Beiträge von Marula

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    Ich sehe das Problem aber auch darin, dass wir Hunde kaum noch für die ursprünglichen Arbeitsfelder brauchen und demnach für viele Rassen gar kein "Bedarf" mehr da ist.


    Ja, das ist echt ein Problem.
    Viele Hunderassen kann man hier und heute gar nicht mehr als Arbeitshunde züchten, weil es ihr Arbeitsgebiet in der modernen, zivilisierten Welt hierzulande kaum bis gar nicht mehr gibt.
    Da kann man bestenfalls nen Sporthund draus machen.

    Und bei Sporthunden sollte man dann nicht vergessen, dass das vielleicht Leistungshunde sind, in dem Sinne, dass sie auf eine andere Leistung als "schön aussehen" selektiert werden. Aber es sind eben keine Arbeitshunde.

    Ob ich mit einem Windhund auf Rennen oder -Lure-Coursings gehe, ist ein großer Unterschied zu echter Jagd. Und da ist es nochmal ein Unterschied, ob ich "Course", also Gentleman-Sport betreibe bei dem der Hase einen großen Vorsprung bekommt und ein Richter den Laufstil eines Hundes nach sportlichen und ästhetischen Kriterien bewertet, oder ob der Sinn und Zweck von dem ganzen ist, die Beute auch tatsächlich zu erwischen. Ein guter Jagdwindhund soll Beute machen, ein guter Coursinghund soll einen spannenden Lauf abliefern, der Kill ist zweitrangig.

    Genauso wird es sicher ein Unterschied sein, ob ich einen Hund will, mit dem ich Field Trials oder Hütetrials gewinnen kann, oder ob ich einen Jagdhund oder Hof- und Hütehund für den täglichen, langjährigen Gebrauch möchte.

    Sportliche Leistung ist natürlich auch Leistung, oft sogar Höchstleistung, aber halt sehr präzise auf bestimmte Bedingungen und Regel zugeschnitten.
    Ein Renngrayhound der auf der gepflegten Bahn unter Optimalbedingunge 360 oder 480 m in Mörder-Geschwindigkeit abliefert und dabei an die Grenzen der Hundephysiologie stößt, der bringt mit Sicherheit Leistung! Aber er wäre halt kein guter Jagdhund mehr - zu empfindliche Pfoten & zu zartes Fundament, zu rücksichtsloser Laufstil zugunsten der Geschwindigkeit, in der Folge viele Verletzungen vor allem am Bewegungsapperat.

    Außerdem, wenn man Hunde für den Sport züchtet, ist man scheinbar oft gewillt, gewisse Mägel hinzunehmen, die für jemanden der einen Arbeitshund will nicht hinnehmbar wären. Z.B. haben Leute, die Hunde zum arbeiten brauchen, in der Regel besseres zu tun als den Hund zu bespaßen und zu beaufsichtigen wenn er grade nicht gebraucht wird.
    Wird er nicht benutzt, soll der Hund oft einfach störungsfrei mitlaufen, dabei weder die Kinder fressen noch die anderen Haustiere töten. Ok, manchmal wird der Hund dafür auch einfach im Zwinger oder an der Kette geparkt und dann kann er sehen was er macht. Gibts auch.
    Aber oft ist es auch so, dass man schon gezielt Hunde bevorzugt, die halt die Kinder von sich aus heile lassen, ohne dass man da was für tun muss und ohne dass sie bespaßt werden müssen, einfach weil man ganz andere Dinge im Kopf hat als den Köter.

    Bei der Zucht für den Sport, die ja ein Hobby ist, ist man eventuelle eher bereit einen wesensbedingten Mehraufwand an Training und Management zu tolerieren - wenn er denn so toll läuft im Sport. Ist ja schließlich auch ein Familienmitglied, ist ein triebstarker Hund, das ist bei denen nunmal so und... man hat ja die Zeit, man hat den Hund schließlich nur zum Spaß!


    Mir ist Zucht auf Leistungsmerkmale trotzdem noch sympathischer als reine Zucht auf Exterieur. Wenigstens kommen dabei vom Körperbau her selten kaputte Freaks raus und meeeeeistens sind ja auch zumindest gewissen Wesenskomponenten so wichtig, dass sie überprüft werden. Da weiß man dann schon ganz gut, was man hat.

