Ja das klang im Eingangspost für mich auch schon etwas danach. Für mich wäre egal wie groß ein Hund ist, bei solchem Verhalten unbedingt ein Maulkorb auf dem Hund. Selbst wenn er "nur" Kratzer verursacht, bringt es die Menschen meistens zum zögern und wenn es nur eine sonst flüssige Bewegung kurz unterbricht. Ich habe hier halt deutlich mehr Hund als einen Schäfi und bin sehr dankbar darüber, dass sie eben nicht schädigen würde.
Mir ging es auch eher dabei um den Vertrauensaufbau. Meine Nachredner haben das schöner in Worte fassen können.
Kleinschrittig aufbauen. Einen festen Platz hatten wir irgendwie auch. Also mehrere wenn ich drüber nachdenke, je nachdem was wir machen. Hier hat in der Tat eine kaputte Kralle dazu geführt, dass ich gezwungen war, mich definitiv damit zu befassen. Die musste täglich gereinigt und desinfiziert werden. Am Anfang war die kaputte Pfote im Verband (Behandlung erfolgte unter Sedierung wo auch verbunden wurde). Pfoten geben kann man hier als Trick. Ich hatte zuvor bereits aufgebaut, dass man die Pfote dabei auch nicht wegzieht, sondern der Mensch sie halten darf, solange er will. Nicht so lange Hund das will. Natürlich auch da - Langsam angefangen. Das hat mir dann tatsächlich mit der Kralle total geholfen. Wir haben uns dann mehrmals am Tag langsam da ran getastet. Von alle Pfoten in die Hand geben. Dann hab ich mir die Pfoten genauer angesehen. Dann war wieder gut. Später dann Pfoten ansehen, mit einem Lappen drüber wischen. Und jedes Mal hat sie gemerkt "Oh die Pfote ist immer noch dran". War eine irre Erkenntnis für sie
Als ich nach 2 Tagen den Verband abmachen konnte, hatte sie bereits gemerkt, dass ich kein Drama an den heilen Pfoten dulde. Und sie auch keinen Grund zum Drama hat. Natürlich hat sie dann als der Verband ab war auch bei der Pfote erstmal gezögert. Ich denke auch das tat wirklich weh, weil das Leben offen lag. Aber auch da haben wir dann mit den heilen Pfoten angefangen. Und uns zur kaputten Kralle vorgearbeitet. Und siehe da - es tut auch nicht weh. Ihre Bedingung war lediglich genau zu sehen, was wir machen. Also Lappen anschauen. Salbe anschnüffeln. Nach 5 Tagen mussten wir dann zur Kontrolle. Und die Tierärztin war total begeistert. Sie selbst durfte nur gucken. Nicht anfassen. Aber ICH durfte anfassen und zeigen. Weil sie in der Zeit gemerkt hat, dass ich ihr nicht weh tu und vorsichtig damit bin.
Das habe ich dann tatsächlich auf alle Bereiche übertragen. Bürsten. Krallen pfeilen. Auf Zecken absuchen. Natürlich nach und nach. 6 Monate Training - gestern Abend eine neue Bürste gekauft. Einmal gezeigt. Einmal durchs Fell ziehen. Hmm Frauchen, das klingt anders als sonst, darf ich noch einmal gucken?. Nochmal durchs Fell ziehe. Oh da passiert ja nichts. Nochmal durchs Fell ziehen. Ok Frauchen, damit können wir arbeiten. Ende. Danach habe ich die Lieblingsbürste geholt. Die Krallenpfeile mitgenommen. Bin in die Ecke wo wir meist bürsten, weil ich da das Fell am schnellsten aufsaugen kann. Noch einmal ordentlich gebürstet. Dann aufs Sofa. Maus, wollen wir Krallen pfeilen? und die Pfeile gezeigt. Schwupp lag der Hund auf dem Sofa, Vorderpfoten über die Sofakante hängen lassen. Ich beim Fernsehen so vor mich hingepfeilt und Hund so
Nach insgesamt 60 Minuten bürsten und pfeilen hatten wir beide keine Lust mehr.
Wie gesagt, für uns war der Gamechanger durch die Kralle eben dieses wir müssen da jetzt durch. Dadurch haben wir uns zu beginn dann ein Ziel gesetzt (Beispielsweise Pfoten mit Lappen berühren), was wir erreichen wollten/mussten. Und haben uns da gemeinsam hingearbeitet. Ohne Kekse, mit Geduld. Aber auch ohne Drama zu beachten.
Ich glaube der größte Lernerfolg den ihr braucht ist dieses "klick" mir passiert nichts im Hundekopf. Und dafür brauchst du auch ein gewisses Selbstvertrauen. Für mich war wirklich der innere Schweinehund da auch so ein Thema. Also klar, mit schlechtem Tag meinerseits trainiere ich nicht. Aber abgesehen davon hab ich wirklich alle 1-2 Tage ein Häkchen auf die To-Do-Liste gesetzt bei meinem Trainingsplan. Und ja, das hat echt gedauert, so lange es gedauert hat. Mal waren wir in 2 Minuten fertig. Mal hat es 20 Minuten gedauert. Also im Drama habe ich nie das Handtuch geschmissen. Und ja dafür hat bereits das holen der Bürste oder Krallenpfeile gereicht. Also haben wir da dann teils schon angefangen, das ich die aus dem Schrank geholt habe. Der Hund war da bereits angeleint. Dann sind wir gemeinsam zum Platz gegangen. Sie durfte es anschnüffeln und untersuchen. Leine ab. Gelobt und wieder in den Schrank geräumt. Jedes mal musste es damit enden, dass a) der Hund keinen Erfolg mit seinem Verhalten hat und b) er merkt ist total unspektakulär und tut nicht weh. Und es war mein Job vorher zu definieren, dass sie das leisten konnte. Also nicht Bürste aus dem Schrank und bürsten bis der Hund aufhört sich zu wehren!!! Das scheint die Methode von dir zuvor gewesen zu sein. Und damit habt ihr einfach einen Vertrauensverlust eingebaut. Habt ihr da auch an anderen Stellen noch Themen, wo sich zeigt, dass er dir nicht vertraut? Es kann nämlich durchaus sein, dass du dir durch das Übergehen seiner Grenzen damals mehr kaputt gemacht hast, als nur die Pflege. Sollte das so sein, kann ein Training auch an ganz anderer Stelle und viel früher einsetzen müssen. Dann ist die Fellpflege nur ein Symptom.