<-------- Mein Sharinghund, der Typ auf dem Profilfoto, hat die fast identischen Verhaltensweisen gezeigt wie Dein Dobermann.
Er kam mit 12Monaten aus einem polnischen Shelter zu seiner Halterin. Angefangen hat seine Neigung nach vorne zu gehen und alles mit Gebrüll und Zähnen zu lösen mit ca. 14Monaten. Seine Halterin hatte vorher nur eine sanfte und zurückhaltende Boxerhündin und war schlichtweg überfordert mit ihm. Mit 20Monaten war er praktisch ausser Rand und Band.
Als er ca. 25Monate alt war, kam ich dann als feste Sharingpartnerin dazu. Ich hatte zu dem Zeitpunkt 22Jahre Hundehaltererfahrung hinter mir, mit Gebrauchshunden (DSH), und mir war Wach- und Schutztrieb nicht unbekannt
. Trotzdem habe ich mit ihm 6 Einzelstunden bei zwei Hundetrainern genommen, sowie ein Dutzend Gruppenstunden. Einfach damit jemand professionelles mal darauf schaut, eine Einschätzung abgibt, und mir konkrete Tipps für den Alltag.
Was ich sagen will, selbst erfahrene Gebrauchshundhalter lassen sich helfen. Das Potenzial dass aus ihm ein gefährlicher Hund wird war einfach da, und bei dem Kaliber kann man Eventualitäten nicht einfach ausser Acht lassen. Er wurde ein halbes Jahr lang von mir generell (aber nicht ausnahmslos) mit 2m Leine, kurzer Schleppeleine und MK geführt, obwohl er wirklich gut im Gehorsam stand. Einfach weil ich diese Sicherheit brauchte um ihm Sicherheit zu vermitteln.
Heute ist er 8,5 und wir haben es bis heute nicht geschafft aus ihm einen gänzlich unauffälligen Hund zu machen. Das war aber auch nicht das Ziel. Ein Ziel muss realistisch und erreichbar sein, und das lautete einen gut im Gehorsam stehenden Hund der sich auch in kritischen Situationen zuverlässig abrufen lässt und keine eigenmächtigen Entscheidungen trifft, die ich nicht innerhalb von wenigen Sekunden abbrechen kann (und glaub mir, auch 3sek. können seeeehr lang sein).
Mein Tipps, auch wenn sie extrem klingen (so von einem resoluten Hundetrainer gelernt der mit "gefährlichen" (behördlich deklariert) Hunden arbeitet):
- mach Dir klar was für ein Potenzial Dein Hund hat und damit meine ich das Zerstörungspotenzial
- mach Dir klar dass Dein Hund im Prinzip eine geladene Waffe ist und Du weder einen Waffenschein hast, noch eine Ahnung was für einen Schaden sein Kaliber anrichten kann. Sichere die Waffe damit sich nicht versehentlichein Schuss löst!
- Dein Hund nicht böse ist, sondern entwickelt sich rassetypisch, aber die unwissende Gesellschaft um Dich herum kann das aus Unwissenheit anders sehen
- Du bist soweit dass Du professionelle Hilfe annimmst, mach Dir aber klar dass vor euch ein Marathon liegt, kein Sprint!
- freunde Dich mit einem MK an
Alles Gute für euch. Es ist ein langer Weg, aber absolut machbar mit der richtigen Einstellung. DEINER richtigen Einstellung. Einen Dobermann (Gebrauchshund) zu führen ist kein Hexenwerk. Ich habe auch mit einer DSHündin angefangen. Aber wenn man selbst keine Ahnung hat, muss man sich helfen lassen und durchhalten. Das ist man seinem Hund und seinem Umfeld schuldig!