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Die Nachkommnden zweier Linien mit hohem Homozygotiegrad sind ziemlich einheitlich und oft robuster als beide Eltern (Heterosiseffekt). In der Getreide- aber auch der Nutztierzucht macht man sich das seit langem zu nutze und setzt gezielt und sehr erfolgreich großflächig solche F1 Hybride ein.
Natürlich steht und fällt das mit der Auswahl der Elternlinien. Die muss mit Sorgfalt getan werden, denn es gibt eben durchaus auch negative Heterosiseffekte..
Aber eine sinnvolle Auswahl der Elternlinien ist bei Hunden ebenso machbar wie bei Schweinen - oder Weizen.
Warum ist das in der Landwirtschaft so anerkannt und bewährt aber in der Hundezucht so verpönt? Das verstehe ich absolut nicht....obwohl ich Biologe bin.
Das verstehst du nicht, WEIL du Biologe bist. Mit Logik oder Wissenschaft hat diese Hysterie wegen geplanter Mischlingswelpen wenig zu tun, eher mit Ideologie.
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Wenn ich das lese, muss ich aber schon irgendwie den Kopf schütteln. Ja, das systematische Produzieren und clevere Vermarkten von Mischlingen hilft weder den Rassehunden, noch den Hunden im Tierheim, aber es ist auch kein Wunder, dass Otto-Normalverbraucher (also die, die keine drei Jahre warten und 600 Kilometer fahren, um an einen Hund zu kommen) das Vertrauen in Rassehunde verloren hat.
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Das eine ansonsten tolle Hündin ihre Zuchtzulassung verliert, nur weil aus was weiss ich für einem Grund ein Mischlingswurf entstanden ist, ist mMn einfach genau die Art von Schwachfug, weswegen so viele Rassen mit ihrer Beschreibung auch eine ellenlange Krankheitsliste habe.
Da kann ich nur zustimmen. Wobei ich in sowas weniger den Grund sehen, dass manche Rasse gesundheitlich nicht so toll dahstehen, sondern mehr den Grund, das außer ihnen selber und einigen wenigen Insider-Fans kaum einer Rassehundezüchter ernst nimmt. Was schade ist, weil gezielte Zucht an sich was feines ist.
Es ist aber soweit ich weiß nicht so, dass die Hündin die Zuchtzulassung verliert, sondern das der Züchter mit Sanktionen zu rechnen hat, von Bußgeld und Disziplinarverfahren bis Zuchtsperre.
Aber was geht es einen Zuchtverband überhaupt an, ob ein Züchter als Privatmensch mit seiner gekörten Zuchthündin einen Mischlingswurf machen möchte oder seinen Rüden fremd decken lassen will? Genau gar nix. Meine Meinung.
Ja, man kann sich jetzt tausend Gründe einfallen lassen warum das ganz sinnvoll ist, aber letztlich läuft es auf Gängelung durch die Zuchtverbände raus und nix sonst.
Genau sowas verhindert unter anderem auch verantwortungsvolle Mischlingszucht und erschwert sinnvolle Kreuzungsprojekte und es verhindert, dass sowas wenn, dann mit offenen Karten gemacht wird.
Ich kenne, persönlich, eine langjährige Golden Retriever Züchterin im DRC, die mit einer ihrer Hündinen nach einem vernünftigen Wurf nach einem Goldierüden unter dem VDH, einen Goldendoodel-Wurf gemacht hat. Der Vater ist ein gekörter Großpudelrüde der auch schon zwei Würfe mit VDH-Papier gezeugt hatte, beide Hunde sind auf rassetypische Krankheiten getestet und beide sind geprüfte Therapiehunde, Geschwister der Mutter und Nachkommen des Vaters sind Besuchshunde im Altenheim.
Sie erhoffte sich wesensstarke, gesunde Welpen in einer Optik, die ihr und scheinbar auch vielen Käufern gefällt, von Eltern, die sich ihrer Meinung nach charakterlich gut ergänzen würden.
Beim Wesen ist genau das zugetroffen - und mal ehrlich, wenn man zwei nette Hunde verschiedener Rassen verpaart ist die Gefahr dass das Psychowelpen rauskommen nicht wesentlich größer als wenn man zwei nette Hunde der selben Rasse verpaart - es sein denn vielleicht, die Hunde hätten extrem unterschiedliche rassespezifische Veranlagungen, was aber bei Pudel und Labrador oder Golden Retrievern kein großes Problem zu sein scheint. Wie sie sich von der Gesundheit her entwickeln ist eine andere Frage, bisher ist aber alles in Butter.
