Ich empfinde andere Hundehalter und deren Hunde übrigens als deutlich anstrengender als Mitmenschen, die ohne Hund unterwegs sind.
Es ist eine ambivalente Sache. Ich wohne in einem Stadtteil in denen die meisten Hundehalter das notwenige Kleingeld haben um monetär viel in ihren Hund zu investieren. Es hier auch ganz normal viel Geld zu investieren, um fehlende gemeinsame Zeit wett zu machen.
Die gängigen Hundehalter hier:
- arbeiten beide Vollzeit, dafür ist der Hund für 450€/Monat (das ist der Durchschnittspreis der Ganztagspensionen für eine 5Tage/Woche Betreuung).
- die Wochenenden werden dafür vollgestopft mit Hundetraining jeder Art.
- der Hund bekommt idealerweise Bio-Barf (die Dichte an Hundefachgeschäfte hier ist der Hammer)
- der Hund bekommt ohne akute Notwendigkeit seine regelmässigen Osteopathie und Physiotherapie Einheiten
- der obligatorische Besuch beim Tierheilpraktiker gehört zum Pflichtprogramm
- der Hund hat regelmässig Playdates.
- es wird grössten Wert darauf gelegt, dass der Vierbeiner universell mit alles und jedem verträglich ist um ihn privat überall mit hinnehmen zu können, wenn man schon Vollzeit arbeitet.
Hier tummeln sich in erster Linie Französische Bulldoggen, Magyar Vizsla, Möpse, Golden Retriever, Labrador Retriever, Labradoodle, Elos, Samujeden.
Die Nachbarshunde hier haben einen volleren Terminkalender als ich. Es gibt fast kein Restaurant in der Hood das sich traut keine Hunde zu erlauben. Die Hunde hier laufen bevorzugt leinen- und halsbandfrei. Auto- und Fahrradfahrer die nicht auf die Vierbeiner Rücksicht nehmen sind Todfeinde. Vor jedem Supermarkt oder Bäcker sitzt mindestens ein unangeleinter Hund. In jedem Restraurant/Cafe gleich mehrere. Die Einwohner hier kennen das schon und keiner stört sich mehr – zumindest nicht laut.
Ja, ihr merkt es sicherlich > es ist kein so grosser Unterschied zu Kindern mehr.
So, und dazwischen sind wir mit unserem Kotzbrocken auf vier Beinen unterwegs. Riiiiiichtig lustig – nicht. Ok übertrieben. Es klappt interessanterweise gut, weil man kennt sich halt in der Hood. Und scheinbar sind wir grundsätzlich so sympathisch (oder so ätzend) dass unser Prolet (zwar mit Naserümpfen aber immerhin) toleriert wird.
Unterm Strich muss ich sagen, wird hier viel Rücksicht auf Hundehalter genommen. Der Hund MUSS sich aber dafür gesellschaftskonform verhalten, dann darf er fast alles.
PS. dieser Stadtteil ist "grün". Autofahrer haben hier gar nix zu melden. Hier sind Ampelschaltungen Schall und Rauch und Fussgänger, Kinder, Hunde, Radfahrer haben immer recht.