Durch viel Erfahrung!
Ich muss abschätzen können, welche Leistung der Hund bringen kann. Was er kennt, was noch nicht, welche Situationen er noch nie durchlaufen hat etc. Ich muss die Witterung, die Umgebung, die Gemütslage des Hundehalters, das momentane Verhalten des Hundes, der Boden, den Wind etc. etc. alles in Zusammenhang bringen. Denn daraus entsteht am Ende die Schwierigkeit eines Trails.
Ich muss wissen, wie das Training des Paares aussieht. Was haben sie die letzten Wochen gearbeitet. Braucht es wieder mal eine Pause, ein paar Wochen nur Motivations-Trails von 100m, oder haben sie jetzt länger nur einfache Sachen gemacht und brauchen wieder mal eine Herausforderung? Haben sie seit Wochen nur in der Stadt trainiert und sollten dringend wieder mal auf weichen Boden? Hatten sie in letzter Zeit einige Knacknüsse zu lösen und brauchen dringen einfache Aufgaben?
Ich muss wissen, was Hunden im Allgemeinen Mühe bereitet auf einem Trail. Ich muss wissen, welche kleinen Dinge ich verändern kann, um einen bubieinfachen Trail in einen extrem anspruchsvollen zu verändern. Ich muss wissen was er für ein Typ Hund ist, wie viele Trails er schon gelaufen ist, was für ihn die momentanen Schwierigkeiten sind. Ich muss wissen was dem Hundehalter Mühe bereitet (denn das gibt er an den Hund weiter).
Und sowieso das Schwierigste und Wichtigste: starten. Das kann man nicht zu oft üben, darauf kann man nicht zu viel Wert legen. OHNE START KEIN TRAIL - so einfach ist das. Aber eben auch so schwierig.
Grunsätzlich kann ich nach 8 Jahren intensivstem trailen und seit einem Jahr jede Woche 20 Hunde auf dem Trail coachen und beobachten sagen: die meisten Hunde werden überfordert, ohne dass sich das jemand bewusst ist. Das ist in keinster Weise böse gemeint, sondern eine Beobachtung. Einfach aus der Tatsache heraus, dass viele Hundehalter sich nicht bewusst sind, welche immensen Anforderungen an einen Hund gestellt werden, wenn er auf dem Trail läuft.
"Das sind ja nur ein paar Minuten schnüffeln" - wie oft liest und hört man das....
Was ich mit meinen Schützlingen sehr gerne mache:
Wir stellen uns an einen Punkt, irgendwo. Das kann im Wald sein, an einer Strassenkreuzung im Dorf, an einem Feldweg mit Bach daneben, was auch immer. Und dann sollen alle aufzählen was sie sehen und hören und evtl. riechen. Den Meisten geht dann plötzlich ein Licht auf, wie viele Inputs jede Sekunde auf einen Hund einstürmen, welche Wahnsinnsleistung ein Hund erbringt wenn er eine Spur verfolgt. Was er alles filtern und aussortieren muss.
Aber das realisiert man erst mit der Zeit, je länger man trailt, je mehr Hunde man laufen sieht.
Dann lernt man auch abschätzen, was für einen Hund schwierig ist, und was einfach. Ob er überfordert ist, oder ob es zu oft zu einfach ist. Wobei das mit dem zu einfach relativ ist, denn oft denkt man der Trail sei einfach und Hund und Mensch haben dann richtig was zu beissen - ich habe gestern einen 50m kurzen Trail gelegt - gespickt mit 3 sehr schwierigen Aufgaben für Hund und Mensch. Kann man drüber lächeln - 50m - ist ja nichts. Die 50m hatten es aber gehörig in sich.
Viele denken ja, die Länge macht es. Aber die Länge ist Übungssache, das kommt mit der Zeit, die Konzentration und die Kondition kommen mit der Zeit.
Aber die Schlüsselstellen - um die geht es. Und die können 20m nach dem Start schon auftauchen - oder sogar direkt beim Start (das wäre dann das Schwierigste was es gibt).