Jedenfalls, besagter Wurf fand im Haus der Tochter der Züchterin statt, die Hündin musste erst pro forma den Eigentümer wechseln, der Wurf wurde aber lieber trotzdem nicht an die große Glocke gehängt, und die Besitzer des Rüden bewahrten im Verein natürlich totales Stillschweigen über die Vaterschaft ihres Hundes, weil fremd decken lassen nicht erlaubt ist.
Die Welpen waren größtenteils vorbestellt, die anderen waren auch ratzfatz weg, sie sind jetzt fast drei Jahre alt und bisher sind alle Beteiligten glücklich.
So ein Aufwand um einen Wurf nette Hunde machen zu können, ohne aus dem Verein zu fliegen und seine reinrassigen Hunde ungestört weiterzüchten zu dürfen...
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Man kann es nur immer und immer wieder sagen: Was nicht ok ist, sind falsche Versprechungen über die Hunde (wie auch beim ELO, der erzogen auf die Welt kommt
), und der Zuchteinsatz von ungeeigneten Tieren. Wird mit guen tieren gezüchtet und der Käufer nicht belogen - so what.
Amen.
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Ich sehe noch immer keinen Grund Hybriden bei Hunden zu erzeugen, da es genügend Rassen gibt, die jedem Ansspruch gerecht werden.
Ich persönlich finde eine Menge Rassen komplett überflüssig, meinetwegen könnten die gleich morgen aussterben weil die Welt sie, finde ich, nicht braucht.
Aber wenn jemand die mag... ist doch deren Sache, solange die Hunde nicht drunter leiden soll doch jeder den Hund haben, den er haben will, egal ob ich oder du das "nötig" oder "sinnvoll" finden.
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Tolle Mischlinge gibt es allemal im Tierschutz, ohne große Namen und ohen Gedoodle.
Das sind dann aber meist zufällig oder zumindest ziemlich planlos entstandene Welpen. Oft kennt man mindestens ein Elternteil gar nicht, und selbst wenn man die Eltern kennt weiß man nicht ob sie auf irgendwas untersucht sind, ob sie einen erstrebenswerten Charakter haben usw. Und die Aufzucht im TS, auch wenn die Leute sich sicher Mühe machen, ist mal mehr, mal weniger ideal.
Und wenn man eine ganz bestimmte Mischung sucht, guckt man auch meistens in die Röhre.
Warum sollte man gezielte Mischlinge nicht genauso züchten wie Rassehunde, ohne dieses dumme Stigma das ein Mischling zufällig entstanden sein muss? Eltern auf rassetypische Erbkrankheiten soweit als möglich prüfen, Charakter sorgfältig unter die Lupe nehmen sowohl individuell als auch im Hinblick auf die erhoffte Kombination, und dann Aufzuchtbedingungen, die im vernünftigen Verein gezüchteten Welpen ebenbürtig sind - sowas kann man vergleichen, aber nicht irgendeinen zufällig entstandenen, irgendwo übrig gebliebenen und irgendwie groß gewordenen Mix mit nem gut geplanten und gut aufgezogenen Rassehund.
Und was ist schlimm dran, wenn das Endprodukte sind? Immer ausgehend von sonst der normalen, "seriösen" Hundezucht entsprechenden Bedingungen.
Es ist ja nicht wirklich so, dass dadurch der Reinzucht großartig Tiere verlorengehen würden. Rüden können eh ohne weitere für beides eingesetzt werden, da ist das so gar kein Argument.
Hündinnen theoretisch auch, durch die begrenzte Anzahl an Würfen ist es natürlich eingeschränkt. Aber es ist ja eh so, das selten alle Hunde mit Zuchtqualitäten in die Zucht gehen. Ich kenn so viele gekörte Hunde beiderlei Geschlechts, die dennoch nie in die Zucht gehen werden - bei Rüden z.B. weil einfach nach ihrer Linie, ihrem Typ, ihrer Farbe, ihrem whatever keine Nachfrage besteht, bei Hündinnen oft, weil die Besitzer vielleicht gern würden, aber es von den Lebensumständen her einfach nicht geht, oder weil es ihnen schlicht zu viel Aufwand ist.
Meist behält sich ja der Züchter nen Hund zum weiterzüchten, manche werden an andere Züchter oder potenzielle Züchter abgegeben und wieder andere gehen halt auf "Sofaplätze". Wenn der eine oder andere von denen, die sonst in Nicht-Züchterhände gehen würde, halt statt dessen an einen Züchter von Mischlingen gehen würde, wo wäre da der großartige Verlust?
Die meisten Rassehundewelpen sind in dem Sinne doch auch Endprodukte, nur ein Bruchteil der Käufer züchtet selber.