Wenn ich richtig gelesen habe, ist dein Hund nun ein gutes Jahr alt, oder?
1. der ist vermutlich so richtig schön in der Pubertät
2. es ist in meinen Augen ziemlich schwierig, die Begeisterung für etwas zu wecken, wenn man dem einen ziemlich großen anderen Reiz gegenüberstellt.
Der Platz, die Gerüche auf dem Platz, die anderen Hunde sind momentan ein extrem großer anderer Reiz. Sich daneben auf etwas so "Langweiliges" wie Grundgehorsam zu konzentrieren, darauf hat er verständlicherweise keine Lust. Also gibts zwei logische Konsequenzen. Der Hund muss erstmal in einer reizärmeren Umgebung lernen, dass Grundgehorsam nicht langweilig ist, sondern SAUSPANNEND!
Außerdem muss der Hund in kleinen Sequenzen lernen, sich auf den Halter zu konzentrieren, auch wenn andere Reize vorhanden sind.
Und erst, wenn man da grundlegende Arbeit geleistet hat, führt man beides zusammen.
Du hast richtig bemerkt, ich hab auch einen Labrador. Und ja, die stand eine Zeitlang auch schnüffelnderweise auf dem Platz und fand alles spannender als mich, vor allem die Frage, ob andere Halter nicht vielleicht den ein oder anderen Keks verloren haben könnten. Also haben wir uns ein Weilchen vom Platz ferngehalten und ich habe an "langweiligen Orten" (im Wohnzimmer, im Hof, im Garten), an denen es nicht mehr allzuviel zu schnüffeln gab, die zu trainierenden Dinge mit ganz viel Spaß, mit ganz viel Abwechslung und mit vielen vielen Keksen neu aufgebaut. Irgendwann hatten wir den Punkt erreicht, an dem ich nur fragen musste: "Maja willst du arbeiten?" und der Hund stand vor Begeisterung Gewehr bei Fuß, weil sie wusste, dass nun was Tolles folgt. Und erst dann habe ich die Übungen auf andere Gebiete mit mehr Reizeinflüssen übertragen. Und auch da hat sie gelernt, dass das superspannend ist und dass nichts anderes so spannend ist wie die Arbeit mit mir. Begleitend haben wir viel Impulskontrolle gemacht. Konzentrationsübungen, bei denen der Hund gedanklich bei mir bleiben sollte oder kurz gedanklich zu mir kommen sollte, bevor sie dem anderen Reiz folgte.
Erst dann würde ich vom Hund einfordern, dass er unter großer Ablenkung den Gehorsam abrufen kann.
Von "Zwingen" via Nahrungsentzug halte ich nichts. Will ich, dass mein Hund motiviert mitarbeitet und das dauerhaft, muss ich dafür sorgen, dass er von sich aus Spaß daran hat und das nicht alles nur tut, weil er Hunger hat. Man kann sich die Verfressenheit eines Hundes ja gerne zu Nutze machen, ebenso den Spieltrieb, aber den Hund zu "zwingen", das muss nciht sein, wenns auch anders geht.
LG, Henrike