    Aber man muss es halt auch nicht in den Himmel heben, auch in Leistungszuchten geistern Erbkrankheiten rum und es wird Inzucht betrieben und es werden alle Hühneraugen zugedrückt weil der Hund Sportart XY so toll macht, obwohl er im Alltag ein Arsch ist und selbst geübten Haltern seiner Rasse noch einges abverlangt.


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    Showlinie ist glaube ich auch weniger aus dem Willen der "gemäßigten Zucht" entstanden, als aus dem menschlichen Antrieb den "perfekten" Hund zu züchten. Und da spielte Optik die erste Geige. Wesen, Charakter und Gesundheit haben da einfach keinen großen Raum gehabt, weshalb sich dort ein großer Spielraum innerhalb der Genetik ergeben hat, in dem sich diese Individuen nun bewegen.


    Jep.
    Showlinien sind NICHT entstanden, weil irgendjemand gesagt hat: "Lasst uns familientaugliche Hunde ohne die lästigen Arbeitseigenschaften züchten, die dann halt ein bisschen anders aussehen!"
    Die sind entstanden, weil man irgendwann wohl der der Idee aufgesessen ist, dass die Funktion der Form folgt und nicht andersrum, und das ganze dann aus Wettbewerbsgründen immer mehr ins Extrem getrieben wurde.
    Dabei kamen dann ganz tolle Familienhunde ebenso raus wie solche Wracks die gern arbeiten würden, aber nicht können, weil ihnen wichtige Anlagen fehlen.
    Je nach Züchter und Rasse sicher auch verschieden, manche sind heute für den Zweck "Familienhund" schon ganz gut durchgezüchtet, andere nicht.

    Ich hätte später gern mal einen Ibicenco.

    Meiner Meinung nach wird die Schwierigkeit der Rasse auch viel aufgehyped, eben weil viele Leute einen Podi(-mix) aus dem Tierschutz nehmen, ob nun wissentlich oder unwissentlich, die eigentlich alles wollen, nur keinen primitiven Jagdhund.
    Warum man sowas macht, ich weiß es auch nicht. Ok, bei denen die einen Mix nehmen der so gar nicht nach Podenco aussieht, kann ich das noch verstehen.

    Aber warum zum Beispiel Tierschutzorgas oft keine Ahnung über die Rassen haben, die in ihrem "Einzugsgebiet" vorkommen, das betrifft z.B. im Auslandstierschutz auch viele Herdenschützer, Hütehunde und andere Jagdhundrassen, das weiß ich echt nicht.
    Da wird dann alles was farblich halbwegs passt als Labrador- oder Golden Retriever-Mix verkauft, egal ob es ein Podencomix, ein Segugiomix, ein Galgo-Mix oder ein Kuvaszmix ist...

    Des weiteren werden grade die Windhunde und Podencos meiner Meinung nach oft unter falschen Versprechungen vermittelt. Da fallen dann so Adjektive wie sanft, zart, sensibel... Man könne und dürfe sie nicht "brechen", sie lieben es auf dem Sofa zu schlafen, sie müssten in warme Mäntel eingepackt werden und schöne breite Halsbänder tragen, sie sehen elegant aus und haben Rehaugen.
    Da landen sie oft bei Leuten, die die für irgendwelche seelisch wie körperlich zerbrechlichen FrouFrou-Hündchen halten, statt für harte, primitive, ursprüngliche Gebrauchshunde.


    Jedenfalls kenne ich ein paar Ibicencos und keiner davon ist so derartig unerziehbar und unmöglich wie es teilweise dargestellt wird.
    Ja, sie graben gern. Ja, sie springen sehr gut und ja, sie brechen aus langweiligen Gärten auch schonmal aus wenn sich die Gelegenheit bietet. Machen die reinrassigen Windhunde oder die nordischen Hunde auch gern.
    Ja, sie haben nen großen Radius beim Freilauf, so what... haben die nordischen oder die Windhunde auch, Vorstehhunde auch, von Bracken will ich mal gar nicht anfangen. Außer den Vorstehern auch alles eigenständig jagende Hunde.

    Ja, sie haben ordentlich Jagdtrieb, haben... zig andere Rassen auch. Im Gegensatz zu den Vollblut-Windhunden kann man Podis aber wenigstens oft für Nasenarbeit begeistern, Mantrainling oder ZOS zum Beispiel, auch Futterbeutel oder normale Dummyarbeit. Suchen und apportieren gehört bei denen schließlich zur Jobbeschreibung, mehr sogar als das eigentliche hetzten. Wobei man die mit Rennbahn oder Coursing auch oft glücklich macht. Da hat man also so einige Möglichkeiten.
    Wenn man den Hund gar nicht ableinen kann (ich kenne einige, bei denen das so ist, aber auch einige, die man unter guten Umständen und entsprechende Vorarbeit vorrausgesetzt schon ableinen kann), dan bieten sich auch noch Radfahren und eingezäunte Ausläufe an.


