Hallo Eli,
ich hab einen überwiegend-Greyhound Longdog (wahrscheinlich noch ein Spritzer Saluki mit drin) und einen ehemaligen Renner, beide aus Irland. Und einen Saluki, aber die ist nicht aus dem TS.
Zitat
Kann man sie überhaupt frei laufen lassen oder ist der Jagdtrieb durch die jahrelange Konditionierung zu stark geworden, dass sie überhaupt nicht mehr abrufbar sind? Ich weiß, dass auch die Greys vom Züchter starken Jagdtrieb haben, das ist einfach rassetypisch. Aber ich möchte meinen Hund auf jeden Fall frei laufen lassen können und das nicht nur im umzäunten Gebiet. Das ist ja das Schöne am Greyhound, dass man ihn flitzen sehen kann. Und nur an der Leine ist ja nicht artgerecht.
Meine beiden Jungs (inzwischen mit 10 und ca. 13 Jahren Senioren, bekommen hab ich sie mit ca. 5 und mit 4,5 Jahren) sind und waren was Freilauf angeht relativ problemlos.
Klar, wenn ein Hase direkt vor ihnen hochgehen würde, dann würden sie hinterhergehen (ok... der Opi wohl nicht mehr). Mit allem, was das bei einem Windhund beeinhalten kann. Gerissenes Wild, Hund auf der Straße, Greyhoundsperre und so weiter und so fort. Das solltest du ja schonmal gehört haben wenn du dich damit schon zwei Jahre beschäftigst und regelmäßig mit nem Greyzüchter unterwegs bist.
Man muss sich also das Spaziergehgelände dementsprechend aussuchen und immer schön wachsam sein.
Aber meine suchen nicht von sich aus nach Jagdgelegenheiten, haben keinen besonders großen Radius (eigentlich kleben sie sogar ziemlich an mir) und hören besser als 95% der Labradore, Goldies und Schäfermixe die wir auf unseren täglichen Spaziergängen treffen, was auch einfach eine Sache der Arbeit ist die man da reinsteckt. Zuverlässigkeit an Wild halte ich bei den meisten rassetypischen Windhunden für utopisch, einen guten Grundgehorsam ohne solche Ablenkung dagegen nicht!
Es gibt natürlich auch Greyhounds, die mehr "scannen" oder die sogar aktiv mit der Nase suchen oder stöbern gehen. Es gibt auch welche, die größere Kreise ziehen und öfter mal selektiv taub sind.
Aber die Regel, von dem was ICH persönlich bisher kennengelernt hab, ist bei Greys eher das was ich hab. Galgos (auch wenn ich selber keinen hab) hab ich bisher doch als etwas selbstständiger und aktiver erlebt was das Jagdverhalten angeht, Orientalen als wesentlich sturer und weniger auf`s Gefallen bedacht.
Insgesamt würde ich sagen, dass du mit einem ehemaligen Profirenner ebenso gute Karten hast den freilaufen lassen zu können wie mit einem Welpen vom Züchter, eine entsprechende Eingewöhnungszeit und gründliche Grundausbildung natürlich vorrausgesetzt.
Allerdings muss man sich bei der Frage ob TS oder Züchter finde ich noch ein paar mehr Dinge überlegen.
Vorab, ich finde beide Optionen wirklich gut und denke nicht, dass man irgendeine moralische Verpflichtung hat, einen TS-Hund zu nehmen, nur weil das davon grade bei dieser Rasse so viele gibt. Man sollte sich, wenn man eigentlich gern einen Welpen hätte, nicht aus "Schuldgefühl" für einen TS-Hund entscheiden (und sich auch kein solches einreden lassen).
Wennman aber eh gern einen erwachsenen Hund hätte bzw sich mit diesem Gedanken anfreunden kann, oder wenn man halt von sich aus gern einem berenteten Rennhund ein neues Zuhause geben will, dann los. 
Greys aus dem TS kommen mit ganz unterschiedlichen Vorgeschichten. Manche als Welpen, manche als ausgediente alte Zuchthunde. Manche direkt vom antrainieren, ohne jemals ein offizielles Rennen gelaufen zu sein, andere nach einen intensiven (nicht immer langen) Rennkarriere.
Manche sind kerngesund, VIELE haben aber irgendwelche gesundheitlichen Macken. Oft sind sie eben deswegen ausgeschieden.
Nicht bei allen sind diese Sachen bekannt, es ist also nicht umbedingt böser Willen von Seiten der Tierschützer wenn sich z.B. erst nach einigen Wochen im neuen Zuhause rausstellt, dass der 3-jährige Hund z.B. irgendwo Arthrose hat, bei Belastung zur Sperre neigt, immer wieder Corns kriegt oder was auch immer.
Das wäre bzw ist für mich ein ganz entscheidendes Manko bei einem Ex-Renner. Ich bin selber recht aktiv und fand es schon sch***, dass mein jetzt 10-jähriger auch in jüngeren Jahren keine Tageswanderungen mitmachen, nie am Rad laufen konnte und nach etwas dollerem Toben oft am humpeln war.... wegen seinen blöden, verschlissenen Karpalgelenken.
