Hey, Usambaraveilchen (süßer Name ;-) ),
erstmal ruhig Blut.... ;-)
Erstmal ist es doch wichtig, zu wissen, daß der Hund wichtige Dinge schon beherrscht.
es ist vollkommen normal, daß ein Hund beim neuen Besitzer erstmal kleine Brötchen backt und sich von der besten Seite zeigt: immerhin weiß er ja net, inwieweit mit Euch gut Kirschen essen ist oder auch nicht, da sind sie immer eher mal handzahm. Und je mehr sie merken, ihnen geht´s da ganz gut, und haben das Gefühl, sie können einen einschätzen und brauchen keine Angst zu haben bei Euch (was ja an sich ein gutes Zeichen dafür ist, daß er sich erstmal wohl fühlt bei Euch!), desto mehr zeigen sie ihr wahres ICH und testen mal Grenzen aus. Einfach, um herauszufinden, was geht, wie weit sie mit einem gehen können.
Will heißen, jetzt einfach ganz vorsichtig sein, immer darauf bestehen, daß ein Kommando ausgeführt wird. Sagst Du z.B. Sitz, und er macht´s net, bleibst einfach stehen, starrst ihn an (á la "Ich warte, mein Freund!!!"), und gibst ihm Zeit, sich zu setzen. Evtl. mal räuspern und wenn das net hilft, ein zweites Mal das Kommando, etwas strenger vielleicht (aber net 100 Mal, sonst lernt er, daß er beim ersten Mal nicht zu gehorchen braucht). Besser vielleicht noch, kurz mit dem Finger den Poppers antippen, damit er einfach merkt, Du bestehst auf der Durchführung des Kommandos. Bevor ein Kommando nicht befolgt wurde, gibt´s künftig eben für ihn kein Weitergehen, kein Leckerli, kein nix - sprich, er kommt einfach mit Nichtbefolgen von Kommandos nicht zum Ziel. Will er zu nem anderen Hund, darf er das - wenn er vorher Dein Sitz/Platz/Pfötchen- (oder was auch immer)-Kommando befolgt hat. So lernt er, daß Du auf nem Kommando bestehst und lernt, Dich ernst zu nehmen, und sich an Dir zu orientieren, weil er nur über Dich ans Ziel kommt. DU hast die "Macht", die Freigabe zu erteilen, daß er hin darf, DU bist der Schlüssel zum Erfolg für ihn, ohne Dich kommt er nicht hin zum anderen Hund oder wasauchimmer er grad wollte.
Abgesehen davon, kennt er Dich ja seit 2 Wochen auch noch nicht allzu lange. Da muß auch erst eine Beziehung zu Dir wachsen, um auch das Vertrauen haben zu können, daß Deinen Kommandos nen Sinn haben. Sprich, solange Du für den Hund noch ein "Fremder" bist, warum sollte er Dir folgen? Meine Hunde befolgen auch kein Sitz-Kommando von "irgendwelchen Passanten". Daß der Hund jetzt zu Euch gehört, und Ihr künftig tonangebend seid (sein solltet *gg), das merkt er ja erst nach ner Zeit. Weil er längere Zeit bei Euch bleibt, und weil ihr Eure Kommandos durchsetzt. Und eine Beziehung entsteht auch net von heute auf morgen. Das passiert im Laufe der Zeit. Wenn Ihr immer berechenbar für den Hund seid, kann er Vertrauen aufbauen, wenn Ihr mit ihm spielt oder arbeitet (Nasenarbeit oder was auch immer), lernt Ihr Euch gegenseitig kennen und lieben, und so entsteht im Laufe der Zeit eine richtige Beziehung. Und dann orientert sich der Hund automatisch mehr an Euch.
Dazu würde ich auch jeden Ansatz dazu, sich an Euch zu orientieren, bestätigen. Z.B. Blick zu Euch --> "Feiiiin!" quietschen, und wenn er dann sogar rankommt, Leckerli/Spieli rausziehen. Einfach, um ihm zu "verklickern", daß Ihr jetzt diejenigen seid, auf die er zu achten hat.
