Ich weiss, dass es hier um gefährliche (Listen-) Hunde geht und nicht um die Gefährlichkeit von Hunden an sich. Es ist schrecklich, was da alles schon passiert ist, und zu welchen Verletzungen und Todesfällen es kam. Zu den Listenhunden kann ich nichts beitragen, da halte ich mich raus.
Potentiell kann aber m.E. jeder Hund gefährlich werden. Auch Sam könnte, wenn er richtig zubeißen würde, schreckliche Verletzungen verursachen. Auch wenn er ein rundum friedlicher, gelassener und stabiler Hund ist, würde ich nicht meine Hand ins Feuer legen, dass er unter bestimmten Umständen, z.B. wenn er selber attackiert, verletzt oder gequält würde und aus seiner Hundesicht sich verteidigen müsste, nicht auch angreifen und zubeißen würde. Einfach weil er ein Hund ist und trotz aller Erziehung und Sozialisation nicht zu 100 % "programmierbar" ist.
Aber ich will was anderes ansprechen. Verletzungen bei Kindern. Ich sehe es so, dass ich als Hundebesitzer immer und uneingeschränkt die Verantwortung für meinen Hund habe. Ich muss aufpassen, wie er reagiert, an mir liegt es, aufmerksam zu sein, wenn wir unterwegs sind, und rechtzeitig einzugreifen oder gegenzusteuern. wenn eine Situation brenzlig werden könnte (auch im harmlosen Sinn). Ich habe aber mit Sam jetzt schon mehrfach fassungslos erlebt, wie distanzlos und geradezu dumm übergriffig Menschen und Kinder mit fremden Hunden umgehen, so dass mir nur bei schneller Reaktionsfähigkeit Sekunden bleiben, um gegenzusteuern.
Beispiel 1: auf einem Gassigang kommt eine alte, wackelige Frau aus einem Haus, Mülltüte in der Hand. Sie sieht Sam und eilt, ohne ein einziges Wort zu sagen, mit ausgestreckter Hand auf ihn zu und wollte ihn am Kopf streicheln. Ohne mich zur Kenntnis zu nehmen, ohne den Hund überhaupt irgendwie anzusprechen. Sie hatte Glück, dass Sam friedlich und gelassen ist und dass ich ihn sofort zur Seite genommen habe. Als ich freundlich zu der Frau sagte, dass sie bitte den Hund nicht anfassen soll, ignorierte sie mich weiterhin komplett und ging erneut auf ihn mit ausgestreckter Hand zu, diesmal mit den gemurmelten Worten "Das ist doch so ein liebes Hundi". Ist nochmal gutgegangen. Bei einem anderen Hund wäre es das vielleicht nicht, der hätte gezwickt oder gebissen.
Beispiel 2: auch auf einem Gassigang im Park rennen zwei kleine Kinder auf Sam zu, laut schreiend. Mutter weit und breit nicht zu sehen. Ich habe mich vor Sam gestellt und die Kinder gebremst, und ihnen gesagt, dass es gefährlich ist, fremde Hunde einfach anzufassen. Sie dürfen das nur machen, wenn sie den Besitzer fragen, ob er es ihnen erlaubt. Darauf die eine: darf ich? Ich sagte, ja, wenn du vorsichtig bist, und nur an der Seite. Also haben die beiden Sam über die Seite gewuschelt, und gut war's. Mutter oder Vater nach wie vor Mangelware. Vermutlich irgendwo am Handy daddelnd. Auch in diesem Fall hätte es sehr leicht zu einem Beißvorfall kommen können. Nicht jeder Hund reagiert ruhig darauf, wenn Kinder schreiend auf ihn losstürmen und ihn betätscheln wollen.
Ich wünschte mir, dass auch Eltern sich ihrer Verantwortung bewusst sind und a) ihre Kinder nicht irgendwo allein herumlaufen und machen lassen, was sie wollen, und b) verstehen würden, dass distanzloses, übergriffiges Verhalten gegenüber Hunden NIE eine gute Idee ist. Egal wie der Hund ist, egal was die Kinder wollen, egal wie lieb man das Hundi findet.
Das würde m.E. manche Beissunfälle und die schrecklichen Folgen für Kinder auch eindämmen. Ganz abseits der Listenhunde jetzt mal gesagt. Die sind ein eigenes Thema.