    Aber es krankt halt daran, dass sich Leute so einen Hund holen, die all das eigentlich gar nicht wollen, die wenn sie ehrlich wären eigentlich viel mehr Spaß an einem weniger sturen, weniger autonomen Hund hätten, mit dem sie mehr Dönenkens mit weniger Aufwand machen könnten.
    Wenn sie dann doch so einen Anarchisten kriegen, dann ist es kein Wunder, dass nachher gestohnt und geächtzt wird wie schrecklich dieses Tier doch ist.

    Sowas sollte man halt nur nehmen, weil man eh drauf steht und nicht weil sie arm sind und sonst in Spanien sterben müssen oder weil die Welpen mit ihren Satellitenschüsselohren so süß sind.

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    Was man auch mal Bedenken sollte ist wohl, dass dieses immer jünger züchten in vielen Rassen einfach auch Nachteile hat. Wenn wir ehrlich sind, haben viele zuchtverbände mittlerweile Bestimmungen bei denen teilweise schon eine 6 jährige Hündin aus der Zucht fliegt.
    "Tierschützer" finden das dann toll.
    Bis dann Probleme auftreten, ist es dann eh schon "egal"..
    Für mich hat ein Zuchttier das mit 7-8 Jahren auch nach hoher körperlicher Belastung immernoch Top fit ist einfach einen sehr hohen Wert.


    :gut: :gut: :gut:
    Ich könnte nicht mehr zustimmen, wenn man mich dafür bezahlen würde.

    Das ist ein relativ einfaches Mittel gegen viele verschiedene Erbkrankheiten. OK, es gibt auch Sachen, die sehr spät auftreten können (z.B. Osteosarkome beim Greyhound, gern mit 9 oder 10 Jahren) und Pech kann man auch immer haben.
    Aber so Zeug wie erbliche Augenkrankheiten, Herzgeschichten oder Epilepsie machen sich meistens bis spätestens irgendwann im mittleren Alter von 4-8 Jahren bemerkbar oder sind dann zumindest durch Untersuchungen festzustellen.
    Außerdem hatte eine "älterer" Hund einfach schon mehr Gelegenheit zu beweisen, was er für Qualitäten hat, sei es sportlich oder auch nur im Alltag. Bei einem zweijährigen "setzt" sich doch grade erst alles vom Charakter her.

    Klar, man kann den Zuchteinsatz grade bei Hündinnen nicht ewig rauszögern. Man will es ja auch der Hündin nicht zu schwer machen und für leichte Erstegeburten sind 2, 3 oder 4 Jahren nunmal leichter als 5 oder 6 Jahre (wobei letzteres bei Salukis auch gar nicht so selten ist), das sind einfach biologische Fakten, genau wie bei Menschen eine 20-jährige leichter gebärt als eine 40-jährige. Aber mit dem Zweitwurf, falls man einen macht, kann man sich dann etwas mehr Zeit lassen.

    Und grade bei den Rüden hat man ja wirklich alle Möglichkeiten offen, sofern die Spermaqualität nocht stimmt (was man ja vor dem Decken testen kann). Ich kenne einige Würfe von Rüden mit 10, 11, 12 Jahren, die gesund und normal groß waren. Außerdem ist da auch die moderne Technik ne große Hilfe, oder könnte es sein. Sperma im mittleren Alter auf Eis legen, wenn die Qualität noch gut ist, und dann ein paar Jahre warten und schauen wie sich die erste Nachzucht entwickelt wenn es schon welche von dem Rüden gab, ob er weiter gesund bleibt, ob die Eltern und Geschwister gesund bleiben...

    Ein Zuchtwert für Langlebigkeit bei den Vereinen, die damit arbeiten, ist auch ne interessante Sache.


