Beiträge von Marula

    Ich hab schon verstanden, dass du es nicht exakt so gemeint hast ;) , dennoch ist das eine Argumentationsrichtung, die einem in den Debatten "Fertigfutter vs Barf" und auch "Rationsberechnung vs Pi mal Daumen nach Bauchgefühl füttern" oft begegnet.

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    Die Problematik jetzt kleinzureden finde ich ehrlich gesagt nicht so toll. Immerhin habe ich vor drei Monaten fast meinen Hund verloren, weil ich die Sache nicht ernst genug genommen habe.


    Natürlich gibt's echte Allergien und Unverträglichkeiten und Impfreaktionen und und und... wenn du persönlich davon betroffen bist, umso schlimmer.

    Ich hatte auch mal einen Hund mit unerklärlichen Futtermittelunverträglichkeiten. Der konnte alles essen, also alle Nahrungskomponenten... nur kein Fertigfutter. Die ersten Lebensjahre hatte er es noch vertragen (aber nie gern gefressen und schon häufig Durchfall und schlimme Blähungen gehabt), später wurde es dann immer schlimmer.
    Egal ob nass oder trocken, egal ob Extruder oder kaltgepresst, egal ob Spezialdiät von RC oder Hills, High End getreidefreies Ami-Importfutter oder Discounterfraß, ob Reinfleischdose mit seltenem Protein oder Pedigree Pal - wenn es "Hundefutter" war, gab es nach ein paar Tagen schleimigen Dickdarmdurchfall der dann immer blutiger wurde, sowie teilweise bis zu handtellergroße Hot Spots.
    Mit hausgemachtem Futter war dann alles super, da konnte er jede Sorte Fleisch/Fisch und Getreide essen sowie Milchprodukte, Ei, Gemüse, Öle... alles was halt dazu gehört. Nichtmal rohe Leber verursachte auch nur den kleinsten Durchfall, auch stark gewürzte Essensreste wurden problemlos vertragen. Und auf einmal fraß er auch mit Appetit. War schon irre...

    Das war so mein persönliches Aha-Erlebnis für "Nie wieder (nur) Fertigfutter". Ich hab immer nen Sack Trofu im Haus, für Tage wo ich keine Lust hab was zuzubereiten, wo ich vergessen hab was aufzutauen, wo keine Zeit ist, für wenn sie mal bei meinen Eltern in Betreuung sind, als Leckerlie... das wird auch vertragen, meine jetztigen Hunde sind da nicht so empfindlich.

    Aber Hauptfutter wird hier immer was selbstgemachtes sein. Schon allein weil's den Hunden viel besser schmeckt. Ich hab so einen, da hätte ich vor nem halben Jahr noch geschworen, dass das eine Biotonne auf vier Beinen ist, der kritiklos alles in sich reinschlingt was nach Futter riecht. Der hat früher sein Trockenfutter jeden Tag wieder mit dem gleichen Enthusiasmus gefressen und nie auch nur einen Krümel verkommen lassen.
    Im Urlaub gab es dann diesen Sommer ne Woche Trockenfutter (nach mehreren Jahren Hausmannskost mit ab und an mal nem Trofu-Tag) und so am vierten Tag hat er es nur noch enttäuscht angeguckt und die Hälfte übergelassen.
    So ab und an scheint es ok zu sein, so wie bei uns ne Fertigpizza ganz gut ist, gelegentlich. Aber jeden Tag, da merkt man richtig, dass ihnen das zum Hals raushängt.

    Verwöhnt? Meine Hunde? Aber nicht doch... :D

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    Geht mir genauso. Ich bilde mir die Futtermittelunverträglichkeiten meiner Möhre auch nicht ein. Nach zahlreichen immer wiederkehrenden Ohrenentzündungen habe ich mit einer Ausschlussdiät die Futterallergene identfiziert und seitdem barfe ich ohne diese (mit einer Unterbrechung von 2 Jahren mit speziellem Trocken- und Nassfutter).
    Ich glaube eher, dass so einige Hunde die unter Durchfällen, Hauterkrankungen und ähnlichem leiden gar nicht mit Futtermittelallergien in Verbindung gebracht werden und nur an den Symptomen herumgedoktert wird.


