Ich finde die vielfältigen moralischen Überlegungen hier sehr interessant.
Nichts desto trotz finde ich das im Hinblick auf Hunde gleichzeitig auch etwas zu tiefgründig gedacht. Wir entscheiden eh alles im Leben für unsere Hunde. Wir entscheiden, dass sie geboren bzw aufgezogen werden, wie sie mit uns leben, was sie zu fressen kriegen, wie sie erzogen werden, wie lange sie allein bleiben müssen, wie viel Kontakt mit Artgenossen sie haben, wann sie zum pinklen rausgehen dürfen... alles.
Insofern ist es einfach eine weitere Entscheidung die man für seinen Hund macht und ich finde ehrlich gesagt, das das ganze was vorher kommt, während der ganzen Zeit wo der Hund fit und mitten im Leben ist, viel relevanter für ihn ist.
Der Hund weiß ja nicht, dass er sterben wird, der hat nix von Quantität ohne Qualität und "eventuell wirds nochmal für ein paar Monate etwas besser".
Da finde ich die zahllosen Entscheidungen die man vorher für den Hund fällt als wäre man Gott viel, viel wichtiger und denke, dass man ausgerechnet dieser einen Frage zu viel Wichtigkeit beimisst.
Wenn meine Hunde mal dauerhaft Futter oder gar Wasser verweigern und auch durch entsprechende Medikamente nicht mehr zur selbstständigen Nahrungsaufnahme zu bewegen sind oder wenn sie nicht mehr aufstehen können oder wollen, dann ist für mich Schluss.
Solange wie ein Hund noch gern rausgehen mag (und sei es auch nur von Wohnzimmer aus auf die Terrasse um da in der Sonne zu liegen... es müssen ja keine richtigen Spaziergänge mehr sein) und solange er sich noch auf sein Futter freut und von selber genug frisst um nicht völlig vom Fleisch zu fallen, sehe ich auf jeden Fall noch Lebensqualität.
Auch wenn er dabei Schmerzen hat, sehe ich da keinen Grund zum einschläfern. Man sollte dann versuchen die Schmerzen soweit es geht zu nehmen, aber da trifft der Spruch mit dem "Recht auf Schmerzen" für mich schon ins Schwarze:
Wenn ein Hund Schmerzen hat, aber trotzdem noch am Leben teilnehmen will, gut frisst und sich bewegen mag, dann sollte man ihn auch noch lassen.
Inkontinenz finde ich an sich auch kein Grund zum einschläfern, aber es kommt natürlich auch immer drauf an, wie sich sowas managen lässt.
Mancher Besitzer ist selber körperlich nicht mehr fit oder insgesamt nicht kompetent genug für die Pflege, oder einfach nicht bereit sowas zu leisten, haben vielleicht auch keine Zeit dafür wegen Beruf (irgendwer muss den TA ja bezahlen) oder Familie.
Grade bei einem größeren und/oder langhaarigem Hund der sich nicht mehr so gut bewegen kann und vielleicht auch mal im Schlaf unter sich macht so sauber zu machen wie man müsste ist dann gar nicht so einfach.
Und wenn der Hund dann verfilzt, verdreckt oder gar wunde Stellen kriegt macht das auch keinen Sinn, selbst wenn der gleiche Hund vielleich bei anderen Besitzern noch ne Weile gut damit leben könnte.
Generell, ich finde es auch völlig ok, wenn man nicht nur den Leidensdruck des Hundes, sondern auch der Besitzer mit einbezieht.
Das soll nun nicht heißen, dass ich es ok finde nen Hund einschläfern zu lassen weil er ab und zu nachts mal nicht mehr durchhält und ne Pfütze auf den Teppich setzt. Das wäre dann kein Leiden für den Besitzer, sonder pure Bequemlichkeit.
Aber grade bei schweren Krankheiten die auf jeden Fall tödlich enden werden (z.B. viele Tumorerkrankungen oder chronische Nierenisuffiziez bei der Katze) ist die Frage ja nicht ob er stirbt, sondern wie bald und wie.
Nicht jeder Mensch kann dann mit dem Druck klarkommen sein Tier Tag für Tag zu sehen und nicht zu wissen wann es soweit ist und ob man das Richtige macht oder ob das Tier vielleicht doch leidet und ich finde auch das darf ein Faktor sein bei so einer Entscheidung.