    Jedenfalls ist es schon interessant, die verschiedenen Zuchtstrategien zu beobachten.
    EInige Züchter machen den ersten Wurf, sobald die Hündin 2 oder 3 ist, züchten dann wieder mit deren Tochter sobald die in diesem Alter ist, dann wieder mit deren Tochter... und haben dann teilweise in 10 Jahren 3 Generationen Hunde in die Welt gesetzt.
    Andere machen den Erstwurf, wenn die Hündin 6 ist, mit deren Tochter auch erst wieder mit 5 oder 6, und gehen bei der Rüdenwahl ein bis zwei komplette Generationen (oder mehr) zurück, indem sie einen alten Rüden oder einen aus der Tierfkühlabteilung wählen.
    Auf 5, 6 Generationen gesehen sind das dann Pedigrees wie aus einer anderen Epoche... schon interessant.
    Aber dafür braucht man ja auch erstmal langfristige Zuchtpläne. Die meisten kommen ja über den A bis D Wurf nicht raus. Was ich verstehen kann, was aber schade ist.

    Scheinschwangere Hündinnen sollte man nicht in ihrem Babyblues versinken lassen. Ihre Hormone sagen ihnen, dass sie jetzt demnächst Nachwuchs kriegen oder schon haben und deswegen zuhause hocken und die Welpen hüten müssen.
    Da holt man sie am besten raus, indem man grade dann extra viel Programm mit ihnen macht: Raus aus dem Haus und jede Menge Bewegung, auch wenn die Damen keine Lust haben.

    Es kann auch helfen, die Hündin mal nen Tag oder zwei fasten zu lassen und dabei trotzdem kräftig zu bewegen. Solchen Luxus wie Milchbildung erlaubt sich der Körper nur, wenn er viel überschüssige Energie hat, die er für nix anderes braucht. Die körperliche Bewegung hilft sozusagen, den Motor wieder in Gang zu bringen.
    Gut ist auch, wenn die Hündin eher schlank als mollig ist, eine zu gute Kondition fördert Scheinschwangerschaften eher. Aber das ist eher für langfristig, wenn die Hündin schon voll Zugange ist, dann bringt ne Diät auch nix. Das muss vor der nächsten Läufigkeit sein.

    Spielzeug wie schon gesagt lieber wegnehmen, die steigern sich sonst ins Bemuttern eher noch mehr rein.


    Bei der Milchbildung muss man etwas aufpassen. Man sollte nicht zu viel am Gesäuge rumfingern, das fördert die Gesäugebildung und den Milcheinschuss noch. Aber ab und zu kontrollieren ob das Gesäuge heiß wird und ob es noch weich ist oder sich verhärtet (Anzeichen für eine sehr schmerzhafte Gesäugeentzündung), muss man schon.
    Wenn es arg warm wird und spannt, aber noch nicht entzündet ist, dann helfen auch Umschläge mit essigsaurer Tonerde (kriegt man in der Apotheke). Falls es erstmal richtig entzündet ist, muss der TA ran.
    Man sollte die Hündin auch nicht exzessiv lecken lassen, manche machen das grade dann, wenn sie Milch haben, und das setzt den Kreislauf dann auch nur wieder stärker in Gang.


    Meine ist auch grad Scheinschwanger. Sie ist dann kuscheliger, besetzt eine Ecke auf dem Sofa als ihr "Nest", dass sie am liebsten gar nicht verlassen will (auch nicht zum spazieren gehen) und das sie gegen die anderen Hunde verteidigt. Außerdem ist sie "jammerig", fiept öfter mal scheinbar grundlos oder auch wenn wir unterwegs sind, dass sie schnell nach hause will.
    Milch hat sie allerdings keine, und auch nur mäßig angebildetes Gesäuge. Gegenstände hüten tut sie auch nicht.

    Ich geh da nicht weiter drauf ein, mache halt extra-große Runden mir ihr bzw fahre ne ordentliche Rad, füttere etwas knapper und dann kommt sie da normalerweise nach 3-5 Tagen auch wieder raus.


    Vielleicht auch noch ganz gut zu wissen: Scheinschwangerschaft ist nicht abnormal. Das ist eine eigentlich sehr nützliche, von der Natur auch beabsichtigte Einrichtung, die bewirkt, dass sich mehrere Hündinnen in einem Rudel an der Welpenpflege beteiligen können, weil sie alle in "Mamastimmung" sind und oft sogar auch säugen können.
    Also ist allein das in dieser Zeit veränderte Verhalten kein Grund für eine Kastration. Nur wenn das ganze extreme Ausmaße annimmt, wenn zum Beispiel die Hündin öfter eine Gesäugeentzündung hat oder in der Zeit wirklich aggressiv ihr Lager verteidigt, würde ich wohl kastrieren.
    Ansonsten ist das einfach der normale Zyklus. Aber das muss jeder selber in Absprache mit dem Tierarzt entscheiden.