    Oft wollen es die Leute aber auch gar nicht wissen bzw wollen kein Geld für Diagnostik ausgeben (man muss schließlich noch ein paar andere Hautgeschichten ausschließen bevor man bei der Diagnose Futtermittelallergie bzw -unverträglichkeit ankommt) und gucken wie ne Kuh wenn's donnert wenn man anfängt ihnen was von Ausschlussdiät zu erzählen. "Aber Frau Dr., kann man da keine Spritze geben?!"

    Die kommen lieber jahrelange alle 2-4 Wochen zum Depot-Kortison spritzen als dass sie sich einmal eingehend damit beschäftigen was ihr Hund braucht und was er (nicht) verträgt. Ich find's ja auch scheiße, aber was soll man machen, wenigstens werden sie dann nicht kirre vor Juckreiz.


    Ansonsten sind Allergieen ja auch beim Menschen auf dem Vormarsch. Es wird viel geforscht in diesem Gebiet und dennoch weiß man nicht, woran es liegt.

    Beim Hund halte ich "Futtermittelallergie", und da ganz besonders die berühmt-berüchtigte Getreideallergie, zum Teil auch für eine Modediagnose. Bei den wirklich ausdiagnostizierten Allergien sind Rindfleisch und Milchproteine vom Rind immer noch die häufigsten Allergieauslöser, nicht "Getreide". Und überhaupt, Getreide... welches eigentlich, gibt ja doch ein paar Sorten...
    Auffällig oft sind "Getreideallergiker" auch empfindlich bei Impfungen, kriegen angeblich nach jeder Wurmkur und jedem Spot-on heftige Nebenwirkungen und brauchen nach jeder Antibiotikagabe ne Darmsanierung und homöopathische Unterstützung. Die Pferde der selben Leute sind interessanterweise genauso sensibel und wenn die sich nen neuen Hund holen schaffen sie es zielsicher, sich wieder so ein Gewächshauspflänzchen anzuschaffen. Wenn ich von Patientenbesitzern beim ersten Besuch höre "Unser Hund ist allergisch auf Getreide!", dann sind das zu 90% genau solche Leute.
    Ob da das Problem beim Tier liegt? Es bilde sich jeder seine eigene Meinung...

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    Das verstehe ich immer nicht so recht. Wieso irgendwann. Wenn ich mich heute fehlernähre, dann "rächt" es sich doch gleicht, z.B. durch Nährstoffmängel?


    Nee, Nährstoffmangel sieht man nicht immer sofort, vieles auch erst Monate oder sogar Jahre später.

    Ich bezog mich ja in meinem ersten Posting in diesem Thema auf die typischen Bauernhof-Hunde, die ich so sehe und auf den Ansatz von wegen "früher auf dem Land wurden die Hunde auch alle uralt und waren gesund, obwohl sich da keiner solche Gedanken gemacht hat".
    Die sehen oft als junge Hunde ganz normal fit aus, wenn sie dann aber in ein mittleres bis höheres Alter kommen, werden die oft sehr unansehnlich. Dick, schlechtes Fell, schlechte Haut, grauenhafte Zähne... da ist sicher nicht nur die Fütterung für zuständing (auch wenn man nicht umsonst sagt "Du bist, was du isst"), aber eben diese generelle Mentalität von "sich keinen Kopp machen um den Hund".
    Der frisst halt irgendwas (Hauptsache billig) und läuft da irgendwie so rum, und wenn der vor sich hinstinkt und -gammelt, wen kümmerts. Glaube nicht, dass das erst seit Fertigfutterzeiten so läuft, und deswegen bezweifele ich eben auch, dass die Hunde früher wirklich gesünder waren und älter wurden.

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    Das Verrückteste was ich persönlich erlebt hab, waren Taubenzüchter (junge Leute, damals Anfang 20) die sind ein Zuchtpäärchen für 50.000,- (damals auch noch in Mark) gemeinsam gekauft haben und einen Vertrag htten, wer welche Nachzucht in Folge (Tauben leben immer nur zwei Eier) bekommt.... unfassbar und, einige Jahre später brachen in Hannover Leuts in eine Gartenlaube ein und verspeisten die dortigen Zuchttauben, aber auch um die 25.000,- € / Stück. Das war mit Sicherheit das teuerste Mahl ihres Lebens, ob sie davon gewusst haben?


    OMG!!! :lol:
    Makaber. Aber lustig...


