Darauf spielte ich an, als ich sagte, dass der Sinn und Zweck einer Züchtung der Wunsch des Menschen nach dieser Züchtung ist. Und da ein "ein für alle Mal aus der Welt schaffen" zu einer Abschaffung der Rassen führen würde (wenn ich deine Aussage richtig interpretiere), haben wir mit einer solchen Forderung überhaupt eine Diskussionsgrundlage.
Nein, du hast meine Aussage nicht richtig interpretiert. Ich rede von den einzelnen Merkmalen, die man loswerden sollte, nicht von der ganzen jeweiligen Rasse.
Wenn man natürlich die Rasse nur über ein (oder ein paar) übertypisierte bzw Qualzuchtmerkmale definiert und findet, dass ein XY ohne diese Merkmale kein XY mehr ist, dann, ja dann muss man wohl von "aussterben lassen" reden.
Für mich wäre ein Cattel Dog oder Dalmatiner mit ner anderen Farbe oder zumindest ohne die Extremscheckung (mit größeren Farbflecken) immer noch ein ACD oder Dalmatiner, ein Ridgeback ohne Ridge immer noch ein Ridgeback, ein CCD in der Powder Puff Variante ist immer noch ein CCD und ein Frenchie oder ne EB mit einem richtigen Fang und ner Rute und etwas normaleren Proportionen (etwas breiteres Becken, proportional kleinerer Kopf) immer noch ein Frenchie oder ne EB.
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[...]obwohl mit dieser phänotypisch unauffälligen Variante eine Erbkrankheit mitgeschleppt wird, die offenkundig mit der Optik zusammen hängen muss?
Wenn das denn so offenkundig wäre, wenn man das wüsste oder einen gut begründeten Verdacht hätte, dann wäre das nicht ok, dann wäre es ebenfalls Qualzucht, weil man dann für Äußerlichkeiten bewusst Leid in Kauf nimmt.
Aber eben DAS ist ja der Unterschied, bei den "gewöhnlichen" Erbkrankheiten, von denen fast jede Rasse welche mit sich rumschleppt, ist KEIN direkter Zusammenhang von Exterieur und Krankheit gegeben wie bei den oben genannten Beispielen, auch kein vermuteter.
Zucht in geschlossenen Populationen mit viel zu kleiner Ausgangspolulation und mit Zuchtmethoden, die die genetische Vielfalt noch weiter einschränken und die Ausbreitung von Erbkrankheiten begünstigen, ist ebenfalls ein diskussionswürdiges Thema.
Aber es ist ein anderes Thema.
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Es mag sein, dass einige die kurzen Nasen nicht schön und nicht erstrebenswert finden und andere lange Schlappohren überflüssig und unschön finden, aber solange ein anderer lange Ohren und kurze Nasen erstrebenswert findet, muss ein Mittelweg gefunden werden. Die Freiheit des einen Menschen endet dort, wo die Freiheit des nächsten anfängt.
Ich finde ehrlich gesagt nicht, dass immer ein Mittelweg zwischen allen menschlichen Geschmäckern gefunden werden muss. Kreative Zuchtarbeit und persönlicher Geschmack sind eine Sache, das Recht des Hundes auf Freiheit von Schmerzen/Leiden/Schäden das andere.
Ich hab die Tage mit der Züchterin meines Junghundes gesprochen, unter anderem auch über dieses Thema. Sie hatte auch ein schönes Beispiel parat für einen Hund dem was wesentliches fehlt, der aber nicht erkennbar leidet, passt an dieser Stelle ganz gut:
Ihr Zwergdackel hat vor ein paar Jahren ein Stück Stoff zerbissen, dabei hat sich ein Bindfaden um seinen Zungengrund geschlungen und die Blutzufuhr abgeschürt, wodurch die Zunge abgestorben ist. Als es entdeckt wurde, blieb leider nur noch die Amputation, er hat jetzt nur noch einen Zungenstummel.
Der kommt bestens klar. Fressen und trinken sind eine kleine Schweinerei, weil er halt ohne Zunge ein bisschen mehr rumkleckert. Putzen kann er sich auch nicht so gut, man muss halt ab und zu mal den Hintern sauber machen und ihm nach dem Fressen von Nassfutter die Schnauze sauberwischen.
Aber sonst - ein ganz normales Hundeleben, sehr gute Lebensqualität, aktiv und fröhlich und alles, wenn man nicht direkt ins Maul guckt oder ihn beim fressen beobachtet, würde man nie auf die Idee kommen, dass da was außer der Norm ist.
Wäre es jetzt ok, Hunde ohne Zunge zu züchten, weil die ein anderes Merkmal haben was einem besonders gefällt, zu Beispiel ein klasse Wesen oder eine besondere Fellzeichnung? Offensichtlich leidet ein Hund ohne Zunge ja nicht und lebt genauso wie alle anderen Hunde!
Ode sollt man da vielleicht lieber einen Kompromis eingehen und Hunde mit wenigstens kleinen Zungen züchten, sagen wir halb so groß wie normal, damit alle Geschmäcker befriedigt werden können und nur niemand in seiner Freiheit begrenzt wird? *vorsicht, Ironie*