Kommandos würde ich derzeit erstmal nur geben, wenn ich weiß, er wird sie befolgen, oder ich kann sie durchsetzen - damit gar nicht erst der Gedanke aufkommt, er können selbst entscheiden, wann er er Kommando befolgt. Spielt er grad mit nem anderen Hund, würde ich ihn erstmal nicht abrufen. Rennt er gerade zu nem anderen Hund, und Du weißt, der ist interessanter als Du, ruf ihn nicht, sondern geh hin, entschuldige Dich notfalls bei dem anderen HH, und nimm Deinen Hund wieder mit. Rennt Dein Hund aber gerade auf Dich zu, dann ruf ihn und bestätige ihn freudig, wenn er da ist. Sprich, wie ich´s in nem Buch gelesen habe: "Wenn Du 1.000,-€ darauf setzen würdest, daß Dein Hund jetzt kommt, dann ruf ihn ab!" Weil Du dann sichergehen kannst, daß das Kommando befolgt wird (er ist ja schon am Rennen), und nicht riskierst, umsonst zu rufen, ohne daß das Nichtbefolgen durch den Hund Konsequenzen hat, weil er gerade nicht mehr in Deinem Einwirkungsbereich ist. Wie beim Welpen halt: kommt er grad, dann Kommando und bestätigen, damit´s die richtige Verknüpfung gibt. Geht der Hintern schon fast ins Sitz von alleine, dann schnell SITZ dazusagen und sofort belohnen. So passiert es, daß er ne Zeitlang alle Deine Kommandos befolgt, und damit jedesmal Erfolg hat, weil´s von Dir bestätigt wird.
Solange er das mit dem Rückruf austestet, würd ich ihn unterwegs an die Schlepp nehmen. Weil Du sonst keine Chance hast, ihn wiederzuholen, wenn er abhaut. Sprich, er rennt vielleicht weiter, wenn Du rufst, kann dies aber nur bis zum Ende der Schlepp tun. Dann holst die Schlepp ein (oder besser noch: läufst auf der Schlepp zu ihm), holst ihn zu Dir her, und sagst dabei KOMM. Wenn Du mit ihm zusammen wieder an der Stelle bist, von wo aus Du ihn gerufen hast, kannst weitergehen in die gewünschte Richtung, oder er kriegt die Freigabe, weiterzulaufen.
Wichtig (den Fehler machen viele!): nicht immer, wenn Du ihn herrufst, nur noch an die Leine nehmen, heimgehen, oder so. Das hätte zur Folge, daß er verknüpft, wenn Du ihn rufst, ist grundsätzlich der Spaß vorbei. Infolgedessen würde er irgendwann überhaupt nicht mehr kommen, weil sonst ist ja der Spaß gleich vorbei, und Du hast künftig recht "lustige" Spielchen und Deine liebe Not beim Einfangen. Will heißen, Du rufst ihn anfangs zu 90 Prozent nur dann, wenn Du grad mit ihm spielen möchtest, rausgehen möchtest, ihm ein Leckerli reinstopfen möchtest etc., und max. 10 Prozent, um ihn anzuleinen und ein Spiel zu beenden. Zu Dir kommen muß toll sein! Und selbst dann würde ich, wenn er gekommen ist, erstmal ne Runde Leckerlis werfen für´s Kommen, oder etwas spielen (Zerrspiel o.ä.), bevor die Leinen an den Haken kommt, oder auch, sobald er angeleint ist, wenn Du sichergehen willst, daß er nicht wieder losrennt. Und evtl. dann auch für´s Anleinen loben, und freudig zusammen weitergehen. Nicht "So, Ende des Spiels, wir gehen heim!" von der Ausstrahlung her, sondern eher mit "Super, das war schön, jetzt gehen wir zusammen weiter!" im Hinterkopf. Dann wird das Anleinen und angeleint-Laufen auch positiv sein/bleiben.