    Die teuerste Taube die ich bisher in der Hand hatte war 1200 € wert (bzw war dafür gekauft worden). Ich weiß wohl, dass es Leute gibt, die fünfstellige Beträge für Tauben ausgeben, aber life hab ich solche Leute noch nicht kennengelernt und auch so ein Tier noch nicht gesehen.


    Eine mir bekannte Zwergspitzzüchterin hat sich ein Geschwisterpaar aus dem Ausland importiert als potenzielle Zuchttiere. Für beide zusammen 7000€ Kaufpreis. Dazu natürlich nochmal ein paar 100 € für den Transport, die Importpapiere usw, aber das fällt dann ja kaum noch ins Gewicht.
    Wenn man das bei den ungefähr meerschweingroßen Welpen mal in €/g Körpergewicht umrechnet, wow! :D

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    Ich hätte eine Frage speziell an die Greyhoundbesitzer.
    Ab wann oder ab welchen Temperaturen zieht ihr euren Hunden Mäntel an??
    Macht es einen Unterschied von wo sie herkommen ? Italien oder Irland oder sonstwoher.
    Vielen Dank im voraus.


    Meine Jungs (Lawrence, größtenteils Greyhound mit eventuell nem Schuss Salukin und eventuell noch was anderem) udn Robin (Renngrey) waren/sind aus Irland. Die mögen/mochten Kälte lieber als Wärme und weder wollten, noch brauchten sie nen Mantel.

    Lawrence hab ich einen angezogen als er ganz alt und klapprig war, aber ich hatte nie den Eindruck das er friert und er war da auch kein Fan von (hat immer versucht sich den an Büschen usw abzustreifen).
    Robin scheint ebenfalls nur selten zu frieren, eigentlich nur bei richtig wiederlichem Wetter, wenn es um die null Grad ist, der Wind waagerecht kommt und es dazu noch nieselt oder sowas. Ansonsten wird ihm auch im Winter unter nem Mantel eher zu warm (hechelt dann viel). Er soll jetzt zwar öfter mal einen tragen wegen seinen alten Knochen (Arthrose), aber vom Temperaturgefühl her bräuchte er es höchstens ein paar Tage im Jahr.

    Ich würd das nicht an der Temperatur festmachen, sondern daran wie der Hund sich gibt. Steht er klemmig da, hebt nen Pfötchen, guckt leidend? bewegt er sich steif? Kurz, sieht er aus als würde er frieren? Wenn ja, dann Mantel. Wenn nein, dann nein, es sei denn z.B. aus gesundheitlichen Gründen. Generell sind Greys da (für kurzhaarige Windhunde... ;) ) aber recht unempfindlich.

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    Mit einer Klage werde ich erst mal nicht weit kommen, denn dazu sind die VDH-Regeln da. Bin ich dort Mitglied, muß ich das erst mal akzeptieren. Diesen Paragraphen gibt es ja nicht von ungefähr!


    Nö, von ungefähr kommt das sicher nicht... ich denk das ist ursprünglich mal zur Sicherung von Marktanteilen auf dem Rassehundemarkt, zum Ausbau der Monopolstellung und zur Besserstellung im Wettbewerb mit anderen Rasseclubs so geregelt worden. Ob das heute noch rechtlich haltbar ist, weiß ich nicht (weiß ich wirklich nicht, ist nicht ironisch gemeint oder so). Gabs da nicht mal ein Verfahren vom Kartellamt gegen den VDH, aus dem sie nur um Haaresbreite rausgekommen sind? Einen Sinn dahinter sehe ich jedenfalls nicht und ich glaub auch nicht, dass da das letzte Wort schon gesprochen ist.
    Finde es jedenfalls ganz schön übergriffig von einem Hundezuchtverein jemandem vorschreiben zu wollen, welche Mixe und/oder nicht anerkannten Rassehunde er neben den FCI-anerkannten Rassen noch züchten darf bzw dass man eben außer FCI-anerkannten Rassen keine Hunde züchten darf.

    Wenn du das akzeptieren willst, ist das natürlich ok (und sicher nicht die verkehrteste Einstellung erstmal abzuwarten wie das geregelt wird!), aber nur weil's so geschrieben steht, ist es sicher nicht unanfechtbar, es war ja schon so manche Klage sowohl gegen den DWZRV als auch gegen den VDH erfolgreich.


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    Dankeschön! Anfangs hieß es, der wird um die 70 cm. Ares war der kleinste Rüde im Wurf...
    Marula, wie lange wachsen deiner Erfahrung nach Greyhounds in die Höhe?


