Hi zusammen,
also, damit Patrick wieder gut schlafen kann
, eröffne ich hiermit einen Thread, in dem jeder, der möchte, über Unsinn und Unsitte der ganzen Doodle-, Designer Dog-, Hybrid Dog- Vermehrung diskutieren kann.
Und da fange ich gleich mal an.
1. Rasse
Nehmen wir mal die Definition des Wortes "Rasse" aus Wiesner/Ribbeck - Wörterbuch der Veterinärmedizin:
"Rasse - Gruppe von Individuen einer Art, die sich in bestimmten Merkmalen von anderen Individuengruppen unterscheiden und diese Merkmalsvariation vererben"
Bei Hunden unterscheidet man Rassen anhand von Aussehen und bestimmten Verhaltensweisen (=> Leistung bei Gebrauchshunden wie bsp. unterschiedliche Hüteverhalten beim BC, Aussie, Altdeutschen Hütehund, unterschiedliche Jagdhundrassen mit spezialisiertem Verhalten usw.).
Ganz offensichtlich zeigen die ganzen "Designer Dogs" rein äusserlich KEINE nennenswerten Ähnlichkeiten untereinander.
Bei den "Labradoodle"-Mischlingen gibt es bsp. Hunde, die grosse Ähnlichkeit mit dem Pudel haben. Dann gibt es Hunde, denen man den Pudelmischling deutlich ansieht. Aber auch Hunde, die aussehen wie Labrador-Mischlinge. Teilweise sogar wie Labrador-Mischlinge, denen man den eingemixten Pudel nicht ansieht und die eher wie Labrador-Schnauzer-Mischlinge oder sonst was in der Richtung aussehen.
Ähnlich sieht es bei den ganzen anderen "Designer Dogs" aus. Von Einheitlichkeit keine Spur.
Hier also von einer "Rasse" zu sprechen ist schon mal ein echter Witz.
1.1 "Alle Rassen sind dadurch entstanden, dass man andere Rassen miteinander gekreuzt hat. Warum also keine neuen Rassen mehr entstehen lassen?"
Dies ist ein typisches, immer wiederkehrendes Argument von "Designer Dog"-Befürwortern.
Mal ein Kommentar von mir aus einem anderen Forum zu diesem Thema (ich hoffe, es ist ok, eigene Texte zu kopieren, habe nämlich keine Lust, ständig das Rad neu zu erfinden *ggg*):
Aufgrund von DNA-Forschungen kann man davon ausgehen, dass mindestens 4 verschiedene Unterarten des Wolfs an der Entstehung unserer Haushunde beteiligt waren. Zunächst lebten Mensch und Wolf/Hund generationenlang nebeneinander/miteinander in einer Symbiose.
Erst als der Mensch anfing, den Hund gezielt mit Aufgaben zu "versehen" kam es auch zu einer am Anfang mehr oder weniger planvollen "Zucht". Wobei die Selektion damals eher noch wenig gezielt und spezialisiert abgelaufen sein dürfte.
Über Jahrhunderte/Jahrtausende haben sich zum einen durch natürliche Selektion (inklusive Abwanderung und Vermischung an den "Regionengrenzen"), zum anderen auch durch langsames Eingreifen des Menschen in die Selektion einige wenige "grobe" Landschläge gebildet. Nicht sehr einheitlich im Aussehen und auch nicht sehr einheitlich im "Gebrauch".
Im Laufe der Zeit entstanden aus diesen regionalen "Über"landschlägen dann durch gezieltere Selektion/Zucht die verschiedenen Landschläge, die auf verschiedene Gebiete "spezialisiert" wurden. Mit zunehmender Selektion und gezielterer Verpaarung kam es auch mehr und mehr zu Linienzuchten und damit zu einer mehr oder weniger Vereinheitlichung im Aussehen.
Und irgendwann kam dann die gezielte Reinzucht und die alten Rassen waren "geboren".
1.2 "Es sind in den letzten 150 Jahren eine ganze Reihe neuer Rassen durch Kreuzung alter Rassen entstanden"
Auch dies ein typisches Argument der "Designer Dog"-Befürworter. Ebenfalls Kopie eines meiner eigenen Postings in einem anderen Forum
Das stimmt. ABER! Die meisten dieser "neu" entstandenen Rassen waren reine Gebrauchskreuzungen. Z.B. Pudelpointer (was wenigstens ein vernünftiger Name ist und keine Lachplatte wie diese ganzen "Doodle"-Namen, die ja nur noch albern und lächerlich sind). Das waren Kreuzungen, die rein auf Leistung gezüchtet und selektiert wurden. Und die bis heute nicht in die Hände von Ottonormalverbraucher und Hundevermehrer gefallen sind. Eben WEIL sie gezielt mit Verstand, Wissen und einem idealistischen Ziel gezüchtet wurden.