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    und was ist mit Camphylobacter, Toxoplasmose und Neospora etc.?


    Campylobacter kann man sich auch gut beim hantieren mit rohem Geflügel holen, dafür brauch man keinen Hund haben und muss das Fleisch auch nicht selber roh essen.

    Toxoplasmose dürfte die Gefahr der Ansteckung bei Katzen oder durch Gartenarbeit wohl das größte Infektionsrisiko sein.

    Neospora... für Menschen soweit ich weiß ungefährlich. Der Hund kann es sich holen, ja. Aber die klinische Relavanz ist nach allem was ich bisher weiß eher gering.
    Hunde wurden früher mit rohem Rindfleisch gefüttert, sie wurden es zwischen durch immer mal wieder (ein paar Leute haben schließlich immer roh gefüttert, ich denk nur an das beliebte Tatar, das so ziemlich jeder Züchter den ich kenne bei der Welpenaufzucht nutzt, auch die, die sonst Fertigfutter geben), sie werden es auch jetzt noch. Trotzdem waren Neospora-Infektionen beim Hund die auch klinische Symptome machen bisher kein großes Thema und sind es auch jetzt nachdem wegen den Rinderaborten ein bisschen genauer danach geschaut wurde nicht. Ja, einzelne Hunde können damit Probleme kriegen, aber die Gefahr scheint jetzt nicht riesig zu sein.


    Welche Krankheitserreger/Parasiten habt ihr denn im Kopf, die konkret ein Risiko für Mensch und/oder Hund beim Verzehr von rohem Wildfleisch wäre?

    Aujeskysche Krankheit bei Wildschweinen... ok, es sollte sich rumgesprochen haben, dass man das nicht roh füttern darf, aber die Leute kommen manchmal auf komische Ideen. Für Menschen ungefährlich, für Hunde tötlich.

    Trichinen... vor allem Wildschwein, wo wieder die Sache mit dem durchgaren gilt. Hund und Mensch können sich beide an rohem Fleisch anstecken, der Mensch kann sich aber nicht an einem infizierten Hund anstecken, es sein denn, er isst ihn (und zwar roh).

    Fuchsbandwurm... Haupt-Zwischenwirt soweit ich weiß kleine Nager (Mäuse, Wühlmäuse), aber manchmal auch Wildkaninchen oder Hase.
    Besonders die Innereien, aber vorsichtshalber auch den Rest von Hase oder Wildkaninchen würde ich kochen. Für den Hund ungefährlich, für den Menschen lebensgefährlich.

    Hundebandwurm, hat ne ganze Reihe von Zwischenwirten, von Kleinnagern über Wildwiederkäuer bis Schafe. Haustiere werden ja a) entwurmt und b) am Schlachthof untersucht. Bei Wildtieren sollte eigentlich der Jäger das machen, naja, das kann funktionieren oder auch nicht. Ich würd Innereien vom Wild nicht roh verfüttern, vor allem keine Leber. Bei Muskelfleisch hätte ich keine Bedenken, aber wenn man im Barf-Shop gewolftes "Wild" kauft, dann weiß man ja nicht was drin ist, da würde ich also auch 2 Mal überlegen.
    Für den Hund ungefährlich, für den Menschen lebensgefährlich.

    Grade die letzteren zwei wären für mich auch ein Grund, regelmäßig zu entwurmen, zumindest wenn man in nem Fuchsbandwurm-Risikogebiet lebt und/oder wenn der Hund ein notorischer Mäusefresser ist.


    Risikofrei ist rohes Fleisch sicher nicht. Ich persönlich finde das Risiko allerdings tragbar.

    Zu dem

    Zitat


    D.h. BARF bzw. das Füttern von Frischfleisch ist nichts neues(!), sondern wurde vor dem Verkauf von Fertigfutter (Dose, Trockenfutter) schon prakitziert.


    und dem...

