Hallo,
so wie ich das rauslese hat er zu wenig kennen gelernt in der Prägephase.
Es ist leider nicht damit getan Welpen zu holen, sie in eine Haus zu packen, danach in einen Stall und bei gutem Wetter in den Garten.
Campino konnte nichts kennenlernen und meiner Meinung nach muss da irgendetwas schief gelaufen sein, denn sonst wäre er nicht so wie er jetzt ist.
Zu einer guten Welpenaufzucht gehört nun mal auch, dass die Kleinen viel kennenlernen in der Zeit wo sie noch bei ihrer Mutter sind.
Das ist viel Aufwand für eine Pflegefamilie, aber wenn ich das mache, dann muss ich es auch richtig machen.
Es ist keinem geholfen wenn Campino jetzt abgegeben wird und dann wieder in einem Tierheim landet. Das sollte nicht Sinn und Zweck sein, wobei ich Deine Eltern verstehen kann. Auch Dir mache ich keinen Vorwurf, denn Du kannst es nicht besser wissen und hast Dir ja auch gleich einen Trainer geholt als Du Probleme erkannt hast.
Ich muss Dir aber ehrlich sagen, dass ich gleich zu Beginn Deines Postings dachte, dass es ein langer Weg wird bis Campino in eine betreute Wohngruppe mitgenommen werden kann. Wenn er das überhaupt jemals kann.
Solche Hund brauchen einen geregelten ruhigen Tagesablauf, bei Menschen, die sich die Zeit nehmen können sie langsam an neue Sachen heranzuführen und ihnen aber auch Grenzen aufzeigen und eine Richtung geben an der sie sich orientieren können.
Manches ist angstgesteuert, aber manches eben auch nicht. Das herauszufinden ist sehr schwer für jemanden der wenig Erfahrung mit Angsthunden hat.
Ich habe hier auch einen ehemaligen Angsthund.
Er kam mit 4 oder 5 Monaten aus Spanien zu mir. Auch hier war es nicht einfach und ich habe alleine zwei Jahre gebraucht um ihn wirklich alltagssicher zu bekommen.
Das heißt aber nicht, dass ich ihn jemals so mitnehmen kann wie ich es mit meiner Hündin mache die aus einer guten Zucht kommt, nie was schelchtes erlebt hat und gut sozialisiert wurde.
Er hält Stress mittlerweile aus, aber eben auch nur begrenzt und ich würde ihn niemals in Menschenmassen mitnehmen. An Geburtstagen bringe ich ihn ins obere Stockwerk, da er sonst keine Ruhe findet und ich auch nicht. So ist es für alle am besten, gerade wenn ich nicht ständig für ihn da sein kann und ihm sagen kann was er zu tun hat. Wenn die meisten gegangen sind, dann hol ich ihn runter.
Normaler Besuch ist kein Problem mehr, aber viele Menschen überfordern ihn, auch heute noch.
Stadtspaziergänge sind ok, aber auch hier merkt man, dass er nach einer Stunde Stresssymptome zeigt. Er hat gelernt sich an mir zu orientieren und mir zu vertrauen, aber bei anderen Menschen ist er eben nicht so einfach.
Ich hatte viele Entbehrungen in der Anfangszeit. Früher ging ich Skifahren, damals ging ich zwar mit in den Winterurlaub aber nur um mit meinem Hund zu trainieren und ihn sicherer zu machen.
Heute ist er vier Jahre alt und ich möchte ihn nicht missen. Ich kann auch wieder in Urlaub fahren und mein bester Freund zieht dann bei uns ein und hütet die Hunde. Er kommt gut mit ihm klar so lange sich mein Freund an meine Regeln hält.
Nur diese Regeln geben meinem Hund Sicherheit und er ist entspannt und umgänglich.
Hält man sich nicht an diese Regeln, dann bekommt er Stress und fällt auch wieder in alte Muster zurück.
Damit will ich Dir keine Angst machen, sondern nur sagen, dass manche Hunde nie so werden wie man sie sich vorstellt. Sie werden kleine Macken behalten die nicht weiter schlimm sind weil man mit der Zeit damit umgehen kann, aber sie sind eben nicht so unbefleckt wie ein Hund der die besten Voraussetzungen für einen guten Start ins Leben hatte.
Das heißt dann aber auch wieder, dass man einen solchen Hund nicht mit in eine Wohngruppe nehmen kann wenn ihn nicht ständig im Auge hat und dort auch mal fremde Menschen auftauchen können.
Ich wünsche Dir und Campino dass ihr euren Weg findet. Sei Dir aber bewusst, dass es nicht leicht werden wird und wenn Du Zweifel hast, dann such ein gutes, angsthunderfahrenes Zuhause für ihn.
Liebe Grüße
Steffi