Nun, ich bin noch nie in die Bedrängnis gekommen, dass mein Hund mich ernstlich gebissen hätte.
Sie hat mich einmal mit den Zähnen fies erwischt, man könnte vielleicht auch sagen, gebissen, als sie in einem Stromzaun hing und völlig panisch war. Als ich sie da befreien wollte, haben meine Finger was abbekommen.
Das war eine Situation, in der ich nicht auf die Idee gekommen wäre, was von Vertrauensbruch oder sonstwas zu faseln, weil sie schlichtweg nichts dafür konnte und mit Sicherheit nicht absichtlich nach meinem Finger geschnappt hat, sondern einfach nur in ihrer Panik wild um sich gebissen hat.
Ansonsten bin ich nicht sicher, wie ich reagieren würde. Ich habe das große Glück, mit meinem Hund so ziemlich alles machen zu können, ohne dass sie mir das krummnähme oder mich deswegen attackieren würde. Einfach, weil da ein unheimliches Vertrauen da ist. Wäre das nun also von heute auf morgen anders, hätte ich mit Sicherheit auch daran ganz schön zu knapsen. Aber darum würde ich sie wohl auch komplett auf den Kopf stellen lassen, ob es dafür bestimmte Gründe gäbe.
Und irgendwo habe ich schon ein wenig Verständnis, wenn jemand bei einem "gezielten" Biss von Vertrauensbruch spricht, vielleicht nicht auf der rationalen Ebene, aber manchmal kann man ja dann doch nicht aus seiner Haut und sieht die Dinge emotional anders... Zumal ich mir da auch vorstellen kann, dass da auch viel die eigene Enttäuschung mit reinspielt. Die Enttäuschung über sich selbst, dass man das nicht hat kommen sehen, die Enttäuschung, dass man das vielleicht auch falsch eingeschätzt hat, die Enttäuschung, dass der Hund einem vielleicht doch nicht so sehr vertraut, wie man erwartet/gedacht/gehofft hat. Und Enttäuschung ist nunmal kein guter Ratgeber, wenn es darum geht, Situationen so objektiv wie möglich zu betrachten.
LG, Henrike