    Zitat

    "BARF" ist sicherlich keine Modeerscheinung. Allerdings ist es "heutzutage" nicht mehr einfach nur eine Art seinen Hund zu ernähren", sondern eine Philosophie :roll: . Das fängt ja schon bei der (vermeindlichen) Übersetzung an:
    BARF = bones and raw food - nicht mehr und nicht weniger
    vs.
    BARF = biologisch artgerechtes rohes Futter oder biologosch artgerechte Rohfütterung - mit eingebauter Philosophie

    Selbst zusammengestelltes Hundefutter ist nix neues.
    "Barf" schon, weil dazu halt der ganze ideologische Rattenschwanz gehört dass Rohkost generell gesünder wäre, Getreide nicht ins Hundefutter gehört, man sich bei der Zusammenstellung an der Ernährung des Wolfes orientieren will...

    Ich bin abslout für selbstgemachtes Hundefutter und außer vielleicht mal auf Reisen werde ich meinen Hunden wohl nix anderes mehr füttern. Und ich geb das Fleisch sogar meistens roh.
    Aber ich würd es mir verbitten als "Barfer" bezeichnet zu werden, weil ich mit der ganzen "Zurück zur Natur, Vorbild Wolf"-Ideologie echt nix am Hut hab und vieles ganz anders sehe und mache, als es in Barf-Ratgebern oder Foren empfohlen wird.

    Ich mags einfach nicht, wenn jetzt alles was nicht Fertigfutter ist und nicht gekocht wird unter "Barf" fällt.


    Naja. Zur eigentlichen Frage:

    Wenn der Hund eine Allergie hat, gegen was ist er denn allergisch? Das wäre mal das erste was ich rausfinden würde, unabhängig davon, ob ich roh, gekocht oder Fertigfutter füttern möchte.

    Ansonsten werden Bakterien durch kochen abgetötet, nicht jedoch deren Stoffwechselprodukte zersetzt. Die gute Nachricht ist, dass gesunde Hunde mit Gammelfleisch ganz gut klarkommen, deinem Hund wird das wohl (wenn er jetzt wieder ganz gesund ist) weniger ausmachen.
    Die schlechte ist, dass (wenn das Fleisch roh gefüttert wird) die Keime auf Menschen übertragen werden können. Klassisches Beispiel wären da wohl die Salmonellen.
    Das ist halt immer ne Risikoabwägung. Man kann sich die Dinger auch selber holen, wenn man nicht gut durchgegartes Fleisch isst oder in der Küche unsauber arbeitet. Auch wenn man das Fleisch für den Hund verarbeitet und dabei nicht die Küchenhygiene beachtet. Da nütz abkochen dann auch nix, wenn man den Kram eh schon an Schneidebrettern, Händen und Messern hat...

    Medikamente werden üblicherweise und zum großen Teil durch normales kochen nicht zerstört. Dafür müssten die TRemepraturen bei den meisten Verbindungen soweit ich weiß höher sein, aber ich bin kein Chemiker. In der Hinsicht ist es wahrscheinlich egal ob du roh oder gekocht fütterst.


    Ich würd vielleicht drauf achten, dass der Händler Fleisch bzw Schlachtabfälle aus deutscher Erzeugung von Tieren die für den menschlichen Verzehr geschlachtet wurden anbietet, das ist schonmal ne Sicherheit mehr. In Deutschland sind, trotz aller Unkenrufe, die Kontrollen immer noch recht streng. Die gekauften Sachenb gut angucken und einfach mal auf die eigenen Sinne und den gesunden Menschenverstand vertrauen, ob es frisch riecht und aussieht.
    Man kann natürlich manche Sachen auch ganz gut im Lebensmittelhandel kaufen - Hühnerklein, -herzen, - mägen, - lebern sind bei uns im Supermarkt defintiv günstiger als beim Futterfleisch-Händler, Fisch geht auch oft ganz gut (ih nehm z.B. Lachsabschnitte + -köpfe aus der Tiefkühltruhe im russischen Supermarkt). Eier und Milchprodukte ja eh.
    Dann sollte man drauf achten, die Kühlkette einzuhalten, schonend abzutauen und dann flott zu verfüttern, dabei die üblichen Regeln der Küchenhygiene im Umgang mit rohem Fleisch einzuhalten (einfach mal danach googeln falls nicht bekannt).

    Wenn man das alles einhält, seh ich nun keine größere Gefahr für Mensch oder Tier bei der Verarbeitung von rohem Fleisch als wenn man Fleisch für den eigenen Verzehr zubereitet.


    Wenn der Hund gekochtes besser verträgt, hätte ich da aber auch kein Problem mit das dauerhaft so zu machen. Macht halt mehr Arbeit, das (und die Tatsache, dass meine es gut vertragen) ist mein persönlicher Grund Fleisch roh zu füttern.