    Ich hab selber noch keinen aufgezogen, daher kann ich aus eigener Erfahrung nix dazu sagen. Das Haupt-Größenwachstum ist so ca. mit 8-10 Monaten abgeschlossen, danach kommen wohl meistens nur noch so 1-3 cm und der Hund legt eher an Substanz zu. "Fertig" sind sie dann so mit 2-3 Jahren.

    Naja, solange die Hunde gesund und fit sind, einen angenehmen Charakter haben mit dem sie gut in der modernen Welt zurecht kommen und sich Abnehmer dafür finden, kann ich es nicht ganz so verwerflich finden.

    Klar, ich find's auch bizarr, wenn jemand nen Windhund ohne Jagdtrieb züchten will/anpreist, weil das nunmal für mich ein wesentlicher, unauslöschlicher Teil des rassetypischen Charakters ist. Da frag ich mich schon, warum man umbedingt so einen Hund will, wenn man grade das essentielle an der Rasse nicht haben will.

    Aber es gibt ja zum Glück genug Züchter, die das ebenso sehen wie ich und wo ich einen Hund kaufen kann.

    Das dann jemand anders was anderes toll findet und züchten möchte und andere Leute das ebenfalls toll finden und kaufen möchten, nimmt mir ja nicht die Butter vom Brot. Das kann ich seltsam finden, aber nicht wirklich schlimm. Fällt mMn mal wieder unter "leben und leben lassen".

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    Die "gute, alte Zeit"...hm ist für mich ne doofe Floskel..... Hat niemand behauptet, dass es damals besser war... die Menschen haben nur nicht so schnell nen Herzinfarkt bekommen, wenn es ums Thema Ernährung ging...


    Sie wussten auch nicht so viel über Ernährung (und viele andere Dinge) und weder Mensch noch Hund wurden damals so alt wie heute.

    Man muss Fütterung nicht zur Ersatzreligion machen, aber Wissen ist nie schlecht und "sich keinen Kopp machen und einfach füttern" ist mMn nicht der Weg zum gesunden, langlebigen Hund. Hunde sind recht flexibel was die Ernährung angeht und können mit verschiedenen Konzepten (von Komponentenfütterung incl. Essensreste über rein Fertigfutter bis Barf) bedarfsdeckend ernährt werden.
    Sie können auch mit suboptimalen Rationen lange gut laufen, sogar Leistung bringen und sich reproduzieren. Irgendwann rächt es sich aber idR doch.

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    Bei Merle-farbenen-Hunden gibt es ja auch immer mal wieder Dilute. Hier Grisu als Welpe (ich hab da leider kein besseres Bild auf die Schnelle gefunden und heute sieht man es nicht mehr): die helleren Bereiche sind dilute, nicht Merle:

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    Was der Hintergrund ist, weiß ich bei ihm nicht, krank ist er nicht (also er ist jetzt 7 Jahre alt und ich wüsste so keine Beeinträchtigung)


    Woher weißt du, dass das Dilute ist und nicht Merle? Merle-farbene Hundehaben doch auch regulär hellere und dunkelere graue Flecken, die aber nix mit Farbverdünnung zu tun haben.


    In dem Fellfarben-Thread hier im Forum hab ich es auch schon etliche Male geschrieben: Dilute kommt bei verschiedenen Windhundrassen vor und macht da keine großartigen Probleme, wenn überhaupt irgendwelche.
    Bei Whippets, Greyhounds ist es häufig, Galgo und Magyar Agar dürfen auch blau sein, sind es aber seltener, bei den Italienischen Windspielen ist es wohl die häufigste Farbe.
    Bei den Spielchen soll es angeblich echte CDA geben, aber das ist nicht "meine" Rasse. Super häufig ist es aber scheinbar auch da nicht.
    Bei den anderen Rassen habe ich noch von keinem seriös dokumentierten Fall gehört und ich hab wirklich schon öfter bei Züchtern usw rungefragt. Es gibt grade bei Greyhounds und Whippets drei andere Sachen, die bei diversen Farben vorkommen (Bald Thigh Syndrome, Schilddrüsenunterfunktion und Black Hair Follicular Displasia) und ebenfalls Haarverlust und Hautprobleme bewirken können, so dass es da mit Sicherheit in der Vergangenheit zu Falschdiagnosen gekommen ist wo man es sich einfach gemacht hat und dem Kind den Namen CDA gab nur weil der Hund blau und das der einfachste Schluss war.