Du fragst:
Was soll ich mit ihm üben? Er weiß doch, wie es geht.
Klar - dann besteh einfach darauf, daß er das Geforderte auch macht, wenn Du sicher bist, er kann es.
Ansonsten check bitte auch nochmal, ob Du evtl. in dem Moment zu viel von ihm forderst. Wenn ich z.B. mit meinem Jagdhund unterwegs bin, und fordere Fußgehen, während gerade ein paar nette Rehe auf der anderen Seite der Wiese spazierengehen, köööönnte es durchaus sein, daß meine Anforderung, Fuß zu gehen, ihn in der Situation "leicht" überfordert, obwohl er das Fuß an sich schon gut kennt, verstehst Du? Vielleicht ist die Ablenkung in dem Moment für den Hund noch zu groß, weil er etwas Aufregendes sieht, sodaß er das Rückrufkommando in dieser Situation gar nicht befolgen kann. Da mußt eben aufmerksam die Situation angucken - wo klappt´s, wo nicht, woran könnte es liegen. Wenn tatsächlich die Anforderung/Ablenkung zu groß ist, einfach nochmal nen Schritt zurückgehen, in ruhigerer Umgebung Kommando festigen. Ist der hund evtl. gerade unter Streß, weil der Lieblings-Freund entgegenkommt, kann er das SITZ vielleicht in dem Moment einfach vor lauter Aufregung nicht umsetzen.
Wie alt ist der Kerle eigentlich, vielleicht kommt er auch grad in die Pubertät, das ist ja auch so ein Alter, wo sie noch zusätzlich ein bisserl antesten, was geht beim Halter.... Muß man auch berücksichtigen.
Du schreibst:
Aber ich kann ihn ja auch nicht einschüchtern, er soll ja selbstbewusst sein.
Das siehst Du ganz richtig, bloß net einschüchtern. Respekt bekommt ein Hund, wenn Du Dich als verläßlicher Partner zeigst, immer souverän und ruhig reagierst, und immer Deine Kommandos durchsetzt. Wenn Du also berechenbar für den Hund bist, vorhersehbar. Wenn er weiß, Kommandos befolgen lohnt sich bei Dir immer, Nichtbefolgen wird von Dir nicht akzeptiert, dann bestehst Du auf Durchführung des Kommandos. Wenn er weiß, was von ihm verlangt wird, wo seine Grenzen sind (respektive Deine Grenzen, sprich, was läßt sie durchgehen, was nicht), und wenn Du eine klare Körpersprache hast, die ihn nicht verunsichert (weil sie nicht zum Tonfall paßt z.B., sprich, Du bist sauer, versuchst ihn aber mit Piepsstimme anzulocken - das merken die ganz schnell).
Du schreibst:
Jetzt liegt er unter meinem Tisch und ich habe gar keine Lust ihn zu streicheln.
Hey, das ist ein Hund. Der weiß nicht, was er falsch macht, der macht das auch nicht mit Absicht. Es wird Deine Aufgabe in der nächsten Zeit sein, ihm zu zeigen, was Du von ihm möchtest, und was nicht. Das weiß er einfach noch nicht, insofern kannst Du ihm das nicht nachtragen.
Die Devise heißt: erst dem Hund zeigen und beibringen, was Du willst (nicht auf´s Sofa, Sitzen vorm Fressen, oder fragen, bevor er auf´s Bett darf etc. - einfach Deine Hausregeln, wie auch immer Du sie künftig haben möchtest). Und erst, wenn er die kennt, kannst Du darauf bestehen, daß er sie befolgt, und ihn dann z.B. vom Sofa schicken, wenn er ohne zu fragen draufgegangen ist, o.ä.