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    [...] alles was ich nur gekocht esse an Gemüse, bekommen die Hunde auch nur gekocht.


    Das halte ich für ne gute Faustregel.


    Hunde haben nicht die Enzymausstattung um die Zellwände von pflanzlichen Lebensmitteln ohne Vorbehandlung aufzuschließen. Bei sehr weichen, stark wasserhaltigen Gemüsesorten (Gurke z.B) reicht vielleicht das empfohlene pürieren um einen Teil der Zellwände zu zerstören.
    Bei festeren Sachen, wie z.B. Kohlrabi oder Knollensellerie, zerhächselt man das ganze beim pürieren nur zu Stückchen, die halt so klein sind, dass man sie, wenn sie hinten rauskommen, nicht mehr als "Gemüse" erkennen kann. Klar wird da auch ein bisschen Saft frei, aber so richtig doll verdaulich ist das daher wohl noch nicht.

    Gut "aufknacken" kann man Zellwände halt mit Hitze oder durch gefrieren (in beiden Fällen dehnt sich das Wasser in der Zelle aus und sprengt sie von innen, deswegen wird das Gemüse weich/matschig und Saft tritt aus).


    Also, in der Praxis mache ich es so:
    - Alles was roh giftig wäre wird gekocht (grüne Bohnen z.B., wobei ich die jetzt nicht extra für die Hunde mache, aber manchmal landen Resten von mir halt im Napf).
    - Reifes Obst wird nur püriert und "feines", wässriges Gemüse wie Mangold oder Gurke wird roh püriert und/oder ganz kurz angedünstet.
    - Festere Gemüsesorten (alles mögliche an Wurzelgemüse z.B.) werden gekocht, eher weich als bissfest, und püriert. Jegliche Kohlsorten z.B. auch immer gekocht, die sind gekocht besser verträglich als roh. Roh können sie blähend wirken.
    -Tomaten füttere ich eh nur in Form von Dosentomaten oder Tomatenmark - wird idR aus reifen Tomaten gemacht und hat somit mehr Vitamine und Antioxidantien als die unreif geernteten, festen, wässrigen Glashaustomaten die man im Gemüseregal finden kann.

    Z.B. Gemüsemix für die nächsten 14 Tage (vorportioniert & eingefroren, frisch finde ich besser, aber haut zeitlich momentan nicht hin):
    Blumenkohl, Brokkoli, Möhren, Knollensellerie gekocht (jeweils der Kochzeit nach dazugefügt, so dass nicht der Brokkoli schon total zermatscht ist wenn die Möhren gar sind). Am Ende der Kochzeit, nach dem ausstellen der Kochplatte, ein paar Äpfel und Bananen dazu. Dann halbe Tube Tomatenmark untergerührt und direkt vor dem pürieren ne Hand voll erstes selbstgesammeltes Wiesengrünzeug.


    Aber Gemüse hat ja auch die Funktion als Ballaststoffzugabe für ne gute Verdauung (was sie sonst so kriegen, Fleisch und eventuell gut aufgeschlossene Kohlenhydrate, ist ja ziemlich ballaststoffarm).
    Dafür ist es auch roh püriert gut. Da muss man gucken wie viel der Hund braucht und verträgt. Manche können ziemlich große Mengen rohes Gemüse verdrücken (und produzieren dann die allseits bekannten "Möhrenraspel-Haufen"), andere kriegen davon Dünnschiss oder Blähungen, weil im Dickdarm Bakterien das ganze Grünfutter zersetzen.
    Naja, und die Funktion als Magenfüller bei nimmersatten Hunden wurde ja eh schon erwähnt.

    Meine kriegen seit Jahren schon nur einmal am Tag. Abends, nach dem letzten Gang und vor dem ins Bett gehen.

    Ich habs nicht aus "Wolfsideologie" gemacht - auch Wölfe ernähren sich soweit ich weiß flexibel, zwar durchaus auch mal mit riesigen Portionen und dann ein paar Tage nix, aber wenn`s reichlich Wühlmäuse oder Lemminge oder Lachs gibt, dann fressen sie auch mal ein paar Wochen/Monate zig kleine Portionen über den Tag verteilt. Also ich denke von der Warte aus sagt einem das bloß, dass der Hunde-Urahn da recht anpassungsfähig war.


