Meine ehemalige Hündin ging nach vorne, wenn sie massiv bedroht wurde [...]
Hatte sie in einem Café mit dabei, also alle drei Weiber. Der Kellner kommt, stellt die Getränke ab, fragt noch nicht mal wegen den Hunden, kommt später wieder, fragt ob wir noch was brauchen, sieht die Hunde, breitet die Arme aus, baut sich auf und macht einen schnellen Ausfallschritt nach vorne direkt auf meinen Hund, später mit der Begründung er wollte spielen.
So schnell wie meine Hündin unter meinem Stuhl hervorgeschossen kam und nach ihm schnappte (sie hat nie wert darauf gelegt Menschen dann zu beisen) konnte ich nicht reagieren. Auf den Hund war ich nicht böse, aber der Kellner hat einen Einlauf bekommen, inklusive Beschwerde beim Chef, der der Meinung war, sowas muss ein Hund tolerieren, dass seine Mitarbeiter den Hund massiv bedrohen.
Der letzte Besuch in dem Laden.
Das Verhalten des Kellners findest du eine massive Bedrohung?
Der Hund findet das vielleicht schon, aber der ist ein Hund. Wenn du weißt, dass deine Hündin sowas als "massive Bedrohung empfindet" und dann vorwärts statt rückjwärts geht (was ja auch eine Option wäre und viele Hunde machen), dann bist DU in der Pflicht sie zu sichern und sie gegebenfalls nicht in solche Örtlichkeiten mitzunehmen, nicht der Kellner ist in der Pflicht, sich hundekompetent zu benehmen.
Wenn du es bis dahin nicht wusstest und dich jetzt entsprechend verhälst, will ich nix gesagt haben.
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Ich find wie viele andere auch, dass es pauschal nicht den gefährlichen Hund gibt oder einen bestimmten Punkt, an dem man sagen kann, hier ist es erträglich, aber ab da wird es richtig schlimm.
Ziemlich kribbelige Hunde können, richtig gehalten und geführt, völlig unauffällig vor sich hinleben, relativ einfache Vertreter können sehr unangenehm und auch wirklich gefährlich werden, wenn sie in inkompetenter Hand sind.
Ich bin aber nicht der Meinung, das Problemverhalten immer nur menschgemacht ist und jeder Hund in Grunde ein Engelchen ist, nur missverstanden und falsch behandelt.
Ich kenn schon so einige Hunde, die von ihrer Grundveranlagung her einfach gefährlicher sind als andere, im Sinne dessen, das sie in Konfliktsituationen eher nach vorn tendieren als die Flucht anzutreten und dass sie eine niedrigere Reizschwelle haben, also schneller und ungehemmter zubeißen.
Für machen Zwecke für die man einen Hund braucht oder früher brauchte, mag das super gewesen sein, machen Leute können damit auch umgehen, viele können es nicht. Deswegen sind das keine völligen Erziehungsversager oder dumme Ignoranten, die den armen Hund versaut und erst gefährlich gemacht haben. Die Leute wären mit einem einfacheren Hund ohne weiteres klargekommen und der Hund ist einfach, wie er ist.
Ich persönlich ziehe die Grenze dessen, was ich tolerieren würde, beim beißen in der eigenen Familie (also den Leuten, die dauerhaft mit dem Hund zusammenleben, nicht Großonkel Robert der einmal im Jahr zu Besuch kommt).
Ich gehe dabei nicht vom Fall aus, dass der Hund es schlecht hatte, ihm kein Rückzugsort gegönnt wurde, sein Futter wegen irgendwelchen Alphatheorien weggenommen wurde, er von den Kindern gequält wurde etc, wenn das so ist, dann gibt's ja Gründe und es gibt noch Parameter an denen man schrauben kann.
Aber z.B. heftigste Ressourcenverteidigung gegenüber engen Familienmitgliedern mit Arzt-/Krankehausreifen Bissverletzungen, ohne dass der Hund jemals Not leiden musste, einzig und allein weil man vielleicht verpasst hat ihm in jüngerem Alter klarere Grenzen zu setzen oder weil er einfach so ein starker Charakter ist - würde ich nicht haben wollen.
Ich will in meinem eigenen Zuhause nicht ständig irgendwelche Sicherheitsprotokolle beachten müssen, um nicht den Hund in der Hand hängen zu haben. Hätte ich so einen Hund und nicht zufällig jemanden an der Hand, der ihn übernehmen würde, ich würde den einschläfern. Zum Glück sind solche Hunde eher selten...
Agression Fremden gegenüber könnte ich in meinem Leben ganz gut händeln, Aggression gegenüber anderen Hunden, da kann man den Hund eventuell auf einen Einzelplatz geben und dann wird der halt mit nem stabilen Maulkorb und anderer vernüftiger Ausrüstung gesichert und man ist auf der sicheren Seite.
Könnte ich mit leben bzw finde ich keinen Grund, den Hund zu töten. Beschädigendes Beißen gegen mich und enge Familienmitglieder - da ist Sense.
Und auch bei Hunden, wo es einen guten Grund dafür gibt, warum sie sind, wie sie sind und die in kompetenter Hand vielleicht ganz gut und ungefährlich leben könnten, muss man einfach sagen, dass kompetente Hände leider rar sind.
Gnadenhof schön und gut, wenn man solch einen Platz hat und das wirklich nicht bloß Abschiebehaft ist, sondern noch Lebensqualität hat, gerne.
Ich hab auch garantiert nix dagegen, wenn sich jemand den schlimmsten, bissigsten Asi-Hund aus dem Tierheim holt und den Rest seines Lebens damit verbringt, den zu resozialisieren oder wenigstens für die Gesellschaft ungefährlich und für den Hund unter lebenswerten Bedingungen zu halten, im Gegenteil! Gut für den Hund und wenn's das ist, was die Leute glücklich macht, ist doch super.
Leider gibt's solche Plätze und solche Menschen nicht für alle Hunde die sie nötig hätten und ich finde, wenn man so einen Hund hat und sich klar wird, dass man da selber nicht mit umgehen kann, ihn nicht länger behalten will und auch niemanden weiß, der ihn haben will und der damit umgehen kann (einschließlich einschlägig erfahrenen TS-Orgas, die ja idR auch an der Grenze ihrer Kapazität arbeiten), dann ist man es der Gesellschaft, aber irgendwo auch dem Hund schuldig, ihn eher einzuschläfern als ihn als gefährlichen Wanderpokal an irgendjemanden weiterzugeben.