Eurasier, Wäller, Elo, Kromfohrländer und Co sind dagegen eher mit Vorsicht zu geniessen. Den Eurasier kann man mit Fug und Recht als einen der ersten Designer Dogs bezeichnen. Da steckt kein Sinn mehr dahinter, denn die Ausgangsrassen sind vom Wesen und vom Aussehen her auch nicht so viel anders als der Eurasier. Und einen Gebrauchszweck hat diese Rasse auch nicht, der sie von den Ausgangsrassen abhebt.
Bei Wäller, Elo, Kromi, .... ist das auch nicht viel anders.
Auch der Labradoodle (wie kommt man eigentlich auf so nen bescheuerten Namen, das allein zeigt doch, was sich die Entsteher dabei gedacht haben) war ursprünglich als reine Gebrauchskreuzung gedacht. Im Prinzip als Experiment, das in seinem Ursprung schon längst wieder aufgegeben wurde, da die Ergebnisse nicht hielten, was man sich davon versprochen hatte.
Dafür hatten dann die ganzen Hundevermehrer und Hundehändler eine "neue Rasse", die sie ohne irgendwelche Vorgaben der herkömmlichen Zuchtverbände vermehren und unter die Leute bringen konnten. Das Ganze mit einer schmalztriefenden "Ursprungsgeschichte" versehen - und schon klingelten die Kassen.
2. Labradoodle/Goldendoodle/.....
2.1 "sind doch soooo tolle Familienhunde"
Das können durchaus tolle Familienhunde sein. Was aber KEIN Verdienst der Doodle-Vermehrer ist. Denn Fakt ist, die Ausgangsrassen sind schon tolle Familienhunde mit einem tollen Charakter, idR recht freundlichem Wesen, verspielt, lernwillig, intelligent.
Es ist also keine grosse Kunst, aus Mischlingen der Ausgangsrassen Retriever und Pudel entsprechende Hunde herauszubekommen. Und ganz sicher KEIN Verdienst der Doodle-Vermehrer, so sehr sie sich das auch auf die Fahnen schreiben. Fakt ist, die Doodle-Vermehrer schmücken sich hier mit fremden Federn. Denn der Verdienst für die züchterische Leistung liegt ALLEIN bei den seriösen und guten Retriever- und Pudelzüchtern. Und sicher NICHT bei den Doodle-Vermehrern.
2.2 "nicht haarend - für Allergiker geeignet"
Absoluter Quatsch. Zum einen gibt es genügend Doodle-Mischlinge, die haaren wie nochmal was. Zum anderen hat die Tatsache, dass ein Hund für Allergiker geeignet ist nichts mit den Haaren des Hundes an sich zu tun, sondern mit der Protein-Struktur. Und die findet sich auch in Hautschuppen, Speichel usw.
Fakt ist, dass der Pudel rassebedingt eine Proteinstruktur hat, die für viele (NICHT alle) Allergiker recht gut geeignet ist, sprich man kann den Pudel generell als "hypoallergenen" Hund bezeichnen.
Mischt man nun einen Pudel mit einem Retriever, mischt sich logischerweise auch die Proteinstruktur. Und damit geht je nach Rekombination der DNA auch die "hypoallergene" Eigenschaft der Proteinstruktur des Pudels verloren.
Klar treten auch Mischlinge auf, die diese "hypoallergenen" Eigenschaften haben. Aber die Wahrscheinlichkeit, einen "nicht-hypoallergenen" Hund zu bekommen ist recht hoch. Wie es auch die Hilferufe in diversen Pudelforen immer wieder zeigen. So von wegen "ich wollte doch einen Labradoodle weil mein Kind/ich/mein Mann/.... eine Hundehaarallergie hat, und nun reagiert mein Kind/ich/..... auf diesen Hund. Was tun?"
2.3 "diese Rassen (speziell jetzt die Labra- und Goldendoodles) sind in anderen Ländern schon längst anerkannt"
Nach wie vor stellt sich mir die Fragen, in welchen Ländern diese Mischlinge bereits anerkannt sind.
Weder das "Australian National Kennel Council" noch der "New Zealand Kennel Club" erjennen eine Rasse "Labradoodle" oder "Goldendoodle" an. Also sind diese Mischlinge schon mal im eigentlichen Ursprungsland schon mal nicht als Rasse anerkannt. Der "American Kennel Club" und der "Canadian Kennel Club" erkennen diese Mischlinge ebenfalls nicht als Rasse an.
Der Hinweis auf irgendwelche "Hybrid Dog Clubs", die diese Mischlinge als Rasse anerkennen, ist lächerlich und hat mit einer offiziellen Anerkennung als Rasse durch seriöse, von der internationalen kynologischen Fachwelt anerkannte Zuchtverbände rein gar NICHTS zu tun.