Tolles Thema, danke 
Mir nerven diese Hundehalter auch, die Gehorsam aus Prinzip erwarten. Die mit Argumenten aufwarten wie "er hat zu folgen" "er muss weil ich es will" - diese Leute sollen sich doch Bitte einen Robodog kaufen, den kann man programmieren (oder auch manchmal nicht, aber das führt jetzt hier zu weit
)
Aber:
Ich erzieh meine Hunde ja nicht weil endlich mal was zu sagen haben will im Leben. Ich erzieh sie ja, damit das Zusammenleben überhaupt funktioniert in unserer denaturierten Umwelt.
Kommandos brauch ich da eigentlich nur ein Einziges: das Abruf-Kommando - das muss immer funktionieren sonst geht eben nunmal kein Freilauf.
Viel wichtiger sind doch all die scheinbar selbstverständlichen Alltagssituationen: locker an der Leine gehen egal ob Hund, Katze, Maus, Jogger, Walker, Radfahrer, Moped, Auto, Kinderwagen, Eisenbahn.......usw.usw.usw. kommen. Und dieses lockere laufen geht nur, wenn der Hund ganz entspannt ist, wenn er Vertrauen hat und wenn er all diese Dinge als harmlos kennenlernen durfte.
Tja, und woher bekommt Hund dieses Vertrauen? Aus der Zusammenarbeit mit dem Menschen, aus der funktionierenden Kommunikation. All die anderen Kommandos sind doch eigentlich nur Tricks, Spielchen, Übungen - im Grunde trainiert man doch nur die Kommunikation.
Bei diesem Training kann es dann schonmal wichtig sein, ein einmal gegebenes Kommando auch durchzusetzen. Das ist m.M. nach Teil der Kommunikation deutlich zu machen, dass man ein Kommando nicht einfach mal so daher plappert - sondern nur gibt wenn es nötig und sinnvoll ist - wenn man es also ernst meint und es dann auch durchgeführt werden muss.
Der Verstand des Menschen ist dabei gefragt, wenn man diese Kommandos gerade nur trainieren will, also kein äußerer wichtiger Grund dahinter steckt - und es zu diesem Zeitpunkt irgendwie nicht klappt. Dann sollte ich dieses Training an diesem Tag einfach lassen. Denn sonst zerstöre ich die Kommunikation mit meinem Hund und erreiche am Ende das Gegenteil.
Und die Hausordnung? Da gibt es m.M. nach keine Regeln - denn wie das Zusammenleben innerhalb einer Familie (mit und ohne Hund) läuft, entscheiden doch immer die Betroffenen. Und das ist auch selten auf alle Zeiten festgelegt, meist wandeln sich diese Regelungen doch, weil sich auch die Familienmitglieder weiter entwickeln (z.B. Kinder werden zu Teenagern). Da entscheide ich doch für mich, was mich stört und ich deshalb versuche zu unterbinden - und was mir egal ist. Diese Grenzen ziehe ich ganz nach meinem persönlichen Gutdünken.
Nicht nur die Hunde - auch wir müssen doch oft funktionieren. Es gibt nunmal ganz viele Situationen im Leben, wo wir - genau wie unsere Hunde - einfach in ganz bestimmter Art und Weise agieren und reagieren müssen, wollen wir nicht zu Schaden kommen. Das sind ganz normale Naturgesetze - ich kann mir kaum vorstellen das irgendein Hund damit Probleme hat. ICH hab damit jedenfalls keine.
Und zumindest meine Erziehung zielt darauf ab, meinem Hund diese Naturgesetze erweitert auf unsere Lebensbedingungen näher zu bringen, mehr müssen meine Hunde nicht können - das ist leider eh schon sehr viel mittlerweile.
Schönen Sonntag wünsche ich allen
lg
susa