    Es war einfach so, dass mein erster Hund das von seiner Vorbesitzerin so gewöhnt war und kein Problem damit hatte. Es passte und passt gut in meinen Tagesablauf und somit hab ich es auch bei den nächsten Hunden beibehalten, die damit ebenfalls keine Probleme haben. Nur das Kleinteil hab ich am Anfang, als sie noch jung war (hab sie mit 7 Monaten bekommen), langsam von zwei Mahlzeiten auf eine ungestellt, da sie es von ihrer Züchterin so kannte.
    Kein erbrechen auf leeren Magen, keine Bauchschmerzen (soweit ich das nun als Mensch beurteilen kann...) und auch sonst nix negatives.

    Bei der Frischfütterung ist es mir einfach zu kompliziert, das ganze gepansche und gerühre morgens auch nochmal zu machen. Wenn, dann würde ich wohl eher morgens Fertigfutter und abends Frisch füttern, aber bisher hab ich da einfach keinen Anlass für.


    Leckerlies gibts unter Tages nicht in nennenswerter Menge - ich benutze Katzen-Trockenfutter als Belohnung und die Bröckchen sind so klein, dass die Hunde davon schon enorme Mengen fressen müssten damit das ins Gewicht fällt. Sie kriegen vielleicht jeder 2 EL, wenn überhaupt so viel, von den erbensgroßen Bröckchen. An manchen Tagen auch gar nix.

    1-2 x die Wochen gibts dann noch Knochen (große Rindergelenke, nicht zu auffressen, nur zum nagen und Zähneputzen) oder Rohhautstangen.

    Ich find diesen Film, wie auch den zur DCM bei der Dogge, wirklich gut gemacht. Fundiert, sachlich, informativ. Hut ab vor den Beteiligten, vor und hinter der Kamera!
    Von sowas bräuchte die Rassehunde-Welt echt mehr.


    Bei meiner erklärten Lieblingsrasse, den Salukis, zeichnet es sich in den letzten Jahren auch ab, dass Herzerkrankungen wohl ein Problem sind - welche, das weiß man mangels gesammelter Untersuchungsergebnisse noch gar nicht so genau, aber DCM fällt schon öfter und ich weiß auch von dem einen oder anderen Hund mit dieser Diagnose.
    Anscheinend und zum Glück wohl noch nicht so weit verbreitet wie beim Dobi, aber halt doch schon so, dass man aufwachen muss. Es tut sich jetzt auch langsam was. Es wurden 2009 Screeninguntersuchungen eingeführt für Zuchttiere. Allerdings "nur" der normale Herzultraschall, kein 24 h EKG. Erstmal nur zum Zweck der Datensammlung, die Ergebnisse sind also vorläufig ohne Konsequenzen für den Zuchteinsatz. Der Schall muss vor dem ersten Zuchteinsatz vorliegen und darf bei jedem weiteren Zuchteinsatz nicht älter als 2 Jahre (zum Deckzeitpunkt) sein.

    Das Mindestalter für`s schallen ist allerdings recht niedrig (15 Monate), es würde zum Zwecke der Datensammlung schon mehr Sinn machen, wenn man das Mindestalter auf mindestens 24 Monate hochsetzt und besonders die Teilnahme älterer Hunde ermutigt, egal ob sie in der Zucht waren oder noch sollen oder nicht.

    Ich harre der Dinge die da kommen werden jedenfalls ziemlich gespannt...

    Nee, ich kann mir nicht vorstellen mal ohne Hund(e) zu sein.
    Vorzugsweise immer mindestens zwei und wenn die Umstände passen möchte ich irgendwann auch gern mal züchten, also das Hobby/die Lebenseinstellung "Hund" eher noch ausbauen.

    Der Tag wo ich mir Gedanken über mein Alter und ob meine Hunde mich überleben werden machen muss ist wohl noch etwas weiter entfernt, ich bin erst Mitte 20. Der einzige Grund warum ich mir vorstellen könnte nicht wenigstens einen Hund zu haben wären ernsthafte gesundheitliche Probleme. Fast alles andere lässt sich regeln.


    Ja, es gibt ein paar Dinge die man ohne Hunde besser kann (Flugreisen z.B.), aber die Vorteile am Leben mit Hund überwiegen für mich persönlich bei weitem diese Nachteile bzw habe ich an diesen Sachen eh nie so großes Interesse gehabt.
    Ein Leben ohne Hund ist vielleicht nicht sinnlos, das nun auch wieder nicht, aber Hundehaltung gehört für mich persönlich zu einer guten Lebensqualität einfach dazu.