Die meisten sind vom Verhalten her tiptop und wirklich nette, problemlose Hunde die sich in der neuen Situation schnell einfügen, das kann man einfach mal so sagen. Aber auch da spielen die ganz verschiedenen Hintergründe wieder mit rein.
Es gibt welche, die wachsen mit viel Menschenkontakt auf, fast mit Familienanschluss, lernen richtig viel kennen. Greade erfahrene Renner kennen natürlich so Zeug wie TA-Besuche, Krallen- und sonstige Körperpflege, Autofahren, den Troubel auf der Rennbahn, natürlich können die meisten auch bereits gut an der Leine laufen und so weiter und so fort.
Stubenreinheit müssen die meisten noch lernen, weil sie halt aus Zwingerhaltung kommen, aber Greys sind ziemlich reinlich und meistens geht das innerhalb von Tagen bis Wochen. Eher schneller als bei einem Welpen.
Dann gibts aber auch immer mal welche, die kennen nur wenig, haben viel allein in irgendeinem Zwinger rumgestanden und haben demensprechend irgendwelche Altlasten. Manche sind ängstlich, manche in anderer Hinsicht sozial inkompetent.
Ist bei Greys halt auch nicht anders als bei anderen TS-Hunden, schlechte Sozialisierung hängt einem uU ein Leben lang nach.
Mein jetzt 10-jähriger Rüde z.B. war wirklich gar nicht auf Kleinhunde sozialisiert. Das ist bei einem großen Hund dessen mördermäßiger Hetztrieb auf kleine, plüschige, schnellbewegliche Objekte eh lebenslang gefördert und bestärkt wurde, natürlich saugefährlich.
Er hat kleine Hunde in bestimmten, adrenalingeladenen Momenten schlicht nicht als Hunde wahrgenommen, sondern als Beute. Ist klein, bewegt sich wuselig und hektisch, macht schrille Geräusche... will fressen.
Das war nicht lustig und es hat ne Menge Geduld und Arbeit gekostet das rauszukriegen. Bei uns hat das letztenendes super geklappt, ich kann ihn heute bedenkenlos mit Klein- und Kleinsthunden laufen lassen, aber zwischendurch war mir echt elend zumute deswegen und wir haben ein Jahr lang das Haus nicht ohne Maulkorb verlassen und danach noch ein Jahr lang den Maulkorb zumindest in bestimmten Situationen zur Vorsicht noch benutzt.
Das ist KEIN extrem häufiges Problem, kommt aber immer wieder mal vor (man liest z.B. auf englischsprachigen Vermittlungsseiten immer mal wieder "not small dog safe"... das ist genau das, was damit gemeint ist!).
Das ist definitiv nicht "rassetypisch", ein gut sozialisierter Grey ist ebenso zuverlässig mit kleinen Hunden wie jeder andere Hund, aber es ist eben typsich für einen schlecht sozialisierten Sichtjäger.
Solche Sachen, sowohl gesundheitliche als auch Verhaltensbaustellen, kann man jedenfall minimieren, indem man einen Hund nimmt, der schon eine Weile irgendwo auf Pflegestelle ist.
Sowieso würde ich Anfängern nach meinen eigenen Erfahrungen immer raten, keinen Hund direkt vom Transport zu nehmen, sondern die erste Einschätzung und den "Grobschliff" anderen zu überlassen. Geht zwar oft gut, aber manchmal auch nicht. Bei mir hätte grade diese Sache mit den Kleinhunden auch schiefgehen können.
Viele Greys haben Papiere und eine mehr oder weniger bekannte Vorgeschichte, sind also definitv reinrassige Greyhounds.
Einige, wie mein Longdog (der von der Straße bzw aus dem Dogpound und ursprünglich wahrscheinlich von Travelers war), werden aber auch als "Greyhound" vermittelt, obwohl sie keine sind, so wie halt auch die spanischen Galgos meistens keine Galgos Espanoles sind.
Das ist jetzt kein großes Drama, aber vielleicht wissenswert.
Dann wäre da noch die Sache, dass man halt mit einem TS-Hund in der Regel nicht an Ausstellungen oder Windhundsport teilnehmen kann. Ist mir persönlich relativ egal, für mache ist es vielleicht ne Überlegung wert.
Es gibt ja außerdem auch nicht nur die Möglichkeit "Showgrey vom Züchter" oder "aussortierter Renngrey". Man kann auch nen Renngrey hier in Deutschland beim Züchter kaufen und ab und an (wenn auch eher selten) sind auch mal erwachsene Showgreys zu vermitteln.
Die beiden Schläge sind ja zumindest äußerlich, vom Typ her, und oft auch in der Größe und Masse schon recht unterschiedlich. Wenn einem beides gefällt ist super, wenn man ne optische Präferenz hat darf die aber finde ich auch mit reinspielen.