurde im Galopp aufgeholt, überholt und er übernahm wieder seinen Platz in der Vorhut.
Das Altern hat bei ihm sehr schleichend begonnen und vor allem körperlich. Erst war es wirklich nur, dass er nicht mehr unmotiviert große Runden im Kreis über den Acker gerannt ist und nicht mehr mit anderen Hunden Hasch-mich spielen wollte. Dabei blieb es ne Weile, zwar immernoch ein fitter Hund der ohne Probleme den ganzen Tag wandern gehen konnte, aber er ging nicht mehr so verschwenderisch mit seiner Kraft um wie vorher.
Im Sommer 2010, als ich ihn 4 Jahre hatte und er (wenn das geschätzte Alter stimmt) um die 9 Jahre alt war, fiel mir das erste Mal auf, dass er anders stand. Also den Hund genauer angeschaut und tatsächlich, er hatte doch etwas Muskeln abgebaut: In der Lendengegend, an der Hinterhand, die langen Rückenmuskeln und an der Schulter. Nicht sooooo viel, aber genug, dass seine Rückenlinie etwas anders war und er hinten etwas eingeknickt stand.
Das ist im Lauf der letzten Jahre langsam, aber stetig doller geworden - Lumbosakrale Stenose. Sein Bauchlinie wurde auch etwas schlaffer (immer noch windhundtypisch aufgezogen, aber keine Wespentallie mehr).
Im Winter 2011/12 fiel mir erstmal auf, dass er jetzt auch im Gesicht anders aussieht.Das Gesicht ist hagerer geworden, Wangen- und Kaumuskeln sind nicht mehr so rund und kräftig. Die knöcherne Struktur tritt stärker vor, die Augen liegen tiefer.
Insgesamt ist das Bindegewebe schwächer geworden, die Haut sitzt etwas lose (loser als vorher...) und er hat einen "Gänsehals" bekommen, diese Altmännerfalte an der Kehle.
Um Weihnachten 2012 meinte dann das erste Mal jemand, Lawrence habe einen leichten Grauschleier im Auge - man sieht es bisher nur im richtigen Licht und nur schwach, aber es stimmt.
In der ganzen Zeit wurde er langsam immer weniger bewegunsfreudig und verspielt. Als ich im Februar 2010 meine Hündin bekam, hat er die ersten Monate machmal noch eine flotte Flitzerunde mit ihr gedreht, das wurde dann langsam aber sicher weniger und heute rennt er gar nicht mehr aus Spaß an der Freunde, sondern nur noch mal, wenn ich ein Leckerlie habe.
Die Hinterhand wird langsam schwächer, zum aufstehen muss er sich schon bewusst hochhiefen. Auf Parkett oder anderem glatten Boden wird der Gang wackeliger, er ist auch schonmal ausgegrätscht. Wenn er sich kräftig schüttelt kanns schonmal passieren, dass er ins stolpern kommt.
Ins Auto springt er noch selber rein (raus hebe ich ihn), aber das wird schwieriger. Er steht zunehmend mit einem gewissen Knick in der Hüfte.
Im Schritt geht er oft passig, der Trab ist (wenn er einmal in Gang ist) noch erstaunlich schwungvoll und taktklar
Der Galopp ist sehr steifbeinig geworden, so ein Schaukelpferdgalopp ohne Schwebephase.
Einen richtig voll durchgezogenen Galopp mit doppelter Suspension hab ich das letzte Mal im Sommer 2012 gesehen, als er tatsächlich nochmal 200 m hinter einem Hasen her ist. Da war er auf einmal wieder für ne Minute jung...
Er will noch gern spazieren gehen, schafft auch täglich seine 1-2 Stunden wenn man ab und an auf ihn wartet, aber eigentlich wären auch 20-30 min pro Gang genug. Wenn wir von Zuhause aus losgehen, dann willer oft nach dieser Zeit wieder umkehren und driftet an jeder Weggabelung demonstrativ in Richtung "zuhause" ab.
Und er läuft jetzt immer hinterher, kaum mal voraus. Früher war er nie irgendwo anders als immer nur vorne.
Morgens will er oft nicht aufstehen und wenn ich erst den Hunden die Halsbänder anlege und dann die Schuhe anziehe, dann hat er sich schon wieder schlafen gelegt.
Abends das gleiche, wenn ich die Hunde nochmal raus lassen will, dann muss ich ihn immer 3 x auffordern aufzustehen - er würde lieber einhalten und im warmen, gemütlichen Körbchen liegenbleiben als nochmal ins Kalte zu müssen.
Das er im Kopf auch langsam alt wird, das zeigt sich vor allem in einer enormen Sturheit. Er hört noch ganz ausgezeichnet (Kühlschranktür, Messer auf Schneidebrett, Rascheln von Plastiktüten, leisen Pfiff etc), aber er "hört" nur noch wenn er Lust hat.
Hat er keine Lust, dann macht er einfach mit eiskalter Ignoranz was anderes. Will er nicht in die Matsche am Wegrand (weil Gegenverkehr kommt und ich Platz machen will) dann bleibt er dick und breit mitten auf dem Weg stehen. Hat er Durst, dann geht er ins Wasser, egal was ich sage - da muss ich schon danaben stehen und ihn festhalten, sonst macht er es einfach. Will er nicht in die nasse Wiese, dann geht er halt außenrum auf dem Weg, auch wenn ich mit den anderen beiden Hunden 200 m von ihm weg bin. Will er Pferdeäpfel fressen, dann dreht er um sobald ich ihn loslasse und läuft langsam und gemütlich zu der Stelle zurück wo die waren.
Auf fremde Hunde ist er nicht mehr so wild, eigentlich können die ihm jetzt gestohlen bleiben. Grade wenn es sichtlich stärkere junge Rüden sind fühlt er sich glaube ich schnell unsicher und untergebuttert - ich hab das Gefühl, er weiß, dass er der Schwächere ist und hasst das.
Früher war er immer macho, aber gallant dabei (immer viel stolziert, aber nie gerauft). Heute ist er mit anderen Hunden eher der Typ "grummeliger alter Mann" geworden. Ein bedingungsloser Menschenfreund ist er aber immernoch.
Dement oder so ist er noch gar nicht. Kann noch alle seine Tricks, hört (wenn die Motivation stimmt) immernoch gut, findet sich überall zurecht... bei ihm ist eindeutig der Kopf fitter als der Körper.
Joa, so ist das... er wird jetzt bald geschätze 12 Jahre alt.
Ich kann ihm für nix böse sein, er ist zwar ein bisschen schrullig, dabei aber so charmant.
Es ist als wollte er sagen: Das hab ich in meinem Alter alles nicht mehr nötig, ich mache nur noch was mir Spaß macht.