    Auf die gängige Literatur die Whippet und Greyhound als von CDA betroffen listet gebe ich ehrlich gesagt nix, da taucht nämlich auch der Saluki auf und die HABEN nichtmal Dilute in ihrem Genepool - ich hab bisher erst einen Saluki auf Fotos gesehen der eventuell Dilute sein könnte, und der ist von der Abstammung her eher zweifelhaft. Und ich bin nun was Salukis angeht wirklich kein noob.

    Ich denk Grey und Whippet sind in die Listen einfach reingerutscht, weil man mal ne Weile angenommen hat, das automatisch alle Rassen die Dilute haben auch von CDA betroffen sind, was aber scheinbar nicht der Fall ist. Und der Saluki wird da reingekommen sein, weil die Leute die verschiedenen Windhundrassen nicht auseinanderhalten können.


    Naja, lange Rade, kurzer Sinn: Ich weiß nicht woran es liegt, aber Dilute macht nicht bei allen Rassen Probleme.

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    Aber, "damals", vor über zwanzig Jahren, hat man sich einfach keine Platte gemacht und meine Eltern sind mit Hunden aufgewachsen, aufm Land..... die Hunde fraßen ausschließlich Essensreste, zum Teil aus dem Schweinetrog und wurden alle alt und waren gesund.


    Das fett geschrieben bezweifele ich.

    Ich bin Tierärztin, auf dem Land, Kleintiere und Großtierpraxis. Ich kenne so einige Hunde, die heute noch so leben: Auf'm Hof mitlaufen, nicht groß drinnen (vielleicht mal in der Waschküche), billiges Fertigfutter und Essensreste, Koteletteknochen und Suppenknochen wenn welche über sind und halt was der Hund sich so aus der Melkammer und aus dem Schweinetrog holt, bei manchen ab und zu ne Maus.

    Manche davon sind gesund. Die meisten haben Zahnstein ohne Ende oder haben Zahnfrakturen vom Knochen kauen. Knochenkot oder knöcherne Fremdkörper sind nicht so selten. Durchfall bemerkt oft tagelang keiner, weil der Hund halt irgendwo hinscheißt und keiner das sieht. Allergien interessieren keinen, oft genug sehen diese Hunde eh total rattig und ungepflegt aus und stinken wie ne offene Jauchegrube, was aber keiner merkt, da die ja eh nicht ins Haus kommen. Wenn sie mal richtig wunde Stellen haben oder es irgendwo blutet, dann wird zum TA gegangen, sonst eher nicht.

    Alt werden tun manche, in welchem Zustand ist die andere Frage. Viele werden auch gar nicht so alt, weil sie Rattengift fressen, überfahren werden (entweder auf der Straße oder auf dem eigenen Hof mit dem Trecker), irgendwelche Verletzungen oder Krankheiten haben die den Besitzern zu teuer zu behandeln sind und die daher unbehandelt bleiben bzw wegen denen der Hund lieber gleich eingeschläfer wird.
    Dann schafft man sich nen neuen Hund an, der ist dann wieder total gesund. Bis er es nicht mehr ist und dann halt realtiv schnell das zeitliche segnet. Im Gedächnis bleiben die, die lange da waren, nicht die, die zwar sonst "total gesund" waren, aber leider mit fünf tot wegen Unfall. Und es ist auch einfach zu sagen "Unsere Hunde waren immer gesund!" wenn man lieber nicht so genau hinguckt (oder sich keiner so im Detail dafür interessiert) und sobald was ernstes ist nicht mehr viel Geld und Aufwand in den eventuell schon etwas älteren Hund steckt, sondern lieber gleich einschläfert.


    Ich halte diese These von wegen "Früher sind sie alle mit Essensresten [und je nachdem von welcher Zeit man redet mit günstigem Trofu] kerngesund gewesen und alt geworden!" für romantischen Quatsch. Weder trifft das auf Straßenhunden und "robust" gehaltene Hunde in anderen Teilen der Welt zu, noch trifft das auf die heute in Deutschland noch annähernd so gehaltenen Hunde zu.
    Da idealisiert doch mancher eher seine Kindheit oder die "gute, alte Zeit", glaube ich.