Wenn Du jetzt sauer bist auf ihn, kann er das überhaupt nicht verstehen, weil er ja nichts "verbrochen" hat in seinen Augen. Das wird ihn verunsichern, und das ist doch genau das, was Du nicht möchtest oder? Eine Strafe kann der hund max. innerhalb von 2 Sekunden richtig verknüpfen, wenn Du ihn im Liegen ignorierst, verknüpft er bestenfalls, daß es Dir nicht gepaßt hat, wo oder daß er jetzt liegt. Ist ja nicht das, was Du ihm damit sagen möchtest, oder? ;-)
Also, gib Deinem Herzen in solchen Situationen einen Schubs, nimm die Kröte einfach in den Arm und knuddel ihn durch. Und dann, wenn Ihr beide wieder gut drauf seid, könnt ihr austesten, was er alles schon kann: ein Sitz, das er befolgt, oder ins Körbchen schicken lassen, und gleich wieder hingehen und streicheln, was ganz Kleines, wo Du weißt, er kann es schon, sodaß er es befolgen wird und nen Erfolg hat, und du auch. Dann geht´s Dir gleich wieder besser, glaub mir ;-) Der ist erst 2 Wochen bei Dir, gib ihm ein bißchen Zeit, Dich kennenzulernen, und nimm es nicht persönlich, wenn net gleich alles klappt. Du hast doch auch nicht mit 5 Jahren Deinen Schulabschluß in der Tasche gehabt, oder? *gg
Je nachdem, was der Hund vorher kennengelernt und erlebt hat, überforderst Du ihn im meinen Augen mit Deinen Ansprüchen ein wenig, verlangst zu viel von ihm, und das wird auf Dauer nur zu Frust auf beiden Seiten führen. Stell Dir das echt so vor wie hier schon geschrieben: Hund ist auf Grundschulniveau. Er kann zwar zählen, aber noch kein Wechselgeld rausgeben, das muß er erst lernen (bitte im übertragenen Sinn sehen, gell.... *gg). Er kennt Buchstaben, kann aber noch keinen Text lesen. Das muß er erst lernen und üben. Also: nimm Dir nen Schreibtisch und ein Buch, und erklär´s dem Schüler. Sprich, übertragen auf den Hund: nimm die Leine, geh mit ihm raus, erklär ihm/zeig ihm, was Du möchtest. Er wird´s gerne tun, wenn er verstanden hat, was Du möchtest, und er wird sich mit Dirzusammen über jeden Erfolg freuen. Aber leg ihm halt net gleich die Abi-Prüfung vor, bevor Du ihm lesen beigebracht hast. Einen Hund zu holen bedeutet immer viel Arbeit, ihm seine Welt zu zeigen, Deine Regeln zu erkären, selbst wenn er schon vom Vorbesitzer zum Begleithund ausgebildet wurde. Du hast eine andere Sprache, andere Gesten, andere Regeln daheim, all das weiß und kennt er noch nicht. sei geduldig und zeig sie ihm, und Ihr werdet viel Spaß dabei haben und viele kleine Erfolge sehen. Ein Hund wird nie fertig sein, man kann ihm immer wieder was beibringen, alte Dinge auffrischen, mal ist er gut drauf, manchmal schlecht, wie wir Menschen halt auch, mal hat er Lust, zu arbeiten oder zu gehorchen, manchmal net. Vielleicht hat er grad Kopfschmerzen oder das hündische Äquivalent dazu, und mag deswegen grad net folgen, evtl. tut der Rücken/die Hüfte weh beim hinlegen und das PLATZ wird deswegen nicht befolgt. Auch Hunde sind nur Menschen..... *gg und wenn ein Hund ein Kommando nicht befolgt, hat´s nen grund: seine Migräne, nicht verstanden, nicht gelernt, Ablenkung zu groß u.v.m. - und es ist Deine Aufgabe und Verantwortung, die Ursache herauszufinden, und darauf einzugehen, und das Training anzupassen - der Hund kann´s ja nicht.
Also - auf geht´s das schaffst Du schon! ;-) Gut Ding will Weile haben, aber das wird, nur Mut!